sagen, nichts als der Eingang von einer Unterredung sind, in der Sie mich, durch sich selbst kennen lernen möchten. Ich bin gar nicht darüber erstaunt und noch weniger böse. – Mein ganzes Wesen und Tun hat eine so eigne Farbe, dass man natürlicher Weise auf die Mischung begierig ist, aus denen sie besteht. – Sie haben mir, nach der eingeführten Artigkeit unter Euch jungen Männern, auch von meiner person gesprochen. Ich weiss dass ich, ohne Schönheit, was sehr Gefälliges habe, und dass meine Art mich zu kleiden, und mein Bezeigen, dieses Gefällige noch vermehrt; besonders wenn mein Klavierspiel, meine stimme, mein Tanzen, oder Bleistift mit dabei erscheinen. Denn welcher Mann von Geist ist nicht zufrieden, wenn er bei einer solchen Figur und Talenten, auch ein Maass Kenntnisse antrift, das ihm verspricht: – 'Hier kanst du vom Leichten und Starken sprechen, Du wirst gehört und verstanden sein.' –– Freigebigkeit, Güte und Freundlichkeit, die mir der Himmel zu meinem so grossen Vermögen gab; alles dies hätte mir gewiss immer Freunde erworben, und mir Ehre und achtung zugezogen; so dass mich kein Mangel irgend einer erkannten Glückseligkeit in diese Einöde führte, sondern, wie ich glaube, der eigentliche gang der Triebfedern meiner Seele. Wie die Schläge unsers Herzens, den Umlauf des Bluts und Lebens befördern und erhalten, aber auf der andern Seite die Werkzeuge abnutzen und zu ihrer Trennung vorbereiten; –– so hat eben das, was auf einer Seite meiner Seele die Beharrlichkeit gab, so viel zu lernen, ganz zu wissen und an lauter Gutes und Edles mich zu heften, auch das seltsame Bild von Liebe in mir hervorgehracht, das ich seit so vielen Jahren in mir nähre und mit ihm lebe. – Liebe für einen Mann, oder von Euch Männern für eine Frau, ist ein Tribut, den die Ratur uns Allen auflegt. –– Ich lernte Herrn von Pindorf just in der Zeit seines und meines Lebens kennen, da in uns beiden der selige, moralische Entusiasmus für alles Schöne und Grosse glühte. Wie hätt er sonst, mit all der Liebe für mich, die Stärke gehabt, das gegebne Versprechen seiner Hand zu erfüllen? – Wo hätt ich die hergenommen, niemals mich zu vergessen, niemals mit ihm allein zu sein? – Glücklich genug, wie eine edle Griechinn in Plato's Gastmahl sagt, dass wir uns sahen, sprachen, die nehmliche Luft atmeten und gleichgestimmt, alles bemerkten und betrachteten. – Sagen Sie mir, was anders als eine gleiche Erhöhung der Seele, liess mich in ihm die Vollziehung seiner schon lange bestimmten Heirat verehren? – Und ihn mit Segen an den Mann denken, dessen Eigentum ich einst werden sollte? – Ich will glauben, dass es Schwärmerei unsrer glühenden Einbildungskraft war; aber es war auch das seligste Gefühl meines ganzen Lebens. Der Verlust seiner person, seines Anblicks und seiner Unterredungen, schmerzte mich nicht so zerreissend, als da ich ihn wieder sah, und weniger Edel, weniger Gross, sein Betragen in einigen Teilen seines Lebens der hohen Würde seines Herzens und seiner Seele nicht gemäss zu sein dachte. Ach, da! – da verlohr ich ihn; da riss ein feindseliger Geist alles Glück aus meinem Leben! Wer sollte mich schadlos halten? –– Ein anderer Mann? –– Man glaubt nicht zweimal, was ich glaubte; – man liebt nicht zweimal, wie ich liebte. – Und sagen Sie, war es möglich dass ich, mit diesem Ton des Charakters, mich tröstete, wie Andre sich trösteten? – Ich bätte die Grundlage meines innersten ganzen Wesens ändern müssen. konnte ich das tun? oder vielmehr, konnte ich das wollen? – Ich war in umgekehrten Zustande des Pigmalion. Das schöne Meisterstück seiner hände wurde belebt und er höchst selig. Mir wurde der Geliebte meines Herzens zu einem unbeselten Bilde, dessen Züge mich immer an jede Tugend, an jede angebetete Eigenschaft erinnerten und mich tränend an dem Fussgestell niedersinken machten. Ich hatte ihn nicht mehr; – aber meine Liebe war noch in mir, und dieses geschöpf meiner Seele, das so viel süsse Stunden so viel Schmerzen mir gegeben batte, dieses hätte ich ohne Ersatz vernichten sollen? Pindorf ist für mich tot, mein Herz trägt Trauer um ihn; aber ich, ich liebe alles, wo er war, wo er ging, lebte und handelte. –– Die Zeit, die Ableitung, welche meine Zärtlichkeit schon in der Vorstadt von S**, dann bei Pindorfs Kindern, und endlich hier erlitte, haben dem Ganzen eine sanfte Wendung gegeben. Ich war einst für mich glücklich; nun bin ich nützlich geworden und glaube also, meine Bestimmung erfüllt zu haben. Freilich nicht auf dem allgemein vorgeschriebnen Weg, aber vielleicht ist es ein schöner Fusspfad der die Wenigen, die ihn kennen früher zum wahren Glück des Lebens führt." ––
Nun hielt sie inne. Ich konnte, voll von Bewunderung und Liebe, nicht reden. Aber es war sonderbare Liebe, wie für ein grosses Weib aus der alten geschichte, oder für eine teure Mutter oder Schwester. Aber heilig war mir der Hain. Wir sassen während dem Gespräch auf einem Stück Felsen, mit Moos und Blümchen bewachsen, eine kleine Waldwiese von einem Viertelmorgen vor uns; rings um hohe Bäume – nur floss zu unsern Füssen eine von den Ableitungen des Teichwassers, welche der junge Zimmermann zum Nutze von Wollinghof angelegt hat. Wipfel und