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einer bösen Frau gegeben zu haben. Denn seine Mutter liess mich nur Einmal zu ihr kommen, und sagte mir da, auch mit Rauhigkeit, ich sei an dem ersten Ungehorsam Ursache, den ihr Sohn, ihr erwiesen hätte; und da sie, als Mutter, wisse, wie viel ich seinem Glücke geschadet habe, so dürfte ich mich nicht wundern, wenn sie mich nicht gern um sich leiden könne. Ich möchte also sehen, wie ich mit der halben Besoldung meines Mannes für meine Kost, Wäsche, Holz, Licht und Kleidung, auch für Gäste, sagte sie spottend, zurecht kommen könne. Denn da sie um meinetwillen nicht allein essen und der Gesellschaft ihres einzigen Sohns beraubt sein wolle, so müsse er mit ihr speisen und die halbe Besoldung zu einem Kostgelde fortgeben. Er habe sonst die andre Hälfte für sich allein gehabt; weil er sich aber gegen ihren Willen verheiratet hätte, so möge er fühlen, was die Straffe Gottes für Ungehorsam sei, und sein Weibchen möge ihm büssen helfen. –– Ich sagte, es wäre mir leid, gegen ihren Willen in ihr Haus gekommen zu sein. Mein Mann wäre mir deswegen nicht weniger lieb. Sie möchte also doch ihm sein Leben nicht verbittern, ich wollte mir von seiner Mutter Alles gefallen lassen, aber es freue mich zu wissen, dass Itten von meinen Eltern niemals die geringste Härte zu erdulden gehabt habe. Da nannte sie mich ein naseweises Ding, ich solle ihr aus dem Gesicht gehen. Das tat ich. Ihr Bruder nahm meinen Besuch gar nicht an, und ich wollte niemand sehen; machte also nur dem Pfarrer einen Besuch und ging nirgends hin, als in die Kirche und im Sommer, Abends im Mondschein, wenn meine Schwiegermutter schlief, mit meinem Mann spazieren, welches auch die einzige gelegenheit war, in der ich die Stadt sah. Und so ist es auch meinen Töchtern gegangen. – Nach haus schrieb ich nichts, als ich wäre zufrieden. Helfen konnten mir die Meinigen nicht; ich hätte sie also vergebens gekränkt. Es war mein Glück, dass ich Betten und Weisszeug von haus hatte, sonst wäre mir übel gegangen; denn die Magd durfte mir nichts geben und ihre Tochter, die mir zugegeben wurde, musste alle meine Schritte beobachten, so gar ass das böse junge Ding mit mir. Ich hatte nur die Hälfte meiner Aussteuer fertig gemacht bekommen, und das Uebrige an Stücken. Da nähre und strickte ich, kaufte mir Flachs und Baumwolle, spann da fleissig, klagte nie, ass gering, immer entweder nur Suppe oder nur Gemüs, wenig Fleisch, – schrieb alles auf was ich brauchte und gab am Ende des ersten Quartals meinem Mann noch Geld zurück. Was er für mich litt, kann ich nicht genug beschreiben. Seine Mutter hasste so gar meine Kinder; und der Weberin, die zugleich ihre Magd war, erwies sie alle Freundschaft und achtung. In den lezten fünf Wochen ihres Lebens, da ich sie bewachen und warten half, bereute sie es, bat mich um Vergebung, und schenkte mir die Kleider, die sie noch übrig hatte. Nach ihrem tod fand sich das Vermögen sehr gering, so dass sie in der Tat, die halbe Besoldung meines Mannes nötig gehabt hatte, weil sie gar gut lebte. Nun verkauften wir was an Silber und anderm entbehrlich war und kauften uns einen Acker und Wiese, weil uns die Landhaushaltung immer freute. Der grosse Garten meines Hauses stösst an einen, der ganz nahe am Tor liegt; den kauften wir auch. Da konnten wir zwei Kühe halten, zogen durch Pacht unser Korn, in den Gärten Gemüs und Obst selbst, und assen gering. – Ich hob alle meine artigen Kleider für meine Töchter auf und trug die, von meiner Frau Schwieger-Mutter. Mein Bruder schickte mir wohlfeilen und guten Flachs, davon schafte ich mit meinen Töchtern und der Magd, die das beste geschöpf wurde, viel Weisszeug. Die Weberfamilie hatte ich beibehalten, und tat ihr Gutes. Diese webten immer auf zwei Stühlen für mich. Ich bleichte in meinem Garten und verhandelte dann Leinwand und Baumwollenzeug gegen das, was ich für meinen Mann und Kinder brauchte, machte auch vieles zu Gelde für meine Kinder, und gab meinen Töchtern die Freude, das immer Jede was zu ihrer Ausstattung erhielt, und immer das Beste, so sie selbst gesponnen hatten. Seitdem alle viere mit mir und der Magd spinnen, hat es Vieles getragen. Meine Kinder waren mir Gesellschaft genug. Ich suchte ihnen ihr Leben zu versüssen, so viel ich konnte. Sie sind alle gute Landwirte und meine Mädchen wissen alle Weibsarbeiten von mir, wie meine Söhne Schreinerei, Tünchen, Zeichnen und etwas mahlen von ihrem guten Vater gelernt haben. – Alles, was sie in der Moral und geschichte lernten, mussten sie bei mir und ihren Schwestern wiederholen und ich hatte das Glück, Alle mit der Hoffnung einer herrlichen Zukunft, bis auf diesen Augenblick, zu führen. –– Ihre Seelen sind rein, wie sie am Tage ihrer Taufe waren. Ihr Verstand ist hell, weil niemals das geringste Vorurteil, oder Märchen darein gelegt wurde. Sie sind gut, weil ihnen niemals übel begegnet war; gesund und schön, weil Ordnung und Einfalt in Leben und Nahrung beobachtet wurde. – Ach, bis hieher hat Gott geholfen. – Ich muss Ihre Freundschaft für einen Fingerzeig von ihm ansehen, mit welchem er meinen Kindern ihre Lebensbahn bezeichnen will