Feinde zugezogen hätte. Er liebt meine Empfindsamkeit, sagt er, weil sie edel ist und sich nicht mit kleinem Gewimmer abgiebt. – Ich war nach unserer Zurückkunft, aus Ermattung von der Reise, und dann, zu übereiltem Betreiben, alles wieder in Ordnung zu bringen, vier Tage krank, unter denen zwei Tage voll Schmerzen waren. Cleberg besorgte mich mit der äussersten Zärtlichkeit, schlief in einem Nebenzimmer, wovon man die Tür offen lassen musste, hatte auch fünf Nächte seinen Schlafrock immer an; denn bei dem mindesten Geräusch, oder dem leisesten Ton meiner stimme, wenn ich was von meiner Magd begehrte, war er an der Tür, und sah, ob ich gut besorgt wäre. Oft kam er auch ohnedies nach mir, um zu sehen, zu horchen, wie ich atmete, oder ob die Wärterinn wachsam sei. Da traf es sich eine halbe Stunde, dass die arme person schlief, weil ich äusserst ruhig war, die Augen geschlossen hatte, und sie mir die Arznei, die ich nur alle Stunden nehmen durfte, kurz vorher gegeben; – meine Schmerzen aber sehr heftig wüteten, und ich da, ganz still und abgebrochen, Gott um Geduld und hülfe bat, damit das arme geschöpf, von dem ich Mutter zu sein hoffe, sein kleines Leben mit mir erhalten möchte. Ein Dank für die Liebe meines Gatten, eine Bitte für sein Wohl, und um die Dauer seiner Liebe, war auch unter dem, was ich flehte. –– Cleberg hörte dies an dem fuss meines Bettes. Er unterbrach mich nicht, aber sammlete, was er gehört hatte, in sein Herz und verdoppelte seine Sorgfalt für mich; beobachtete aber auch stets mein Verhalten; – besonders da der Arzt, den er sehr früh Morgens rufen liess, nach dem krampfigen Bewegungen und den starkverzogenen Gesichtslinien, auch aus dem Puls, ihm von der Stärke der Schmerzen und Krankheit sprach. – Ich bemerkte immer, so viel mein Uebel zuliess, dass er gleich grosse Achtsamkeit für den gang meiner Ideen, und meiner Leiden hatte. Als ich nun ganz genesen war, hörte ich ihn oft mit so vielem Lobe von meiner Geduld reden, dass ich ihn bat, es nicht mehr zu tun, weil es bei einigen Personen Missvergnügen geben könnte. –– "Nicht Alle können still seufzen, so wenig alle ohne Geräusch lachen können. Wer Gott mit lauter stimme um Beistand ruft, tut es gewiss mit eben der Unterwerfung, wie ich es lisple. Du kannst, mein Lieber, ungerechte Männer antreffen, die dann über ein vom Schmerz erpresstes Ach, ungeduldig werden, und mich als Vorwurf nennen könnten, da ich, bei wenigem Weh, auch natürlich weniger klagte." ––
"Meine teure Salie, nun kenn ich Dich erst ganz; und sieh! nun bin ich auch ganz glücklich. – Ich habe Dich in Allem gesehen, – in Krankheit allein war ich noch neugierig, Dich zu beobachten. Ich hätte Dich immer beklagt, weil ich weiss, dass ihr armen Weiber vieles Leiden zu tragen habt. Aber gewiss ist es, dass Deine sanfte Art mit der Wärterinn, Deine Geduld, Deine Gebete zu Gott und Deine unausgesetzte Reinlichkeit mich da noch mehr an Dich fesselten. Denn auch hierinn hat Dein edles Ertragen des Weh's, den teil männlichen Muts angezeigt den ich stets in Dir schäzte; und Deine Gelassenheit und sorge, reinlich zu sein, ist das Schöne des Weiblichen Charakters. Ich danke Dir für die Freude, die Du mir giebst, in gesunden und kranken Tagen stolz auf meine Gattin zu sein." ––
Sehen Sie, Mariane, stolz will er auf mich sein! – Der gefährliche Mensch! – mich so gar im Krankenbett zu belauschen. Dem Himmel sei Dank, dass der Zufall so für mich sorgte und ihn Gutes hören und sehen liess. Es schmerzt mich doch, zu denken, dass die beste, würdigste Frau, bei einem solchen mann, durch eine Träne, einen Schrei, – die uns doch von der Ratur zu Erleichterung des drängenden und zerreissenden Schmerzes gegeben sind, eine Verminderung seiner Zärtlichkeit erlitten hätte. Meine Geduld ist nichts als Gerechtigkeit, die ich aus Beobachtung meiner und Andrer, bei Krankenbetten lernte. Ich sah, dass man über ungeduldige Kranke müde wurde und ich weniger Mitleiden fühlte. Vor Schmutz und Unordnung eckelte mir so sehr, dass beinah der Kranke mir widrig wurde. Bin ich da nicht verbunden, zu sorgen, dass niemand eins von beiden Stücken an mir finde? – weil ich ja sonst auch die nehmliche Bewegungen der Seele erwecken könnte, die ich bei diesen Gelegenheiten fühlte. O, Mariane! wenn nun jemand berechnen wollte, wie viel Wert innerlicher Tugend in meiner Gelassenheit und in Clebergs Güte für mich lag, – was bliebe im Rest? – Gelernt habe ich noch, recht klug mit dem Glück meiner Ehe zu wirtschaften und ja meinen Kopf nirgends in Ermahnungen oder Bemerkungen hervor zu tun, weil beides die schlimsten Würkungen haben würde. Ich verlange auch die Ordnung der Unterwürfigkeit und des Nachgebens nicht zu unterbrechen, und bin gewiss immer noch viel glücklicher als Tausend der Besten meines Geschlechts nicht sind. ––
Der Plan, den Sie aus meinen ersten Briefen, als Clebergs, kennen, ist schon völlig ausgeführt. Garten und Haus darin ist gebaut, nur dass wir dieses Jahr noch nicht da wohnen. Aber im künftigen Lenz soll ich meine Wochen da balten, weil ich und