und Ihre gemahlin mir das liebe Kind anvertrauen wollten.
Es freuete mich, das Vaterliebe allein ihn zu meinen Füssen legte, denn er kniete vor mir, umfasste mich – O Sophie! ein gütiger Engel hat diesen Gedanken in Ihr Herz gegeben; meine Frau kann die arme Henriette ohnedem nicht leiden, und mein Kind wird in diesen Armen sein – Ach um wie viel glücklicher als ihr Vater –
Stumm hüllte er seinen Kopf in meine Schürze und bat mich endlich, sie ihm zuschenken. Ich weigerte mich lang, aber müsste dennoch nachgeben. Mit Entzücken küsste er sie auf den Stellen, wo er dachte, dass sie von meinen Tränen benetzt gewesen und legte sie zusammengewickelt auf seine Brust:
Ihre Tränen – die Meinige –
Ich unterbrach ihn mit der Frage: werden Sie mir Henrietten bald geben?
Ach, wenn Sie wollen! Ich will also in acht Tagen kommen, um sie abzuholen, ich stunde auf und setzte hinzu, versprechen Sie mir, dass ich Sie mit einem ruhigen Herzen finden werde, sorgen Sie für Ihre Gesundheit und auch, ich bitte Sie, für das Wohl meiner Tage.
Ich küsste ihn auf die Stirne mit einem: Gott seegne Sie und mich! nach diesem ging ich nach haus in den Wald, und Wolling begleitete Pindorf den Berg hinunter, wo seine Pferde hielten. An Kräften des Geists und Körpers erschöpft, blieb ich halb betäubt unter der kleinen Wallnusslaube. Meine Wollinge wurden ängstig und suchten mit Meta mich auf. Still folgte ich ihnen; musste mich aber zu Bette legen, und ich bat mich allein zu lassen, um mich satt zu weinen, zu kämpfen und meine Entschlüsse mit mir selbst zu befestigen. Hin ist er; hin auf immer! – Ach Rosalia! –
sechs und neunzigster Brief
Van Guden Fortsetzung.
Sie haben lange nichts von mir gehört, schreiben Sie; Sie sind darüber unruhig und bekümmert. Dank sei Ihnen, für Ihre immer gleich daurende Freundschaft, und mein langes Schweigen vergeben Sie mir!
Den ersten dieser Briefe hätte ich schon vor zwölf Tagen abschicken können; aber, da er Ihre Neugierde nur gereitzt, und nicht ganz befriedigt hätte, so dachte ich, dass Sie eher mein längeres Schweigen, als die Ungeduld nach dem Ausgang meiner Reise, um Henriette Pindorf ertragen würden; und heute kann ich Ihnen von allem genaue Rechenschaft geben. – Pindorf sah nicht gerne, dass ich selbst in sein Haus kommen, und die Kleine abholen wollte; aber ich hatte vielerlei Ursachen, darauf zu bestehen. Ich wollte ihm beweisen, dass reine, ruhige Freundschaft in meiner Seele Platz genommen habe. Ich wollte mir die achtung seiner Frau und seiner Schwester erwerben, um in dieser achtung Stärke gegen mich selbst und gegen Pindorf zu finden: weil der Entwurf, seine Tochter zu erziehen, einen grossen Ueberrest von anhänglichkeit für ihn zeigte, und er es gegen Wolling mit vieler Freude bemerkt hatte. Dann wollte ich auch seine Schwester besonders sehen, die, wie ich aus Ihres Clebergs Briefe wusste, so viel Gewalt über seinen Verstand und Neigungen ausübte. Und, meine teure Rosalia! was war das Ende alle dieses Nachdenkens und Ueberlegens? Die überzeugung, dass Eigenliebe mich elend gemacht habe, und Eigenliebe mich rettete. Ich weiss, dass Sie diese Ausdrücke von mir nicht gern hören, weil Sie glauben, es sei der person, die Sie so sehr schätzen, unanständig und nachteilig: aber, lassen Sie mich immer jede Wendung der Worte zu meinen Ideen gebrauchen, weil auch in den Ausdrücken derer wir uns bedienen, so viel Trost und Unterstützung liegt; und dann will ich Ihnen auch durch die offenherzige Anzeige meines Empfindens und Denkens in diesem zärtlichen Falle einen kleinen Maassstab geben, nach welchem Sie die Handlungen einer gewissen Gattung Sonderlinge berechnen und beobachten können.
Ich liess in meinem grossen Zimmer, das Sie kennen, auf der Seite gegen das Ihrige einen Abschnitt machen, wo ich für Henriette Pindorf eine Bettstelle, und zwei kleine Cabinette anordnete; denn sie soll Tag und Nacht um mich, und unter meinen Augen sein; und dann ging ich vor vier Tagen mit Wolling in meinem simplen, aber sehr schönen englischen Reisewagen, ganz früh nach Pindorfs Landgut ab, um dort zu essen und Abends zeitlich wieder hier zu sein; wo, durch unsere bauern und Wollings Kinder, ein kleines Willkomms-fest, für Henriette Pindorf veranstaltet war. – Meine weiss seidene, ganz englische Kleidung, mit Hut, Halstuch, Schürze und Manschetten von den feinsten Spitzen besetzt; die grossen einfachen Brillanten meiner Ohrringe; die schönen Schnüre Perlen um meinen Hals und hände, die auch durch Brillanten geschlossen werden, mussten mir, bei den Alltagsseelen, deren Verdienste und Glückseligkeit, am äusserlichem Anschein klebt, mehr Gewicht geben, als Weisheit und Güte in ihrem vollen Glanz nicht getan hätten. Wolling hatte in einem braunen Kleide vom feinsten Tuche, glatter Wäsche und seiner schönen mutigen Gestalt ein herrliches Ansehen, unser Knecht als Kutscher, und der Gärtner als Bedienter, in guten staubfarbenen Röcken mit gegossenen silbernen Knöpfen, heitern und gesunden Gesichtern zeigten auch von dem Wohlstande, der zu Wollinghof herrschte. – Die immer gleich fliessenden Tage, die einfache Nahrung, und balsamische Luft auf unserm Berge haben diess, was Ihnen und Ihrem Cleberg das äusserliche Einnehmende meiner person zu sein dünkte, gar gut unterhalten; nur, dass mein innerer Kummer eine feine Blässe über meine Wangen goss, die mir auch, bei der wenigen Munterkeit