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dem Haufe zuritten; ein schöner Mann nachsprengte, und mit der, mir durch die Seele tönenden stimme, rief: "Das hier Wollinghof!" sagt ihr? – "des Gärtners, der in der zerfallnen Burg wohnt?" ––

Ich hörte die Antwort nicht, sondern eilte in mein Zimmer zurück, weiss aber nicht, wie ich hin kam. – Gott, – Pindorf! er! – edel, einnehmend, Alles, was seine person ehmals mir war! –– dieses Gefühl war Rausch, und Taumel. –– Der Gedanke: zwei Damen mit ihm! war Schlag, betäubender Schlag. – Eine gewiss seine Schwester; – aber die Andre! was ist die? –– Dunkel erschien es in meiner Seele, das Bild einer zweiten Gemahlin Pindorfs, – aber ich wand mit Abscheu und Schmerz mich davon ab, und hing mit verwirrten Ideen und Empfindungen an ihm, – allein an ihm! – Ach Rosalia, Gott sei Dank, dass er vorbei ist, der Jammer, der mich zerreist! – es ist über alle Beschreibung. – Wer? o, wer schriebe, was ich fühlte, als Wolling halb ausser Atem zu mir kam: "Kommen Sie, meine Wohltäterinn, Herr von Pindorf ist da! – ihm hab ich Ihre Güte zu danken. – Er hat seine Gemahlin, und Schwester bei sich; –– mein Glück entzückt ihn." ––

Ich weiss nicht; wie die Bewegungen unsrer Seele in gewissen Augenblicken sind. Aber ich glaube, so wie mir da war, so ist die Ruhe derer gewesen, die durch unbewegliche anhänglichkeit an eine Partei, ihr Leben auf dem Schavott verlohren, und noch Anreden hielten. ––

"Lieber Herr Wolling," sagt ich mit Ruhe, "ich kann und ich will weder die Damen noch Herrn von Pindorf sehen, niemals, mein Freund, – niemals! – – Ich bitte Ihn, sag Er, dass ich Niemand sehe. Weise Er ihnen Alles; – sag Er alles was Er will, nur nicht viel von mir. Mein altes Schlafzimmer soll aber Niemand sehen, als Herr von Pindorf, nur er!" ––

Wolling faltete seine hände, sah mich an: "O Gott! was sehe, was errat ich erst jetzt!" Ich reichte ihm freundlich die Hand. –– "Es ist gut so, lieber Herr Wolling. –– Sorg Er für unsre Gäste; – hernach soll Er Alles, was ich hier verborgen habe, von mir hören." – Er sah fest und wehmütig mich an: "Ach Sie! ich lasse Sie Gott, dessen edelstes geschöpf Sie sind." –– Er ging. – Was ich tat, weiss ich nicht; aber ich war gewiss elend, unbegreiflich elend. Beinah zwei Tage fragte ich gar nicht und Wolling sagte nichts, aber er war tiefsinnig und traurig, seine Frau ängstlich. – Die Kinder hatten kaum das Herz zu sprechen; – meine Meta blickte mit tränendem, gesenktem Auge nach mir; – das Gesinde ging niedergeschlagen herum. – Ich hatte Trost nötig: das allgemeine Leidwesen drückte mich noch mehr! – Tugend wohnte hier, übende zufriedne Tugend; – und meine aufs neue erweckte leidenschaft störte in all diesen unschuldigen, guten Herzen, den Genuss ihrer Freude und ihres schuldlosen Lebens? – Ach, wie dank ich Gott für die lebhafte Empfindung die er mir für Recht und Wohl meines nächsten gab, weil dieses immer meine Seele und mein Leben rettete. – Ich ertrug den Gedanken nicht, den Ausdruck des Wohls und der Freude bei meinen Wollingen erloschen zu sehen, und bat ihn den zweiten Tag Abends, mir zu sagen, warum er so traurig mich anblicke, und selbst seit Herrn von Pindorfs Besuche traurig sei? ––

Er antwortete mit Bewegung: "Ach, Sie! – Er! – die mich und meine Lotte so selig machten, Sie Beide so unaussprechlich elend zu sehen, das verbittert mein ganzes Leben!" ––

"Wie so, Herr Wolling? – Bei mir ist nun Alles Ruhe. – Ich liebte Pindorfen, so lang ich ihn kenne; – ich wünschte, ich hofte ihn; – das Schicksal wollte es nicht. Die Vorsicht segne ihn, auf immer!" ––

"Ach! dieser Segen kommt zu spat, – er hilft ihm nichts mehr." –– "O, Herr Wolling was will das sagen? – das muss ich wissen! – wie weiss Er das?"

"Aus dem Jammer, aus dem Wahnsinn, der ihn befiel, als er Ihr Zimmer und Ihre Zeichnungen erblickte. – Blass und betroffen sank er auf einen Stuhl, nahm meine Hand: Wolling! wo ist die person, die diese Zeichnungen machte?" sagte er. ––

"Sie wohnt in meinem haus'."

"Hier; in Wollinghof!" ––

"Ja, seit zwei Jahren; und ihr hab ich all mein Glück zu danken. Sie hatten ihr in England von uns gesprochen; sie suchte Sie auf, und wollte Ihre Rückkunft bei uns erwarten." ––

"Meine Rückkunft erwarten! – o, van Guden! wie bin ich verwickelt!" er schlug sich mit beiden Händen vor den Kopf. "Vor drei Monaten hätt ich noch glücklich sein können!"

Nachdem musste ich ihm sagen, wie Sie zu uns gekommen waren? – Was Sie bisher getan, und wie Sie leben. – "Wohnte Sie