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solle es lakiren. Das war allen Recht. – Cleberg sagte zu Ernst Itten: "Sie sollen nicht umsonst in meinem haus sein, sondern mir drechseln lehren und die Zimmer in unserm Gartenhause meiner Salie, wollen wir, mit Herrn Ernst, selbst recht schön mahlen." – –

Nun kam das Schlaf- und Arbeitszimmer der beiden grossen Söhne. Die haben auch alles abgeteilt, jeder ein Fenster in Besitz, und eigenen Schreibtisch, Büchergestell, – Schrank und Betten so ordentlich, so rein und alles alles so äusserst einfach. –– Lieber "Ernst, sagte Heinrich, bald hörst Du mich nicht mehr schnarchen;" –– "und Du mich nicht mehr im Schlafe reden." –– "Ach, wie gern hörte ich Dich!" antwortete Heinrich ––

Die Mutter nahm diesen bei der Hand: – "Wilst Du nicht den guten Reinhold, au Ernsts Platz, in Deine stube nehmen?" – Der Junge hüpfte an Heinrich hinauf. –– "Nimm mich doch, lieber Bruder; – sieh! ich werde auch gross." Da stellte er sich ganz gerade vor ihn. ––

"Ja, mein Reine, Du alleine sollst mich Ernsten vergessen machen." –– und küsste ihn da. – "Ernst! rief der Kleine, da krieg ich Deinen Schreibtisch und deinen Stuhl und Bett auch. – Dann will ich Heinrichen sagen: Da sass Ernst, der gute Bruder, als er mir schreiben lehrte; – in jenem Winkel stand ich, wie er mir von Pappendekel Vierecke und Achtecke und Dreiecke machte, und ich ganz geschwind einen runden Ring mit dem Rötel musste zeichnen lernen." "Lieber Schwätzer, sagte Ernst, – ich kann Dir den Schreibtisch und Stuhl nicht lassen; der Papa hat beide selbst gemacht. Du hast einen von ihm, und wirst alle Tage noch viel von seiner Arbeit sehen; ich nehme den mit." ––

"Du hast Recht, Ernst! Du must es mitnehmen und den Papa immer ehren, auf dass dirs wohlgehe und Du lange lebest auf Erden." –– O, Mariane! wie herrlich ist das gewesen.

"Aber," sagte die kleine Mariane, "da solltest Du wohl auch Dein Bett nehmen, woran die Mama und die Schwestern arbeiteten; – sonst vergiessest Du diese." ––

"Ach, gewiss nicht! – sie werden in meinem Herzen bleiben, wo ich auch immer sein werde." ––

Wie viel Wahrheit und Treue ist in dieser Familie! ––

Jetzt ging es die Stiege zur Seite hinab, wo wir in das Stübchen kamen, in dem Frau Itten, bei dem Leben ihrer Schwiegermutter wohnte. Es war noch getäfelt, runde Scheiben in den Fenstern. Aufziehläden und der Ofen von Töpferarbeit, mit schwarzer Glasur. An der Decke liefen die Balken ganz frei über, waren aber geweisst. – Ein klein Kämmerchen stiess daran, und eine Küche, die nun Waschküche ist; wie das Stübchen Obstdarre und Bügelplatz, das Kämmerchen aber Milchstübchen ist. Durch diese Waschküche geht ein gang in des Webers Haus, wo es sehr ordentlich aussieht, und der Weber ein sehr geschickter Mensch, wie seine Zwillings-Schwester ein recht gutes vernünftiges Mädchen ihres Standes ist. Die Ittensche Magd schläft auch in diesem Nebenhause, das nichts als eine tür in die Nebenstrasse hat, die vergitterte Fenster aber gehen alle in den Ittenschen GartenSie webten Beide, als wir in die stube kamen; er, schöne glatte Leinwandsie, wirklich recht artig gestreifte Handtücher. – Wir gingen durch den Hof in den Garten. Die Kühe sind sehr schön und der Stall so reinlich wie meine Zimmer. Einige Hühner liefen im hof, die einen vergitterten Stall haben, der in einer Ecke bei dem Kühstand angebracht ist, wodurch sie im Winter Wärme haben. Im grossen Gemüsgarten ist alles in Betten eingeteilt für Mutter, Töchter und Magd. Da ist alles so zierlich gepflanzt in gerade, quere, lange oder schief laufende Streifen, viereckigte Betten, oder für jede Gattung, die sie pflanzten, ein langes schmales; denn sie wechseln immer mit den Arten in ihren Stücken, um jeden angewiesenen teil von Salz, Oel und Saft, der im nehmlichen Erdreich jeder Pflanze bestimmt ist, mit Klugheit zu nutzen. Das Obst, so auf den Zwergbäumen an der Mauer dieser abge teilten Stücke wächst, steht in der Willkühr derjenigen, die den Gemüsteil anbaut; das kann sie roh essen, dürren, kochen, wie sie will, auch verkaufen; so auch die Blumenstöcke, welche am fuss jedes Teils auf einem kleinen Geländer stehen. – Die übrigen Zwerch- und hochstämmigen Bäume sind unter den Befehlen und der Arbeit des Vaters und der Söhne. Durch den gekauften Garten haben sie so viel Nussbäume erhalten, dass sie Salat- und Brennöl davon bekommen, mehr als sie und ihr Weber brauchen. – Denn dieser bekommt von Allem, was ihnen wächst, so viel, dass er nichts zu kaufen braucht; und immer den halben Lohn der Arbeit dabei, wie auch eine gewisse Zahl starkes Garn für ihr Weisszeug. Dagegen verkauft auch die Weberinn das übrige Obst, Gemüs, Milch u.s.w. Doch diesen gekauften Garten geht auch ein Fahrweg gerad an das Tor, wo sie dann all ihr Holz, Heu und Korn, ohne Geräusch und aufsehen, in die Stadt bringen und an recht frühem Morgen zu ihrem Pachtbauer spazieren gehen, zu dem sie alle