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wasser ist das ganz kleine Bächelchen, so durch Pindorfs Wald fliesst, über welches er eine niedre Decke wölben, und diese mit Rasen belegen liess, so dass man nichts mehr davon sieht, und es durch seine Leitung den Ausfluss gerade durch den Krug der Sklavinn nimmt, der mit dem Fuss etwas auf dem Gras aufliegt, gleichsam um dem Mädchen die Schwere etwas zu erleichtern. Das wasser macht durch das Auffallen auf die Füsse, von diesen auf den Pflasterboden und dann im Einfallen in das Becken, ein abgesetztes Geräusch. – Hohe Grasarten, hie und da stehende, mit Fleiss so angepflanzte Gewächse neigen sich gegen das wasser und spiegeln sich darin. Moos- und Grasbänke findet man da, um die Kühlung bequem zu geniessen. – Ganz im Gesträuch versteckt liegt ein Bad, wohin das Abwasser, so dieses Becken gleichsam durch geseigt, auf einer Seite abfliesst. Dieser Platz ist auch ganz von Stein, mit Bänken, und für acht Personen Raum darin, ohne Dach, aber eine Mauer herum, von welcher man nach dem äussern Ansehen denkt, dass sie die Einfassung eines kleinen Hofs sei, der sich an das auch kleine Haus anschliesse, so daneben steht, in welches das kalte wasser in einen Kessel fliessen und zum warmen Bade gehitzt werden kan, das in einem geräumigen Zimmer, mit holländischen Porcelantäfelchen ausgelegt, besteht, und auf der Seite vier artige Zimmerchen mit Betten und Kaminen zum Abtrocknen hat. – Von dort aus kamen wir noch durch einen teil des Gehölzes, der immer lichter wurde, und sich an dem schönen Bauerhofe auf einer, und dem Gemüs- und Obstgarten auf der andern Seite endet. Hier ist nichts als Wahrheit und Ordnung, in Gärtner- und Bauerarbeiten; der Hof so, wie man Bauerhäuser in Kupferstichen sieht; eine grosse Linde neben der Haustür an den Zimmern hin, die Pindorfs Eltern ehmals bewohnten; ein gang von Holz, die Stuben getäfelt, und noch alles alte Geräte darin sorgfältig verwahrt; ein fleissiger, geschickter Bauer, viel schönes Melk- und Zugvieh, viel Gesinde; und die grossen Felder, Wiesen und Baumstücke umher, schön angebaut; die reiche Einfalt der natur, mit all ihren rührenden Annehmlichkeiten, neben dem Garten, der alle Reize der Kunst in sich sasst. – –

Leid war es mir, dass die Schulden, in welche Pindorf sich gestürzt, nun bei vielen Leuten dem edlen Geschmack schaden, dem er sein Geld opferte. Denn er ist doch einmal unter der Menge junger Edelleute, die England und Italien durchreisten, fast der einzige, den ich weiss, der so viel Würkliches in seinem kopf davon zurück brachte. Denn er soll die Zeichnungen der Bildsäulen, den Riss des Hauses, Gartens, und aller Verzierungen, selbst entworfen haben, und hat wechselsweise bei jeder Arbeit dabei, mit allen Kräften und Geschicklichkeit geholfen. Hätte er doch jährlich nur eine Summe bestimmt, und nach und nach seinen Entwurf geendigt! Aber Jugendfeuer will bald geniessen; und er hatte Alles so angeordnet, dass Gebäude, Bilder, Wasserleitungen und Hausgerät so fertig wurden. dass das Ganze mit einemmal da war. –– Seine Bücher- und Kupfersammlung ist zahlreich und auserlesen. – Er hatte mit den Verwandten seiner gemahlin über diesen Aufwand viel Verdruss, weil er ihre Mitgift auch darin verschwendet hatte, wie sie sagten; und Keines von ihnen wollte seine schönen Sachen sehen. Die ursache, warum er seine Kinder so lang allein lässt, ist, weil sie von dem Erbgut ihrer Mutter leben, die vor dem Grossvater starb, und dieser in seinem Testamente seinem Schwiegersohn ausschlossDie Bedrängniss seiner Schulden, und seine Vaterliebe brachten ihn dazu, dass er Alles einwilligte. Aber er wollte dann so lange von W** entfernt leben, bis er wieder frei leben könnte. – Er war lange düster bei einem Verwandten, und ist nun seit einiger Zeit bei seiner Schwester. Es liegt ausserordentlicher Geist in dem mann; aber, ich fürchte dass ich Recht habe, zu vermuten, Böse können ihn unter dem Schein des Guten missbrauchen. – Und hier eine Frage: Liegt nicht diese Weichheit, im Kunstund Schönheitsgefühl? – Es mag sein, wo es will: ich danke dem Himmel, dass er es jemand in Deutschland, in einem so hohen Maass gegeben hat, wie dieser Garten zeigt.

Sieben und achtzigster Brief

Rosalia an Mariane S**

Es ist wahr, ich schrieb von Wollinghof nur zwei Briefe und von hier nur Zettelchen; aber hören Sie mich Liebe! denn nun bin ich zurück, in meinem eigenen haus; nachdem mein Cleberg noch zwei Tage für Madame Guden aufgeopfert hatte, weil er nach der Stadt W** ging, um dort Erkundigung von Pindorf einzuholen. – Er ist nur so halb und halb mit dem mann zufrieden, ob ihm schon sein Haus und Garten sehr wohl gefiel. Ich schicke Ihnen, meine teure Freundinn, die Abschrift von Briefen meines Mannes an einen seiner vertrautesten Freunde, worinn Sie ihn, und das was wir sahen, besser erkennen werden, als wenn ich es bezeichnete. Dünkt Sie nicht, dass ich mir von dem Geist und Herzen meines Gatten viel Gutes und Glückliches, auch für den Winter meines Lebens versprechen kann? Er ist voll Kenntnisse, Einsicht und edlen Ehrgeitzes, ein bischen schnell und spitz in seinen Urteilen; weswegen ich sehr froh bin, weit von unserm hof zu leben, wo er sich sonst, durch diese Eigenschaft seines Kopfs, grosse und kleine heimliche