den Augen der Gotteit und des Weisen?
Dieser Mann da, half Rosalien aus dem Wagen. Frau van Guden war herbei geeilt und sie umfassten sich, mit wahrer Ergiessung der Seele in Liebe und Freude. Ich stand und betrachtete das Weib, nach welcher Rosalia geseufzt und mich neugierig gemacht hatte. Eine, über mitlere Grösse erhabene, ganz regelmässige Gestalt, mit einer unwiderstehlichen Anmut umgeben; denn alles hat den Charakter der Liebe, des Wohlwollens und Verstands voll Güte. – Die Art wie sie Rosalien umschlang, ihren Kopf an sie legte, sie küsste, war der schönste Ausdruck der reinsten, edelsten Zärtlichkeit. Eine feine Röte bezog ihr Gesicht, als ich ihr vorgestellt wurde und sie ohne Zweifel in meinem blick etwas von dem sah, was ich von ihr dachte. Ohne Schönheit sind all ihre Züge äusserst reitzend, ihr Auge voll Würde und Bescheidenheit, ihre Kleidung von Ostindischen, schmalgestreiften Leinen, nett passend, weisse Schürze, ein Strohhut mit blauem Band, und ein grosses weisses Halstuch. – Frau Wolling, ein feines, schmächtiges Weibchen. Gross genug und schön wäre sie, wenn bei ihrem herrlichen blauen Auge, ihre Gesichtsfarbe noch weiss wäre. Diese hatte violet und weisses Landleinen, aber auch die weisse Schürze und den Hut. – Die liebsten Kinder um sie, waren in blau und weissen, kurzen Kleidchen, die Haare nach englischer Art geschnitten, immer die Schürze weiss, bis auf die Mägde. – Ein Säugling an der Brust, hinderte Frau Wolling bei unsrer Ankunft aufzustehen weil sie der Gewohnheit keine Pflicht opfert. Ein Knabe von zehn Jahren, ganz Vater, Wollings Züge, munter und wahr, hatte einen grauen Frack, wie der Vater und ging gleich zur Kutsche und dem Kutscher. – Lottchen von acht Jahren, blieb aber bei dem mit Milch, Obst und Blumen bestellten Tisch, wo sie bald uns ansah, bald wieder etwas an den Blumen zurecht machte, die in einem Körbchen da standen. – Eine kleinere, holde Figur ging aussen herum und trug ganz geschäftig, wie kleine Mädchen sind, etwas auf ihrem Aermchen, wie die Mutter den Säugling hielt. Ein Knabe von drei Jahren kam, mit einem kleinen Schubkarren voll Sand, über den Weg her, stutzte, da er uns erblickte, liess den Karren stehen und lief seinem Vater zu; wies auf uns und fragte ihn um Alles. Wolling hob ihn mit der Vatergüte auf, und trug ihn meinem Wagen zu, der den Kleinen am meisten anzog. Die Pferde fand er gleich nicht so schön, als die Braunen des Vaters, weil diese da so garstige Flecken hatten; denn ich war mit einem Lohnkutscher gekommen, der vier Schecken angespannt hatte. ––
Rosalia hat Recht; ich wurde über die Stellung entzückt, in welcher ich die drei Weiber sah, als ich, nach Einführung meines Wagens, mit Wolling zurück kam. Eine Kupfersammlung von all den Auftritten möchte ich haben, welche diese van Guden, schon veranlasst und vorgestellt hat. – Das Gespräch, das Haus und Abendessen war, wie Sie in Rosaliens Briefe lesen werden, mit all dem übereinstimmend. Mir war diese Verwebung der Kunst mit Einfalt und natur, Bauerhof, Bauerarbeit, der Ton voll Kenntnisse und seiner Empfindung, feine Sitten und Freimütigkeit, die Stille im Wald, in dem Aeussern des Hauses, die sanfte Fröhlichkeit und Tätigkeit der Leute im inneren –– Erscheinung, an die ich mich in den ersten zwei Tagen, nicht gewöhnen konnte. Indessen zog mich Alles mit sich weg. Ich hätte die leere Hütte einnehmen mögen, die Wolling ehmals bewohnte. Wie lang ich es da gedauert haben würde, weiss ich nicht; aber ich fühle noch deutlich, wie verschieden die Bewegung meiner Seele ist, wenn ich mir Höfe und Palläste zurück rufe, die ich auf meinen Reisen gesehen und dann die zehn Tage, in Wollinghof verlebt, und die Menschen und den Berg, ihre Sitten, Freuden, arbeiten und Abendgespräche mir denke. – Ich ging einen Morgen mit Rosalien allein herum, und las mit ihr, auf jedem Platz, von dem die van Guden schrieb, die Scene, die ihre Feder bezeichnet hatte; ihre Kämmerchen zwischen den alten Mauern, die mit Papier überklebt sind und wechselweis einzelne Stücke vom alten Rom, von Neapel. Englische, und hiesige Gegenden und Aussichten zur Zierde haben; – oder bald sie, bald Pindorf, der glückliche, immer in schönen Stellungen abgebildet sind, und in diesen immer die Züge edler Gedanken, edler Gefühle der Seele so deutlich liegen. So, werden nicht viele Männer geliebt, und solche Weiber sind auch selten. Sehen muss ich ihn einst, diesen Pindorf. Ich habe was wider ihn. So bildhauerisch schön seine Gestalt ist, so glaube ich etwas darin zu erblicken, das einen Grad Biegsamkeit andeutet, die durch das Geringste hervorgebracht werden kann. – Sicher bin ich, niemals wär er Wolling gewesen. – – Nachdem ich Alles kannte und wusste, so wollte ich auch versuchen, auf was für einer Seite sich die van Guden einem mann zeigen würde, der ihr freimütige fragen vorlegen, und Betrachtungen machen könnte. – Wenn ich nicht mit Fleiss meine Unterredung mit Lobsprüchen angefangen hätte, so würde ich aus aller Fassung gekommen sein, da sie mir mit feinem Lächeln zugehört hatte und endlich sagte: "Ich bemerke ganz deutlich, dass alle die ausserordentlich schönen Sachen, die Sie mir, über mich und unsern Berg