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als uns gebühret: so ist er gewiss auch gegen uns gesinnt, wie es Klugheit und Billigkeit wollen. Unser Spotten und Tadeln ihres Stolzes ist lächerlich und fliesst auch aus übertriebnem Hochmut. – Natürlicher Weise fasst der Stand des Adels, so wenig als andre lauter verdienstvolle Personen in sich; aber ich kenne Viele? die in Wahrheit den Adel der Seele mit dem Adel ihres Namen vereinigen, und die ich mein ganzes Leben äusserst verehren werde." ––

Vielleicht, meine Mariane, hab ich zu lebhaft widersprochen. Aber ich kann nichts Unrechtes, und nichts niederträchtig Hoffärtiges leiden. Es ist in Wahrheit unbillig, wenn wir zu sehr auf den Ahnenstolz losziehen. Denn sagen Sie, ist nicht eine ganze Nation auf den Namen und Ruhm eines Mannes stolz, der in Wissenschaften oder grossen Taten sich vorzüglich merkwürdig machte? – Ist nicht die Privatfamilie stolz, in deren Schoos er erzeugt wurde? – Nun so geht es denen, die seit Jahrhunderten den Namen eines ruhmwürdigen oder mächtigen Mannes führen. Dass sie manchmal dieses Gefühl übertreiben, ist wahr und empfindlich; aber wann, in was, ist jemals eine leidenschaft im Gleichmaasse geblieben? –– Hier, meine teure Freundinn! wieder ein Blätgen mehr, und einen Tag weiter. Wenn es so fortgeht, so muss ich Ihnen in Zukunft nur halbe Briefe schicken, oder alle Vierteljahr ein Tagebuch, und indessen nur dann und wann eine Zeile mit der Nachricht meines Wohlseins; wie ich es mit der van Guden mache, bis ich ihr, nach unsrer Verabredung, immer von Zeit zu Zeit vier oder sechs von den Briefen mitteilen kann, die ich Ihnen schrieb und die Sie mir wieder leihen wollen. ––

Dieser hier, ist von Cleberg gelesen worden. Er kam freundlich, aber zu einer mir unverhoften Stunde, in mein Zimmer, fragte, an wen ich schriebe? Ich sagt es. Er bat mich, ihm etwas davon zu lesen; ich tat es. Er schien zufrieden, hielt sich aber besonders bei dem zug auf wo von Alltagsleuten gesprochen wird. – Ich fragte ihn da, ob es ihm Ernst gewesen, als er mich versicherte, dass ihm meine Hochachtung eben so wert sei, als die von Fremden oder von einem mann? "ja meine Liebe! sie ist es mir in Allem, was edles und feines Gefühl der Seele betrifft; weil Du von Allem, was menschliche Gesinnungen angeht, grosse und richtige Begriffe hast, und weil ich, in meiner Klasse, einer der besten Menschen sein möchte, und Du, als die nächste Zeuginn meines Lebens, mich durch Beifall belohnen, oder durch eine liebreiche Erinnerung auf dem edlen Weg erhalten kannst, den ich wandeln will." –

Ich war gerührt, erstaunt und glücklich, alles zugleich; nahm seine Hand, die eine der Meinigen hielt, druckte sie mit beiden Händen an meine Brust, sah mit Zärtlichkeit ihn an: "Teurer Mann! Du heiligest den Wert, den, ich gesteh es Dir, meine Eigenliebe auf mein Herz und auf meinen Kopf gelegt hatte. Ich darf also Dich beobachten, Dir Freude zeigen, wenn ich Gedanken und Handlungen von Dir sehe, die den edlen, rechtschaffenen Mann bezeichnen, wenn ja Feuer des männlichen Charakters in gewissen Anlässen Dich zu einer Heftigkeit führte, die Deiner unwert sein könnte. – Mein Cleberg hat also die kleine, niedrige Besorgniss nicht, dass feine beste Freundinn stolz werden, oder sich in Etwas über ihn erheben möchte, wenn er ihr manchmal eine Bitte für sein Wohl und seine Ruhe zugestünde." –

"Salie! diese Besorgniss könnte nur ein Mann haben, dessen Seele durch Eitelkeit, und Eigendünkel so eingeschränkt und verblendet wäre, zu glauben, dass er niemals fehlen könne; und dieser Mensch würde auch von den grössten und weisesten Mann nichts annehmen. Ich will Dir aber auch weisen, dass mein Vertrauen in Deine Einsichten nicht ohne grenzen ist. Denn in Allem, was jemals Ausrichtung der Pflichten meines Amts betreffen kann, werde ich weder Dich, noch irgend ein andres Weib anhören. Aber in Ansehung der Verhältnisse mit andern Menschen und des Einflusses, den kleine Sachen haben können, da sollen mir Deine Vorstellungen und Vermutungen willkommen sein. Ich wäre ja elend, wenn ich Misstrauen in die Absichten Deines Herzens setzen sollte; – des Herzens, das mit all seiner Zärtlichkeit sich mir eigen gab. Nein! ich will den schönen Stolz, der in Dir achtung fodert, weil er achtung verdient, nicht verletzen; und auch darin niemals kein Alltagsehmann werden, dem lieben Geschöpfe, das ich wählte, und das, mit Vertrauen auf mein Herz, mein Eigentum wurde, mit Geringschätzung zu begegnen, wenn ich nun so die Blüte von Schönheit und Freude genossen haben würde. –– das soll nicht sein, meine Salie! und ich will auch von Dir immer verdienen, dass Du Alles, was ich an Dir liebte, und was mir mein Glück versicherte, sorgfältig erhalten und vervollkommnen sollst." ––

"Das will ich, bester Mann! Sage mir nur, was Dir angenehm ist." ––

"Noch Alles, in Allem," – sagte er lächelnd, indem er mich vom Kopf bis zu den Füssen beschaute; und dann zu Otten ging, den er mit Julien zum Abendessen brachte. – Dünkt es Sie nicht, dass auf diese Art das Glück meines Lebens dauerhaft sein wird? Ich will schön, recht schön auf kleine Sachen achtung geben