ging gegen die jungen Leute, und reichte jedem eine Hand. "Da Sie, edle Jünglinge, Beide ein gleiches Vertrauen in mein Herz haben, wie ich zu Ihnen: so will ich so wählen, dass Sie Beide zufrieden sein werden. Sie, zu den älteren, vertrauen sich und Ihr Schicksal mir; und Sie, zum Jüngern, sind mein Freund, – und erlauben, dass ich eine Stelle im fürstlichen Stipendio für Sie nachsuchen darf, wo Sie Ihr Studium verfolgen können." ––
Da wollten die junge Leute Clebergs hände küssen; aber er umarmete Beide von Herzen und freute sich, dass er junger Mann von acht und zwanzig Jahren, der Gegenstand des Danks und der Hochachtung dieser schäzbaren Eltern und Söhne war. – Die Mutter ergrif die hände ihrer Kinder hielt sie an ihre Brust: "Dank, meine Kinder! innigen Dank und Segen, für die Freude, die euer Wohlverhalten mir gibt! –– Nun bin ich belohnt! – ich sehe den Anfang eures Glücks, auf euren Fleiss und Tugend gegründet. – Freut euch auch, eure Mutter glücklich gemacht zu haben!" ––
Die guten Söhne konnten nun nichts mehr sagen, sondern küssten den Eltern die hände. Mein Mann sprach dann von dem Gehalt und den Beschäftigungen, die er ihm geben wolle, und dass er doch die matematische Stunden fort halten sollte. – Von Frau Itten bat er sich die erlaubnis aus, dass ich zu ihr kommen dürfe. Sie sagte aber, dass sie den andern Tag mit ihrem Mann und Söhnen zu uns kommen würde. – Nachdem kam mein Cleberg herrlich, wie von einer Eroberung, zurück, umarmte mich mit Entzücken. "Salie, liebe Salie! Du sollt meinen Dank annehmen, den ich gern diesen Augenblick Deinem Oheim sagen möchte. – Er, der gute, rechtschaffene Mann, hat durch sein Beispiel mich fähig gemacht, zu tun, was ich an den Ittens tun will und er hat mir den seligen Morgen bereitet." – –
Da erzählt er mir, was ich Ihnen schrieb; und ich fahre fort, auch das aufzusetzen, was mir die liebe Frau von ihrem Leben und grundsätzen sagte. – Wir liessen sie auf ein Frühstück bitten, weil Nachmittags immer viel Leute zu uns kommen, und wir diese Frau allein geniessen wollten. – Ich nahm sie aber nicht in meinem grossen Besuchzimmer an, sondern in dem ganz weiss getäfelten, so an unserm Esszimmer ist, wo wir den Caffee geben; weil es, im neuen Geschmack eben so simpel ist, als Frau Itten Zimmer nach dem alten; denn die Stühle haben auch nur hölzerne Lehnen, die Kissen von Zitz und alles Holzwerk weiss in Oelfarbe gemahlt. – Ich und mein Mann kleideten uns auch äusserst simpel an, um diese schätzbare Frau durch keinen Schein von Pracht zu verletzen. –– Die erste halbe Stunde ging mit dem Frühstück und allgemeinen Gesprächen vorüber, wobei ich immer alles unterbrach, was Danksagung gewesen sein würde. Cleberg nahm dann den Vater und die Söhne in seine Bibliotek, und als ich bei der Frau allein war, sagte ich ihr, dass der junge Herr Itten von mir alle Freundschaft und sorge einer Schwester geniessen sollte; dass ich sie aber bäte, mir auch die Bekanntschaft und Umgang ihrer Töchter zu schenken. ––
"Ach, Frau Residentin, ich werde wohl den Bitten meiner Kinder nachgeben müssen. Es sind die ersten, die sie mit so viel Eifer an mich tun. – Aber ich sehe daraus, wie viel Gewalt sie sich bisher angetan haben, keine Freude ausser meinem haus zu suchen. Ich danke nur Gott, dass, da der Strom der Welt in meine Familie dringen sollte, er nur eine Schleuse aushob, und nicht die Dämme niederriss, welches durch Verführung meiner Söhne geschehen wäre." –
"Ich bin auch froh, dass ihr Haus nur der edlen und redlichen Hand meines Clebergs geöffnet wurde. Denn so wie ich Sie jetzt kenne, würde ich jedem Andern den Zutritt beneidet haben. Laffen Sie es sich nicht leid sein, teure Frau Rätin, dass Sie dem Ruf des Schicksals nachgaben. Ihre guten Kinder sind ja doch für die gesellschaftliche Welt geboren und so erzogen, dass sie Gutes darin tun können. Eine Frau schliesst sich leicht ein, und lebt nur für ihr Haus, weil sie am ende ihrer Bestimmung ist. Aber junge Personen, die noch keinen gewissen Platz haben, die müssen gekannt sein dass man sie suchen kann." ––
"Das weiss ich nicht; sagte sie. Ich kenne freilich von dem hiesigen Frauenzimmer nur die, welche in unsere Pfarre gehören; aber ich habe seit vier und zwanzig Jahren viel artige und schöne Töchter aufblühen sehen, die dem Auge durch ihre Gestalt und abgeänderten Modeputz und Kleidung besser gefallen mussten, als meine Töchter, die ganz gewöhnliche Figuren, und gar, gar keine abwechselnde Verzierung ihrer person haben. –– Ich sehe auch viele junge Mannsleute so kostbar und reich in ihrem Anzuge, dass sie gewiss Vermögen haben, eine Frau zu unterhalten. Und die bekannten Frauenzimmer, mit denen sie sprechen und sie begleiten, welken dennoch, mit all ihren Reitzen, Putz und Talenten, an der Seite ihrer Mütter dahin, wie es meinen Töchtern, in der Einsamkeit meines Hauses und ihrem einförmigen Aufzuge geschehen wird; – und ich bekenne Ihnen, dass ich meine Töchter dahin gebracht habe, dass sie lieber als ungesehene Blumen einer Einöde, die allein der