mein Kind lauter reine Luft atmen, ohne alles Geräusch sein, auch dabei die vielen Wachenbesuche vermeiden würde, ohne dass es zu Feindseligkeiten Anlass gehen könne. – Was mich innig freut, ist, dass Kahnberg nur eine halbe Stunde von unserm Landhaus ist und Orte ein Bauerhaus in unserm dorf gekauft hat, es völlig stehen liess, wie es ist, und nur von aussen es bewerfen und tünchen liess; – die Stiege innen abbrach und eine Pilatus-Stiege von aussen aufführte, von welcher man in die artigsten kleinen Stübchen kommt, die so einfach als möglich ausgetäfelt sind und nicht einen Gedanken städtischer Geräte haben. Den grossen Baumgarten des angränzenden Bauers, hat er auf einer Seite, und die schöne Flur auf der andern zur Aussicht. Unten ist die Küche, Speisskammer und Esszimmer; oben sechs kleine Zimmerchen mit einem Fenster, einem Bettchen, Stuhl und Wandtischgen und ein kleiner Schrank, wovon die Hälfte, Kleider auf zu hängen, und die andere Weisszeug zu legen, eingerichtet ist. – Auf dem Speicher ist die Weisszeug- und Kleiderkammer für Julie und Otten, die Kinderwärterinn, das Kind nebst der Köchin und Stubenmädchen. Der Bediente hat seine Schlafstelle an dem Esszimmer; es ist recht artig. Aber von Madame G** und von Herr F** bin ich etwas weit: doch im Herbst und Winter finden wir uns wieder. Diese sind wirklich schön für mich; denn ich sehe, wie Cleberg es einrichtete, täglich von zwei Uhr, alle Leute, die von unsern Bekannten zu uns kommen wollen, und muss Ihnen etwas in der Tat recht liebes, von einer sehr würdigen Nachbarinn erzählen, bei der es uns Mühe kostete, den Zutritt zu erhalten. – Unser Haus hat einen Erker, in dem sich mein Mann gern umsieht. Vor acht Tagen, da ich wieder im grossen Besuchzimmer mich aufhalten konnte, waren einige Leute bei uns. Man spielte noch nicht, weil man das Ende des Gottesdiensts abwartete, indem wir nicht gut finden, Karten durchzublättern, anstatt in der Kirche zu sein; und ich muss sagen, dass unsre Unterredungen gewiss moralisch sind. Cleberg blieb im Erker und sah dann die Leute aus der Kirche kommen. Da fing er endlich an: Salie! da ist meine artige, himmelblaue Nachbarinn wieder mit ihrer braunen Mama nach haus gegangen; wenn ich nur etwas von dieser Familie wüsste. ––
Einer von den Männern und Otte eilten zu Clebergen um das himmelblaue Mädchen zu sehen, aber mein Mann konnte ihnen nur noch das Haus weisen. "Ach, das ist die Frau und ältere Tochter des Rat Itten gewesen. Die zwei Töchter und die Söhne sind sehr hübsche junge Leute, aber man sieht die Erstern nur Sonn- und Feiertags auf dem Kirchweg, und Letztere, auf dem nach den schulen; den Mann, in Amtsgeschäften und von sieben bis acht im Kaffehause, sonst ist keine Seele sichtbar." ––
"Das ist wahr," sprach Cleberg, "denn am Fenster sieht man niemand, es müsste denn in dem kleinen Maulkorb jemand verborgen liegen, der über ihrer tür steht." –
Otte lächelte gegen einen artigen jungen, oder vielmehr unverheirateten Mann, der neben ihm sass, klopfte auf seine Achsel. "Da ist jemand der mehr weiss, als wir," sagte er, "aber auch mit mehr Mühe." – "Doch nicht mit mehr Vorteil." ––
"Wie das, Freund Linke? erzählen Sie uns doch etwas von der geschichte des blauen schönen Mädchens und der braunen Mama, denn ich habe beide immer, in diesen Kleidungen gesehen." ––
Herr Linke sagte: "Ich auch, schon länger als Sie. – Aber die schöne Gestalt, der gang, die feine Haut, Bildung und blick des Mädchens, reizte meine Neugierde. Ich suchte aus dem haus gegen über in die Fenster zu sehen, aber das half nicht; da sind immer weisse Vorhänge in einem Zimmer, und in dem Andern der Vater zu sehen. Meine Ungeduld liess mich ein Hausmittel brauchen. Ich beschenkte die Magd meiner Schwester, damit sie Bekanntschaft mit der Ittenschen alten Magd machen, und diese ausforschen solle. Das half, und ich hörte, es wären sieben Kinder im haus, für welche die Frau Rätin immer selbst gesorgt habe, ihre Kindermagd, Näterin, und Strikkerin gewesen sei. ihr, der Magd, habe sie immer helfen waschen, plätten, den Garten am haus bestellen, worinn sie alles Gemüs und Obst zögen, ihre Leinwand bleichten, und eine Kuh ernährten. – Mutter und Töchter strickten, nähten und spännen das ganze Jahr, sie, die Magd, wäre die Schwester eines guten, aber armen Webers; ihre Mutter hätte bei der alten Frau Itten gedient. Dieser habe das Haus gehört, und weil sie ihre gute Liesbet ungern durch ihre Heirat verlohr, so habe sie ihr aus dem alten Pferdestall, der in das Nebengässgen gehr, eine wohnung zurichten lassen, worinn ihr Vater umsonst war, und ihre Mutter darneben als Köchinn bei der alten Frau fort diente, den halben Lohn und Essen hatte. Sie wäre im Haus erzogen und der Frau Rätin als Magd zugegeben worden. Als ihre Eltern gestorben, habe man ihren Bruder und jüngere Schwester, die ein paar krüpplichte Zwillinge gewesen, im haus behalten, weil die alte Frau Itten wohl gesehen, dass sie die Ursache sei, warum die arme Kinder in ihrer Jugend versäumt worden, da die Mutter immer