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überzeuge, was für herrliche Früchte eine starke leidenschaft in einem edlen Herzen hervorbringe, besonders wenn das Schicksal Unabhängigkeit, Gewalt, oder Reichtum dazu lege. ––

"Ach, wie wahr ist dieses!" sagte sie nach einigent Schweigen, "meine Leidenichaft für Pindorf stärkte den Ton meiner Seele, die das Gute schon liebte, aber ich wollte seine. Hochachtung immer verdienen; ich wollte dass er auch von Andern immer Gutes und Edles von mir rühmen hörte und, o was machte ich für Entwürfe für ihn, für die Aussichten, die er zu seinen Beschäftigungen hatte! Ich wollte jede grosse Anlage seines Geistes zur übenden Vollkommenheit erhöhen, in jeder gelegenheit die ausgezeichnete Würde seines Charakters bestärken, er sollte der Gegenstand der allgemeinen Verehrung werden. – Aber dieses Glück war mir nicht vorbehalten! Andre haben es. – Mögen sie es zu seinem Ruhm geniessen"

Ich sagte ihr hierauf meinen Lebensplan. Sie fand ihn gut. reichte mir, mit Rührung und Würde in ihrer Miene, die Hand. – "Erlauben Sie Ihrer neuen, aber wahren Freundinn die Bitte, fest, unbeweglich bei dem edlen Plan zu bleiben und ihn auszuführen; denn so Viele lieben und wollen das Gute, aber wenn es Arbeit und Beharrlichkeit erfordert: so lassen sie wieder abSie haben auf ihrem Platz, fuhr sie fort, Niemand neben sich und nur Ihren Fürsten über Ihrem Haupt. Sonst bät ich Sie auch, an Allen Obern und Untergebenen unschädliche Fehler zu tragen, und auch von den schädlichen niemals gegen Andre zu sprechen; Talente und Schwächen, die jeder hat, sorglich aufzusuchen, um die Eistern zum Dienst des Fürsten und gemeinen Besten zu gebrauchen und die Leztern zu schonen, damit Sie immer die Gewalt über ihren guten Willen behalten mögen." – Ich sah sie hier mit vieler Aufmerksamkeit an: "Herr Cleberg! es sind keine Vorschriften, die ich einem mann machen will, sondern wünsche, dass mein Freund den Nutzen aus Beobachtungen ziehe, die ich über kleine, aber bedenkliche versehen andrer Männer machte."

denke einmal, Freund! ob Du dieses nicht brauchen kannst. Vor unserer Abreise gab sie uns noch einen schönen Tag, da sie das Abendessen im wald veranstaltete wozu der Beamte von Mahnheim mit all seinen Kindern eingeladen wurde. Ich habe Ihnen schon oben geschrieben, wie der einsame Waldplatz aus sah, wo ich weine lange Unterredung mit van Guden hatte. – Dort war auf einem schmalen Grasplatz am Fuss eines hohen Stücks Felsen, – Milch, kalter Braten, Schinken, etwas Bäckerei und Wein aufgesetzt, um die Schüsseln herum im Grase Blumen gestreut, an den Bäumen herum hingen Blumenkränze und ein, mit Bedacht ungleiches, Stück der Felsenwand war von Moos und Kräutern gereinigt, Rosaliens und mein Namenszug, sammt der Aufschrift: Clebergshayn, darein gegraben und mit grüner Oelfarbe ausgefüllt, – und von diesem Steine hing ein grosses Blumengewinde bis auf den Grasplatz herunter. – Wir sangen da des unschäzbaren Claudius Waldserenate, die Wolling mit der Flöte, ein Paar Söhne des Herrn Mooss mit der Violine, und ich mit dem Bass begleitete. – Wahrlich, diesen Leuten kommt die Langemeile nicht nah. Aemsiges arbeiten, wahrer Verstand, Güte und mässiger Entusiasmus für das Schöne verewigt ihr Glück. ––

sechs und achzigster Brief

Cleberg an Denselben.

Frau van Guden hatte mich gereizt, diesem Pindorf nachzuspüren. Ich ging also, da ich mich von Wollinghof losgerissen, gerade nach der Stadt W** und erkundigte mich nach ihm. Aber er ist noch immer abwesend. Der Wirt erzählte uns, es möchte wohl daher kommen, weil er, durch seinen zu kostbaren Gartenbau, drei Meilen von der Stadt, an den Fluss hin, sich in grosse Schulden gesetzt und seine Einkünfte zu deren Abtilgung verwalten lasse. – Er sei aber ein sehr guter und grossmütiger Herr, der schöne Reisen in sein er Jugend getan und auch, nach seinen vielen Büchern, sehr gelehrt sein müsse. Der ganze Garten sei, bei seinem Vater nichts als ein schöner Wald mit einem Fischteich und kleinem Bächelchen gewesen, neben welchem auf der untern Seite ein grosser Bauerhof gestanden, in dem des Sommers sein Vater und Mutter oben gewohnt und für ihren Sohn und Tochter alles zusammen gespart hätten, was sie gekonnt. – Die Tochter sei ein listiges Tier, die von den Eltern schon viel gezogen und von ihrem Bruder auch, mit dem sie machen könne was sie wolle, wie man sage; weil sie bald lustig, bald spitzfindig, bald sehr zärtlich mit ihm spräche, bei allen andern Leuten aber durch ihre Falschheit und döse Zunge verhasst sei. An Herrn von Pindorf bitte man nichts auszusetzen, als dass er ihr Alles glaube, zu gut sei, und nach ihren Angebungen sich einnehmen lasse. Er sei mehr melancholisch, als lustig; habe mit seiner gemahlin gut, aber etwas kaltsinnig gelebtund sei mehr im wald und der Bücherstube, als bei ihr gewesen, ob sie schon recht hübsch und artig, auch gar sanft gewesen. In dem Wald aber habe er sonderbare Sachen gemacht, mit Grotten, in denen ein weisser Teufel liege; eine Blumenhecke wo junge Heren tanzten und auch hinter einem Baum ein weisser Teufel zusähe. – Dann einen See, ganz kostbar, mit grauen Bänken und Stiegen, wo sich nackende Weibsbilder badeten und Füsse wüschen. Sie wären nur von Stein, setzte er hinzu, aber doch vielen alten Leuten in der Stadt ärgerlich. – Das Haus sei sehr