Alles ist, was ich von meiner Liebe für Sie habe!
Er sah mich hier unaussprechlich traurig an, und rang die hände. Nach einigem Schweigen sagte er wieder: – Was ich ietzt leide, ist viel, viel bitterer, als das, was ich in Brüssel bei meiner Trennung empfand, nachdem ich so viele Monate lang alle Reitze Ihres Geists und der Güte und Anmut Ihres Umgangs genossen hatte. – Auch der Schmerz, den ich einmal in Holland fühlte, als ich von ungefähr in van Gudens botanischem Garten herum ging, Sie erblickte, und von dem Glücke reden hörte, das Sie auf alle Menschen ergossen, die sich Ihnen näherten: – Auch dieser Schmerz war lange nicht so wütend, wie der, so mir ietzo das Leben kosten wird – Sie liebten mich Sophie! Sie liebten mich, Sie hätten mich vorgezogen. Ach, ich hofte diese Antwort; ich hofte sie, nach den Merkmalen von zärtlicher Erinnerung an mich, die ich hier fand. Er zeigte da auf die Fenster meiner Zimmerchen im alten schloss. Diese Antwort macht mich aber elender, als ich war.
Er war weit davon, zu denken, was ich da fühlte, als während seiner Rede, das Bild von seligen Tagen vor mir stunde, die ich mit dem edlen, Guten würde verlebt haben. Ich achtete ihn aber bedaurungswürdiger, als mich, und suchte auch nur für seine Beruhigung zu sorgen; und glaubte, dass, da er schon so lang hätte reden können, möge sein Herz etwas erleichtert sein. Ich wollte diese Beobachtung nutzen. Ich war der Tugend und Feinheit des Gefühls einen Ersatz schuldig, wegen meiner Unbesonnenheit, und nahm gleich diesen Anlass dazu, ihm zu sagen.
Lieber Pindorf, ich kenne das Hülfsmittel, das mich und Sie beidemal rettete, und glücklich erhielte. Es hat noch seine Kraft, und muss sie an unsern Herzen beweisen; denn wir lieben die Tugend viel zu aufrichtig, um Ihr nicht in allen Gelegenheiten zu folgen. –
Bei unserer ersten Trennung wurden wir beide durch das hohe Gefühl des Gedankens unterstützt, dass Sie Ihren Pflichten gegen Ihre Eltern, und Ihrem, einer liebenswürdigen Braut gegebenen Worte getreu blieben. Süsser, innerer Friede heilte die Wunden unserer Herzen; ich sah, ich erkannte Sie auch im botanischen Garten; ich beobachtete alle Empfindung der Zärtlichkeit, die der junge Medicus in Ihnen erregte, und fühlte auch alle meine Gesinnungen für Sie erweckt, die Zufälle und Umstände hatten einschlafen lassen. – Ich kämpfte mit mir selbst, denn ich war nur vier Schritte von Ihnen entfernt; und auch da kam die Tugend der Verehrung Ihrer und meiner Pflichten, uns zu hülfe. – Sie rissen sich loss, gingen eilend weg, und ich rief nicht, gab nicht das geringste Zeichen, dass ich in der Nähe war, ob ich schon die innigste Begierde hatte, Etwas von Ihren Umständen, und der Ursache Ihrer Reise nach Holland zu wissen. – Ich bin sicher, dass das zeugnis Ihres Herzens recht getan zu haben, Sie für dieses zweite Opfer Ihrer Wünsche, eben so sehr belohnt haben wird, als das Meinige beruhigt wurde, wenn ich an meinen Sieg dachte. –
Ich schwieg hier etwas .... Nun! mein teurer Freund, jetzt –
Rosalia! ich weinte und konnte nicht gleich fortreden; ich hatte meine Hand gegen ihn bewegt, er fasste sie, bog sie gegen mich, und legte seine Stirne auf die meinige. Sanft, aber häufig flossen Zähren über meine Wangen auf meine schwarze taffente Schürze. Er zitterte etwas, weinte dann auch still, und die abfallenden Tränen seiner Augen mischten sich mit den meinigen; er bemerkte es, umfasste mich mit dem einen arme und druckte mich mit einen Seufzer an seine Brust.
Sophie! unsere Tränen vereinigen sich!
Siehe! sagte er, da er zugleich sich aufrichtete, und auf einen Tropfen deutete, der von meinem Gesicht auf einer Falte meiner Schürze hinfloss und eine Zähre, die von seinem auge geträufelt war auffasste. Mit schmachtenden Blicken sah er auf mich, seine Lippen bebten; es kam Angst und Betäubung in meine Seele, aber mein guter Genius umschwebte mich, und liess mich ihm sagen –
Ja, Pindorf! und sie sollen vereint der edelmütigen Entsagung unserer Liebe geweiht sein! Lassen Sie mich in Ihnen einen verehrungswürdigen Freund besitzen, so wie ich Ihnen – Ihrer und meiner Liebe, verspreche, dass ich Ihre Hochachtung bis in den letzten Augenblick meines Lebens verdienen will.
Ich hatte eine seiner hände mit meinen beiden gefasst und an mein Herz gedrückt. Meine Seele war erhaben und stark, so sehr sie auch mit Zärtlichkeit angefüllt schien.
Ich sah umher und sagte: Himmel und Erde sind Zeugen dieses neuen edlen Bundes unserer Seelen; Lassen Sie beide, für jeden künftigen Tag, Zeugen von der Wahrheit unserer Tugend sein!
Hier umschlang er meinen Arm und rufte: entsagen soll ich, Ihrer und meiner Liebe, in dem Augenblicke des Wiedersehens? ach, Sophie, ich ertrage diese Härte nicht! Da stunde ich auf. – So muss ich fort, Pindorf, und darf auch in Zukunft Sie nicht sehen, und was mich am meisten grämt, ich werde auch einen süssen Entwurf meines Herzens aufgeben müssen. Schnell fragte er: – was! – was für einen süssen Entwurf! habe ich Anteil daran! wird das Süsse auch für mich Armen sein? – Ich möchte Ihre Tochter erziehen, wenn Sie