woran die Stränge Garn hingen, die jedes diese Woche schon gesponnen hatte. Dieser Anblick bewegte mich innig. – Gewiss ist Fleiss eine Tugend! ich fühlte es da in der Ehrfurcht die mich in diesem Zimmer durchdrang. – Hannchen sagte zu unserm Itten, indem sie traurig lächelnd auf einen Stuhl wiess. – Ernst! nun liesest du uns nichts mehr vor! – Dann gingen wir in das Schlafzimmer der Eltern. Da ist ein altes grosses Bett, von schöner Schreinerarbeit, mit uralten, aber starken und reinlichen grün und weissen Vorhängen, mit Franzen von nehmlicher Wolle und Garn geziert; ein Grossvaterstuhl und ein Paar andre, von grünen Tuch, auch mit Franzen. Zwei Schränke sind auch da, wo in einem Herr Itten, in dem zweiten seine Frau ihr Weisszeug und Kleider haben. In einem Pfeiler des Hauses, neben dem Bett, ist ein kleiner Schrank, worinn die Hausarzeneien, und immer eine kleine Flasche Spanischen Weins, guter Essig, Mellissengeist, vorrätig ist, nebst ein Paar Töpfen mit Salben gegen Wunden und Brand. Das geschriebne Arzenei- und Kochbuch ist auch dabei. Die vordern Fächer kann man aber ausheben und hinter denselben Geld und Kostbarkeiten verwahren. – Diese Ueberbleibsel von der einförmigen häuslichen Klugheit unserer Vorväter waren mir ehrwürdig und schätzbar. – Denn ist noch ein Zimmer abgeteilt, wo in einem Teile der jüngste Sohn von elf Jahren schläft, zu dem die Mutter gleich kommen kann, wenn ihm was fehlte; und in der zweiten Hälfte ist das Weisszeug, so zum täglichen Haussgebrauch gehört, und Näharbeit. Hier gingen wir über den gang in ein unbewohntes, aber sehr freundliches Zimmer, mit zwei Betten; die Vorhänge des einen und die Wände grün, ein grosses Fenster gegen Morgen in den Garten hinaus; das andre Bett nur ein schmales Ruhbettgen, ein gemächlicher Lehnstuhl, ein auch schmales, langes Hängtischgen an der Wand und das einzige Gemälde, so ich noch im haus angetroffen, stellt die Auferstehung Christi vor, und ist von einem sehr guten Meister, wie Cleberg sagt. Zwei nach der alten Art als Herzen formirte Blumenkrüge, von blau und weissen Porcelan, mit etlichen Oeffnungen, und ein kleiner Schrank, der unten im Tisch angebracht war, vermehrte mein aufmerksames Umhersehen. – Frau Itten sagte dann "Dies ist unsere Krankenstube, damit die gewöhnlichen Schlafzimmer gesund bleiben, und der Kranke gemächlich sein kann. Gegen Morgen ist es am freundlichsten, denn Kranke verlangen nach durchlittenen Nächten, so sehr nach dem Tage, und da können gleich die ersten Strahlen der Morgenröte einbrechen und sie trösten. Die grüne Farbe ist für schwache Augen am besten; – und dieser Gedanke," da wies sie mit Andacht auf das Gemälde, "ist die grösste Stärkung in Schmerzen und im tod. – Die aufwartende person schläft hier, und kann auf das Bett sehen. Kleine Besorgnisse sind auch da," sie machte den Schrank auf; "da ist Alles, was man nötig hat." –– Der zweite Sohn hob den Hängtisch ab und passte ihn, quer über das Krankenbett, in einen Ring, stellte dann auf den Boden den Fuss fest: "Das ist gut, ;139;sagt er, wenn man diesen Tisch noch braucht; denn da kann der arme Kranke selbst essen und trinken." – "Aber er drückt ihn nicht, sagte die jüngste Tochter, denn sehen Sie! wenn ich auch die Decke so hoch hebe, als ein dicker Kranker sein kann, so ist doch noch Platz." ––
Es freute mich, dass Cleberg gleich auf der Stelle sagte; "Salie! wir wollen auch ein solches Zimmer haben, denn es ist in Menschenwohnungen eben so nötig, als eine Küche."
Dann folgte ein grosses Zimmer, weisse Wände mit zerstreuten Blumen bemahlt, worin vier Betten stehen, und die Töchter alle schlafen. Die Vorhänge sind grobes blau und weisses Leinen, aber die Decken ganz weiss, von eigen gemachten Kattun. Frau Itten sagte hier: ––
"Meine Töchter sagten: Wir spannen, bleichten und nähten sie, wir wollen sie auch immer selbst waschen. Und weil Reinlichkeit allein der Grund zu dieser Bitte war, so erlaubte ich es ihnen gern. Die Wände haben ihre Brüder so frühlingsmässig gemahlt." –
Zwischen zwei Betten steht auf jeder Seite ein Schrank, worinn immer zwei Schwestern ihre Kleider und Weisszeug haben. Oben an den zwei Fenstern hin läuft ein langer, schmaler Tisch und an dem Pfeiler ist ein Spiegel, der einzige für vier schöne Mädchen. Unter dem Spiegel, eine alte grosse Stockuhr die sehr herzhaft die Stunden des Erwachens schlägt; und auf dem langen Tische, gegen die Seite, wo zwei Töchter schlafen, dieser Beiden Nähküssen und Strickkästchen. –– Unter dem blau und weissen Vorhange, der am Tisch hinläuft, sind auf einem Gefache, vier zinnerne Waschbecken, Seifenbüchsen, Waschtücher, Kammfutterale und Puderschachteln; ganz unten, ein Gefach für ihre Schuh. Vor den Fenstern sind Blumenstöcke, die die lieben Mädchen selbst besorgen. –– Dann kommt ein ganz grosses Zimmer in welchem Schreiner-Handwerkszeug, Tünchergeräte, und eine Drechselbank ist, – welches noch von den ledigen Jahren des Herrn Rat abstammt, aber wo er auch mit seinen Söhnen arbeitet. – Ich bat mir einen kleinen Nähtisch von Papa Ittens Arbeit aus. – Ernst wollte es allein machen. – Nein, sagte ich, er solle nur die Füsse drechseln, Papa die Platte machen und Heinrich