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Liebe! am verwichnen Donnerstag fing ich an, und wurde fünf Tage gehindert ihn zu endigen. Aber dafür hab ich ausgesuchte Stunden genossen. –– Cleberg und Otte kamen von ihrem Spaziergange mit Ernst Itten so zufrieden zurück, dass mein Mann in einen grossen Eifer geriet, den jungen Mann bald eigen zu haben. Ich war also den Freitag und Sonnabend beschäftigt, sein Zimmer zurecht zu wachen, dass er Montags früh dasselbe beziehen könnte. – Sein, von seinem Vater verfertigter Schreibetisch und Stuhl wurden gebracht, wie auch ein Koffer, mit seinem Weisszeug und Kleidern, welches, wie er mir sagte, seine Schwestern gern hätten auspacken wollen, aber die Mama habe es nicht erlaubt. – "Es war mir leid; denn meine Schwestern lieben mich, und sie sagten, nun würden sie so nicht mehr die Freude haben für mich zu sorgen; sie wünschten nur, in dem fremden haus, mir alles so zurechte zu machen, wie ich gewohnt sei und dabei auch meinen neuen Aufentalt zu sehen. – Die Mama glaubte, es wäre Unbescheidenheit, dass vier Mädchen so in Ihr Haus kämen; denn es würde doch jede betrüben, die zurück bleiben sollte. – Ei! sagten sie alle, die Frau Residentin ist aber so voll Güte, und hat sie nun in den zwei Besuchen selbst Mama geheissen, und uns alle so freundlich eingeladen." ––

"Das ist wahr, liebe Kinder! Aber wir müssen diese Güte um so weniger missbrauchen." ––

"Das erkannten die guten Mädchen auch, und genügten sich also, mir meinen Koffer zu packen. Jede legte, mit Tränen der Freude und Wehmut das zurecht, was sie für mich gearbeitet hatte, denn ich bekam diese vierzehn Tage über noch Manches aus der Vorratskammer meiner guten Mutter, und wenn der Segen, den sie mir dabei gab, auf mein Wohlverhalten würkt," sagte der edle Jüngling, indem er meine Hand nahm und küsste, "so werde ich Ihre und Ihres Gemahls Güte immer verdienen." –

Ich dachte da auf ein Mittel, den guten Mädchen ihren so billigen Wunsch zu erfüllen, und glücklicherweise gab ein Tadel meines Mannes den Anlass dazu. Er ging in Ittens Zimmer, fand alles gut, nur die weissen Vorhänge wären zu kurz; – ob ich diesem Fehler nicht noch abhelfen könnte, indem ich andre aufmachte? – das konnte ich nicht, weil ich für den obern Stock noch nicht doppelte Vorhänge habe, aber durch Falbala konnte ich sie verlängern. Die waren aber auch noch nicht gemacht, und wer garnirte mir in einem Nachmittage sechs Vorhänge! Aber, wenn ich nun zu Mama Itten ginge, und sie bäte, mir ihre vier Töchter zu diesem Freundschaftsdienst auf den Nachmittag zu erlauben? –– Ich mass die Weite und Länge, schnitt die Falbala zurecht, legte sie nett zusammen und auf jeden teil eine Portion Zwirn und die Schnur zum Aufnähen der Falten, stellte vier Stühle in meinem Wohnzimmer in eine Reihe legte auf jeden eine Falbala, auf den fünften aber, der mein war, zwei, sagte niemand nichts und als Cleberg mit Itten, nach dem Mittagsessen, in den Hof und kleinen Hausgarten ging, die Kutschenremise, und die Pferde besah, eilte ich in meinem Hauskleide zu Mama Itten, bat sie um die hülfreiche Hand meiner jungen Freundinn und führte die lieben Mädchen alle viere zugleich über die Strasse in mein Haus. – Die gute Frau willigte so gern in meine Bitte, freute sich, dass sie mir einen Dienst erweisen könne, und dass die Geschicklichkeit der Nadelarbeit ihrer Töchter der erste Anlass zu einem Ausflug von dem väterlichen haus wäre. –– Dann gefiel es ihr auch, dass ihre Kinder mit mir gingen und also alle Nachbarn sahen, dass ich sie selbst abgeholt hätte, und das ihnen guten Kindern Ehre machte. – Ich musste erlauben, dass sie ihre gut genähten Kleider anzogen; sie wollten geschwind fertig sein, sagten sie. – Ach, wie büpften die guten Geschöpfe so freudig nach ihrer kammer, und gewiss waren sie bald fertig. –– Auch ihre selbstgeklöppelten Spitzenhauben, die sie aufsetzten, nahmen ihnen nicht viel Zeit weg, denn sie sind nur nach Art französischer runden Schlafhäubchen gemacht, die ganz plat ins Gesicht gehen und breite Bänder umgebunden haben. Sie sahen alle recht lieblich aus, und ich würde mich über diese Reihe Schwestern gefreut haben, wenn sie mein gewesen wären, so wie sie mich als Nachbarinnen freuten. – Ich nahm die zwei Jüngern jede an eine Hand und ging an den Torweg. Die Mutter folgte die Stiege herunter, schweigend und weinend, mit den zwei älteren. –– "Adieu, Mama!" sagt ich, "heute Abend bring ich meine Schwestern wieder; – Wir wollen recht brav und fleissig sein." – Sie konnte nichts sagen, als: "Gott segne Euren Ausgang! grüsst doch den Ernst." ––

Meine Magd hatte an dem Fenster der Gesimstube auf mich gewartet, die Haustür war also gleich offen, wie wir kamen. Ich verbot, meinem mann und Herrn Itten etwas zu sagen, und zog mit meinen artigen, schüchternen Mädchen, in mein Zimmer. In der Tat waren sie alle bebend und schlossen sich an mich, wie junge Küchelgen, die von den Flügeln der Mutter weg sind, etwas Kälte fühlen, und sich an eine andre, freundliche Henne anschmiegen wollen. Sie getrauten sich nicht recht umzuschauen, ungeachtet Neugierde nach dem Aussehen meines Hauses