ihre Leidenschaften und ihre Absichten verborgen gehalten hätten." ––
"Es gibt aber Leidenschaften, die uns lieben oder fürchten machen; – und beide weiss ein kluger Mann zu benutzen." ––
"Nicht so gut, und nicht so lange, als er seine Gleichmütigkeit benutzen wird. Denn durch unsre Leidenschaften werden Andre Meister über uns, und lenken sie, wie es ihr Eigennutz erfordert. – Und bei einem mann, der nah an dem Fürsten ist, wird endlich die Furcht in Hass, und die Liebe in eine Vertraulichkeit verwandelt, die beide das notwendige Gewicht aufheben, und seiner person und den Würkungen seiner arbeiten schaden; so wie die Entdeckung seiner Absichten, bösartigen und neidischen Menschen den Anlass gibt, das Beste zu verhindern, zu erschweren und zu untergraben."
"Aber, wenn Sie so verschlossen sind, so wird sich auch niemand gegen Sie eröffnen; und das ist doch bei einem mann, an dem platz, wo ich Sie denke, eine sehr nötige Sache." ––
"Es wird einige Zeit dauern, bis ich Vertrauen habe. Aber wenn ich nun gegen Alle gütig und höflich sein werde von keinem nichts Nachteiliges sage, und Jedem gelegenheit gebe, sich gelten zu machen: Da soll mir schon Vertrauen zufliessen. – Behalten will ich es, indem ich niemals Jemand verraten, oder in Verlegenheit bringen werde. Und dann, mein lieber Oheim," fuhr er fort, "ob ich schon weis, dass man an Höfen weniger über Versäumniss seiner Pflichten, als über kleine Versäumnisse gegen gewisse Leute gestraft wird: so will ich Beides verbinden, nichts Schädliches sagen, und nichts Ungerechtes tun." ––
Mein Oheim fasste ihn bei der Hand, schüttelte sie freundlich, und sah ihm lächelnd ins Gesicht: "Lieber, junger Mann! wie schnell gingen Sie den Weg zur Grösse der Seele, wenn diese schönen Vorsätze einst von Ihnen anhaltend ausgeführt würden!" ––
Andre Unterredungen müssen meinem Oheim noch besser gefallen haben, weil er endlich sagte: "Rosalia! Dein Cleberg hat mir die Freude gemacht, an ihm einen würdigen Gesellschafter zu einer Reise zu haben, die meinem Herzen angelegen ist. – Du musst mir ihn acht Tage überlassen." ––
Sie denken wohl, dass ich nicht widerstrebte. Beide reisten vergnügt ab, und heute früh erhielt ich einen Brief von Clebergen, von dem ich Ihnen das abschreiben will was Ihnen gefällig sein kann: "Meine Reise ist eine reiche Erndte von Güte und Kenntnissen, die ich unserm Oheim verdanke. Nun weiss ich, wie es zuging, dass Du von Erde und Menschen so viel edle und richtige Begriffe sammletest. – Und weist Du, wohin ich reise? Ach, dahin, wo Du mit so viel Vergnügen warest, wo Du die Schweitzergebürge sahest, die so grosse Gefühle in Deiner Seele erweckten. – Morgen sind wir in Wartaussen; da soll ich Alles sehen, wo unser Oheim die besten Jahre verlebte. – Es ist eine dankbare Wallfart," sagte er, "zu der Quelle meines Glücks. Ich muss noch einmal, mich an dem Anblick ergözen. – Aber, er ist sehr nachdenkend dabei, unser guter Oheim." "Salie! ich war in Wartaussen, hatte aber das Glück nicht, Jemand von der Gräflichen Familie anzutreffen. – Sie sind in Lot- ["] [Anschlussfehler in der Vorlage]
["] noch wahnsinnig genug, den jezigen Grafen, oder den ehemaligen richten zu wollen." – Und in Wahrheit, Rosalia, es ist Alles recht schön und lobenswert eingerichtet, denn wir wurden überall umher geführt. – Aber, als wir von dem Schloss entfernt waren, und auch alle Gebäude, der so schön eingerichteten Landwirtschaft gesehen hatten, wurde unser teurer Oheim etwas still und tiefsinnig, beantwortete auch meine Ausrufungen, über die grossen, edlen Anlagen, nur mit einen gerührten blick. Ich wurde da eben so aufmerksam auf ihn, als ich es auf die Sachen war, die er mir wies. Wir kamen auf unserm Wege auf einen herrlichen Platz, wo man zwischen schönen Kornfeldern, in einer Allee von hochstämmigen Kirschbäumen, Schloss, Amtaus, Kornspeicher, Haushaltungs-Gebäude, Gemüsgarten, Waldung und Spaziergänge, mit Einem blick übersehen kan. Da fasste er mich bei der Hand. – "Cleberg! all das grosse Schöne ist Arbeit zweier verdienstvollen Väter des jetzigen Grafen! mögen Söhne und Enkel es mit so viel Vergnügen und Würde geniessen, als diese zwei Männer Grösse des Geistes, und Menschenliebe besassen!" –
Mit einer Träne der innigsten Empfindung im
Auge und zusammengelegten Händen, sah er noch einmal sich um. –– "Ach, was für selige Tage lebt ich hier! – Himmel, segne ihn immer, den Wohnplatz, den der grosse Mann liebte und ohne Pralerei verschönerte." ––
Dem Beamten, der bei uns war, und von dem er mir viel Gutes gesagt hatte, drückte er die Hand, und sagte dabei: "Sie haben ihn auch gekannt; – ehren Sie immer sein Andenken!" ––
Damit ging er, mit schnellen Schritten, einen, mit wildwachsenden Bäumen schön gedeckten Weg, den Berg hinunter, wo unser Wagen hielt, wir Beide schweigend einstiegen, und eine Viertelstunde davon wieder Halte machten, und in eine Dorfkirche gingen, wo er mit dem Küster etwas sprach, der ihn dann auf einen Platz in dem Chor führte, auf den Boden wies und sagte: "