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wie er mir gefallen hatte? – Ich sprach in einem sehr lebhaften Ton der Verehrung von ihm. – "Aber er ist ja gar nicht galant," sagte Cleberg, "und Du bist doch so ein schönes junges Weib."

"Pfui!" sagt ich, – "ein Mann, wie dieser, galante Sachen sagen! – das wäre ja ärgerlich. Ich möchte ihn gleich die Hälfte seiner Verdienste berauben können, wenn er den Galanten machen wollte. Dies soll er den Kammerherren und Kammerjunkern überlassen; so wie sie ihm Weisheit und Arbeit, Ruhm und Sorgen seines Platzes überlassen müssen." ––

"Aber, wenn er nun nicht höflich gegen Dich gewesen wäre, was würdest Du gesagt haben?" sprach mein Oheim. ––

"Ei. Höflichkeit und das, was man galant nennt, ist weit verschieden. Ich habe an seinen Blicken bemerkt, dass er mich, auch so gar meiner eignen person wegen, seiner achtung würdig hielt. Diese flüchtigen Blicke, in denen er den Kenner des Schönen und Artigen zeigte, ohne seine edle Kälte dabei zu verlieren, waren meiner feinen Eigenliebe viel schmeichelhafter, als wenn er mir schöne Tändeleien gesagt hätte, die, unter uns sei es bemerkt, noch keinem einzigen Menschen einen Funken Ruhm erwarben, und auch keinen besonderen Aufwand von Geist erfordern; sonst würdet Ihr Männer diesem Euren Talent schon längst einen Lorberkranz geflochten haben. Aber noch nie hab ich einen Mann von Gefühl und Geist am Ende der Beschreibung des wahren männlichen Verdiensts, wie Sie Beide den Minister mir mahlten, in einem Ton der Verehrung sagen hören; er ist auch sehr galant bei Damen, weiss ihnen so gut, als irgend ein artiger Mensch, schöne Sachen zu sagen. – Wenn sie so was von diesem mann wissen, so erzählen Sie mir es ganz geschwind, damit ich meine Seele nicht zu sehr mit Verehrung überlade. – Es schadet mir zwar so nichts; er gehört in eine andre Welt, als ich, – und da mag er galant sein, so viel ihm gut dünkt." ––

Cleberg und mein Oheim lachten herzlich über mich. "Aber Rosalia!" sagte mein Oheim, "Cleberg suchte doch auch artig um Dich zu sein und schöne Sachen zu sagen. Warum äussertest Du diesen Widerwillen nicht auch gegen ihn?"

"Ich weiss nicht mein Onkel, ob es edler Stolz seiner Seele, oder feine Kenntniss meines Charakters war, was ihn verhinderte, meine achtung und meine Liebe mit dieser Alltagskunst zu gewinnen. Denn er sagte mir wenig, war auch mit Andern nicht galant, und das Wenige, so er nach langem Schweigen sagte, war ernstaft, aber so ganz für mich, für mein Herz gesagt, dass er mich glücklich, und sich auf ewig beliebt machte." ––

Cleberg umarmte mich. "Meine liebe, sonderbare Rosalia! sieh ich will Dir was bekennen. Schon vier Jahr liebst Du mich; – Du bist nun mein! Aber Deine Hochachtung für meinen Charakter und meine denkart, ist mir so wert, dass ich untröstlich wäre, wenn ich diese Gesinnung in Deinem Kopf und Herzen vermindert sehen sollte. Denn unsre Verömdung soll in Nichts den gang der Leute nehmen, die Du Alltagsleute nennst. – Du bist kein Alltagsweib, und ich schmeichle mir, auch eine gleiche Ausnahme unter jungen Männern zu verdienen; so wie ich sicher bin, immer süsses, wahres Glück des vernünftigen Mannes, in meinem Leben mit dir zu genüssen, wenn auch schon diese reizenden Wangen welkend, Dein Auge matt und die schönen kastanienbraunen Haare silberfarb sein werden. Lass mich nur immer der einzige Vorgezogne in Deiner Seele sein. Ich kann auch keine Alltagsliebe, und Alltagshochachtung leiden." ––

Er wandte sich gegen meinen Oheim und fasste eine seiner hände, während er mich mit einem Arm umschlungen hielt. "O, mein Oheim! Ehrenstellen und Vermögen, die ich durch Sie erhalten habe, sind der geringste teil meines Glücks. Aber Wahrheit und Stärke Ihrer Seele, die Sie in Rosalien, neben weiblicher Feinheit des Gefühls, und zärtlicher Liebe pflanzen konnten, – das, das macht mich selig." ––

Sagen Sie, liebe Mariane! war das nicht eine schöne Stunde meines Lebens, die mir allein meine Reise nach C** auf ewig wert machen muss? ––

Ich machte bei allen Damen Besuche, und habe es gestern bei Mademoisell Bogen in zahlreicher Gesellschaft erzählt. Alle, Alle haben mir auf das gütigste begegnet, mir meinen Besuch erwiedert; eben so, wie Frauenzimmer meines Standes mir viele Höflichkeit und Begierde nach meiner längern Bekanntschaft zeigten. Da waren nun bei den Bogens einige Personen die mir sagten: –– "ja, das liesse sich von den Damen sagen, weil sie mich nicht lange gesehen hätten; denn sonst würden sie mir auch die Geringschätzung haben fühlen lassen, die sie gegen Leute der übrigen Klassen hätten."

"Wir wollen billig sein," sagte ich. "Wenn wir nun in einer Gesellschaft sind, wie diese hier, würden wir es gerne haben, dass sich Leute von andern unter uns stehenden Klassen zu uns drängten? würden wir nicht auch näher zusammen rucken, um unsre Plätze unvermischt zu erhalten? – Ich für meinen teil habe gar nichts gegen die eingeführte Rangordnung zu sagen, und bin aus Erfahrung überzeugt, wenn man dem Adel seine gerechten Vorzüge lässt, und zeiget, dass man sie erkennt, und von ihm nicht mehr fordert,