Sonne und dem Himmel blühten, absterben wollen, als, von vielen gesehen und von keinem gewünscht, eine Zeitlang glänzen, endlich als eine schon lange gewöhnte Sache, an der nichts Neues mehr zu bemerken ist, ausser aller achtung gelassen werden." ––
"Ich kann Ihnen, in alle diesem nicht Unrecht geben. Die zu eifrige Nachahmung der französischen Erfindungen, der Pracht und kostbaren Zeitvertreibe, sind allem Ansehn nach Ursache, dass die Heiraten seltner werden; weil man immer fürchtet, sein Auskommen reiche nicht zu, mit Frau und Kindern standsmässig zu leben." ––
"Das ist auch wahr. Denn wenn ich nach dem Titel meines Mannes und der jetzigen Mode, wie man es heisst standsmässig hätte leben, mich und Kinder kleiden, das Hausgerät schaffen sollen: so hätt ich kaum für zwei Kinder das Nötige gehabt, und die andre fünfe hätten darben müssen." ––
"Sind denn die Einkünfte des Herrn Rat so gering?" ––
"Wissen Sie denn nicht, dass er eigentlich nichts als zweiter Registrator ist, und nur der kleine Stolz seiner Frau Mutter ihm den Ratstittel kaufte? Ich war auch stolz und klug genug, als Frau Rätin mich keiner Geringschätzung blosszugeben, und ganz geduldig als Frau Registratorin kärglich zu leben."
"Sie sind nicht von hier, meine Frau Rätin, das weiss ich. Haben Sie auch keine nahe Verwandte in der Stadt?"
"Ich bin fremd. Mein Mann hat Verwandte, aber keine Freunde, sonst hätten wir auch nicht so eingeschlossen gelebt." ––
"Keine Geschwister sind es doch nicht, diese unfreundliche Verwandte?"
"Nein, nur ein Oheim mütterlicher Seite, der grosses Vermögen, aber eigne Kinder hat und meinen Mann, der stillen, ruhigen Ganges lebt, nicht achtet und ihm bloss zu dieser Stelle half. Wenn mein Vater länger gelebt hätte, so wär er besser besorgt worden. Aber er starb, als ich noch Braut war, hinterliess auch sieben Kinder, wovon mein ältester Bruder, seine Oberamtmannsstelle mit der Bedingung bekam, meine Mutter und die übrige Kinder zu unterstützen. Er hat es getreu getan, – und Gott lohnt es ihm; denn er steht gut, und hat rechtschaffne Kinder. Zwei meiner Brüder und eine Schwester sind in Amerika recht glücklich; einer, der als Pfarrer mit deutschen Emigranten hinzog, und meine ältere Schwester zu Führung seines Hauswesens, und den Bruder als Baumeister mitnahm. Eine Schwester ist Hofmeisterin in einem adelichen haus, und die vierte wartete unsrer guten Mutter bis ans Ende mit kindlicher Liebe; wo sie dann mit dem Amtsschreiber unsers Bruders verheiratet wurde, und bei fünf Stiefkindern eine eben so gute, zärtliche Mutter ist, als ich bei meinen eigenen. – Meines Mannes Vater, und der meinige, waren Universitäts Freunde gewesen, und das stille Gemüt meines Itten brachte seinen Vater auf den Einfall, er würde sich am besten auf das Land schicken, zumal da er Blumen und allerhand kleine Handarbeiten, Feldmessen, Zeichnen, u.s.w. allen andern Zeitvertreiben vorzog. Er schickte ihn mit neunzehn Jahren zu meinem Vater in die Kost und Lehre. Unser Graf hatte da sein Schloss bis auf die Schreinereisachen aufgebaut. Der schöne Itten war immer beim schnitzeln und hobeln, machte, was ihm mein Vater zu tun gab, gut; besonders hielt er die Registratur in der grössten Ordnung, er schrieb eine schöne Hand und war in seinem Betragen sanft, voll Güte, gefälligkeit und Ruhe. Zwei Jahr achtete er auf nichts als Schreiner- und Tüncherarbeit im neuen schloss, worüber ihm auch mein Vater die Aufsicht gegeben hatte. Viehzucht, Acker- und Wiesenbau gefiel ihm auch; aber Amtalten und Berichte machen, das gefiel ihm nicht. philosophische und moralische Schriften waren seine Freude und im Winter lass er uns Mädchen bei unsrer Arbeit halbe Tage vor. Endlich fasste er eine heftige Liebe für mich. Mein Vater wollt ihn durch mich zu weiterm Studiren bringen; aber er redte mir so viel gegen die Rechtsgelehrteit, und von dem Vermögen seines Vaters; und dass wir nur von der Landwirtschaft leben wollten, und so, dass ich ihn nicht weiter plagte. Sein Vater starb vor dem meinigen, da er in Eile heim musste, um ihn noch zu sehen. Seine Mutter zog in die Stadt, wo sie immer gern war, in das Haus, wo ich noch wohne, und suchte da durch ihren Bruder, ihrem einzigen Sohn in der Stadt ein Amt zu erhalten. Es ging ein Jahr hin, eh es geschah und sein Oheim hielt ihn zu nichts tauglich, als zum Registrator, welches seiner Frau Mutter zu wenig dünkte. Sie kaufte ihm den Titel eines Rats, wollte ihn auch vornehm verheiraten; aber er sagte ihr seine Liebe für mich, worüber sie sehr böse war, weil sie ihn in eine reichere und grössere Verbindung zu bringen hoffte. Er grämte sich über ihren Widerspruch zum Krankwerden. Verlieren wollte sie ihn nicht, und gab endlich ihre Einwilligung; aber ich sollte nicht bei ihr essen und wohnen. Das verbarg mein Mann alle vor unserer Trauung, weil er befürchtete, ich würde sonst mein Wort zurücknehmen. – Aber auf unserer Hieherreise sagte er mir es mit Tränen und Bitten, mit seiner Mutter Geduld zu haben. Was sollt ich tun? – er hatte sich mehr geliebt, als mich und litte dabei eben so viel, wohl mehr, weil er sich Vorwürfe machte, mich in die Gewalt