ihn bestärkt, und es würde ihn freuen, wenn sie den Vorschlag annähmen und er dadurch mit einer so schätzbaren Familie in ein verhältnis käme. ––
Sie waren Beide in grosser Bewegung, hatten Tränen in den Augen, sprachen einige Minuten nichts. – Endlich stand Herr Itten auf, fasste die Hand meines Manns: "Ist es Ihnen Ernst? –– ganz Ernst?" – "Werter Herr Rat, wie schlecht wäre mein Charakter, wenn ich mit zwei verehrungswerten Eltern ein Spiel treiben wollte!"
Nun sagte die Frau: "Geh, Lieber, und ruf unsere Söhne." – Als er weg war fing sie an; "Herr Resident! Ihr Vorschlag hat mich in das grösste Staunen gesetzt. Aber, der Beweggrund, den Sie angeben, hat mir alles Vertrauen eingeflösst. Es sind vier und zwanzig Jahr, dass ich hier bin; und ich kann sagen, dass es eben so lang ist, dass ich von der ganzen Welt abgesondert lebe und nur mit meinem Mann und Kindern war. Es ist mir süss, sagte sie mit einigen Tränen, dass die Versorgung eines meiner guten Kinder, mich wieder hervorruft. – Sie werden meinen Segen haben, und an meinem Sohn einen Jüngling voll Fähigkeiten, Güte und Tugend finden. – Nähren Sie! ach, nähren Sie die Tugenden, die Sie in ihm finden werden. Lassen Sie ja nicht zu, dass die einzige Belohnung, die ich für mütterliche Mühe, Kummer und Arbeit hatte, dass mir diese verlohren gehe!" ––
Sie war da aufgestanden, gegen meinen Mann mit flehendem Gesicht und Händen hingetreten und hatte ihn angeblickt, dass er, ganz erweicht und bewegt, ihre beiden hände ergriff, und ihr vor Gott angelobte, getreu für die Sitten und Gesinnungen ihres Sohns zu sorgen. Wenn sie aber einmal befürchten sollte, dass Gefahr für seine moralische Güte da wäre, so wollte er dulden dass sie ihn wieder nähme.
"Ach, wiedernehmen! dieses hälfe nichts mehr. Denn wenn er einmal bei Ihnen ist, so wird seines Vaters Haus nicht mehr für ihn sein, was er bis jetzt war." ––
"O, glauben Sie gewiss, dass Verehrung und Liebe für seine Eltern, die Gefühle sein werden, die ich um eifrigsten in ihm unterhalten will." ––
"Das glaube ich wohl. – Aber es ist so viel Reitz in dem Glänzenden, das Sie umgiebt, dass die Sinne des jungen Menschen hingerissen werden, –– Wie sollte es ihm dann wieder hier, und mit uns gefallen." – sie wies da in dem Zimmer umher.
"Aber, teure Frau Rätin, es wäre ja so nicht möglich, dass Ihre Söhne immer bei Ihnen blieben." ––
"Das weiss ich, und deswegen willigten wir gleich in Ihren Antrag; – auch vergeben Sie, besonders ich deswegen, weil Sie so nah bei uns wohnen. Nicht aus übertriebner Mutterliebe für mein Söhnchen, sondern allein in hoffnung, den gang seiner Gesinnung genauer bemerken zu können." –
"Zu dieser Absicht, teure Frau Rätin, wird Ihnen die Bekanntschaft mit meiner Frau am meisten dienen. Sie ist nur vier und zwanzig Jahr alt, aber ihre Seele ist voll Edelmütigkeit und Tugend, ob sie schon in einem grossen' gesellschaftlichen Zirkel lebte." ––
"O! ich bin überzeugt, dass dieser grosse Zirkel viele, viele vortrefliche Menschen hat. Aber die Umstände müssen günstig sein. Dies konnte ich meinen Kindern nicht versichern, deswegen hielt ich sie zu haus, und wollt es so lange tun, bis die denkart, die ich in ihnen wünschte, so stark, und so zur Gewohnheit geworden wäre, dass sie sich niemals ganz verlieren könnte." ––
"Ich verehre Sie wegen alles dieses, werte Frau Rätin. Glauben Sie nur, dass meine Rosalia und ich nichts untergraben werden, was Sie aufbauten!"
Nun kam der Vater mit beiden Söhnen in das Zimmer. Die jungen Leute hatten sich etwas gut angekleidet, machten furchtsam, aber mit Anstand, ihre Verbeugung und blickten ihre Mutter an. – Sie hatte sich völlig gefasst, ging gegen sie, nahm sie bei der Hand und sagte meinem mann: "Hier sind meine zwei guten Söhne, von denen Sie einen zu haben wünschen. Beide haben Ihr Billet gelesen. Der Aeltere war brüderlich genug, dem Jüngern zu sagen, dass, wenn es ihn kränken sollte, diesen angenehmen Platz nicht zu haben, so möchte er es ihm vertrauen; es würde ihm lieb sein, ihm durch den Vorzug, den er ihm geben wollte, eine probe seiner Liebe abzustatten. Der Jüngere dankte, und erklärte da, dass er gerne Teologie studiren möchte, und also von seinem Weg abkäme. Doch, weil der Antrag so edelmütig gemacht wäre, und es ein Vorteil für ihre guten Eltern, vielleicht auch für ihre übrigen Geschwister sein würde: so wär es billig, dass der Herr Resident wählen sollte. Träfe das los ihn, so wollte er dann seinen Wunsch nach dem teologischen Studium aufgeben, um so mehr, da er nun wisse, dass sein Bruder es ihm gern gönnen würde." ––
"Nun wählen Sie;" sagte der Vater.
Stellen Sie sich, teure Mariane, einen Augenblick die Gruppe vor; – Vater, Mutter, zwei Söhne, mein Mann, der wählen sollte; – die Andern auf seine Augen, auf. ihn sehend! – Er