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Wand geht die Stiege zu Frau van Guden Zimmer. Sie sind klein, doch ist eins für ihre Meta daneben; alle mit Bretern ausgemacht und Zeichmmgen von Rom, Neapel, und England darin aufgehangen, nur mit Rötel oder Kohlen auf hellblauem Papier, aber immer Pindorfs Gestalt mit eingemischt. – Ihr Tischgen und ihre Stühle sind auch noch da, denn sie kommt oft noch herunf, da zu lesen, oder zu zeichnen. Von ihrem Schlafkämmerchen geht noch über alten Schutt, den der Stiegenbogen aufhielt, ein etwa sieben Schritt langer und viere breiter Platz, den sie mit einer dünnen Brustmauer umfassen liess. Einige Stauden waren am äussersten ende im Schutt aufgewachsen; diesen hatte sie Unterstützung und Erde gegeben, so dass sie schön fortwuchsen und ganz leise säuselten, wenn sie im Mondschein noch heraus ging, zu beten und zu seufzen. Denn gewiss, sie seufzte manchmal nach der Stadt W*** hin, deren Türme man hier sieht. – Aber die ganze Landschaft umher ist unbeschreiblich angenehm; denn der Berg hat hier eine sehr beträchtliche Höhe. Von da gingen wir einen schmalen Weg an der Seite des Bergs, eine halbe Viertelstunde lang, hielten uns bei verschiedenen Aussichten auf, die so vielerlei Gegenden des grossen Tales zeigen, Ruhebänke haben und gegen die Mittagssonne decken. Wir sprachen da mit Bewunderung von Allem, was wir gesehen hatten, besonders, da wir die Zeit berechneten, wo der Haus- und Feldbau anfing. ––

"Ich übersetzte alles mit Leuten, und Geld, war immer dabei sie aufzumuntern. Das Zimmerholz wurde aus einem Vorrat vier Stunden von hier gekauft, Hau- und Sandsteine auch. Wir fanden willige und sehr geschickte Arbeiter. Da kann man viel tun. Während man Haus und Scheune baute, wurden zwanzig Morgen Feld und Kleewiesen durch Ausreitung der wilden Sträuche hergestellt. Dreisig Morgen bekamen wir, schon angepflanzt, von zwei Pächtern, die sich gern abkaufen liessen. Sie wissen, Rosalia, wie eifrig ich meinen Grillen den Weg bahne. Nehmen Sie Wollingen zum Oberaufseher, ihn, der so viel, nur allein getan hatte, so ist es ganz natürlich zugegangen."

Wolling war bei Anfang dieser Unterredung weggegangen. Clebergs und meine fragen hatten die Zeit verkürzt. – Wir hörten ein kleines Pfeifchen ein ländliches Liedchen stimmen. Da stand Frau Guden auf. Wir wollen nach Haus, sagte sie, indem sie auf ihre Uhr sah, es ist Mittag vorbei. – Wir gingen noch einige Minuten, etwas aufwärts und waren auf einmal in einem grünen Tempel, oder runden Saal von Hainbuchen, worinn der Tisch gedeckt und mit speisen besetzt war. Die Wollingsche Familie wartete schon auf uns, und das Pfeifchen hatte zum Zeichen gedienet, das alles fertig sei.

Cleberg, der so viel grosse Feste gesehen, sagte doch, dass er nimmer diese Art ruhiges Entzücken, und Zauberfreuden gekannt habe. Von zwei Seiten dieses Saals, sieht man Mahnheim an dem Abhange des berges liegen und eine grosse Schaafheerde weiden. –

Fünf und achzigster Brief

Cleberg an seinen Freund.

Ihr kleines, ungeduldiges Blättchen an mich beweist, dass ich Recht hatte zu vermuten, Antua müsse von dem Charakter dieser van Guden am meisten eingenommen werden, besonders auch von ihrem gang auf den Berg. Da haben Sie die übrigen Briefe von ihr selbst und die Abschrift derer, welche Rosalia an eine ihrer Freundinnen schrieb, wo ich nichts zusetzen kann, als dass alles so da ist, wie meine Schwärmerinn es mahlt; – die Gegend, Menschen und Sachen um sie herum. – Ich war gewiss eben so begierig, als meine Frau selbst es sein konnte, den Wollinghof, den ich gern Liebehof nennte, zu sehen. Als wir um die Buchbäume uns gegen das Haus wandten, wurde ich wahrlich in Staunen gesetzt, indem es gleichsam der Aufzug des Vorhangs in einer Oper war. Denn so ein Haus, in der würklichen Welt, ist Traumgesicht, bis man mir seinen fünf Sinnen darinnen herumwandelt, isst, schläft, schwatzt und wohnt. Sie haben es mit Bedacht so versteckt gehalten, um bei denen, die es sehen konnten, das Gefühl, über sein sonderbar Angenehmes nicht abzunutzen, die Leute nicht hinzulocken und ihren Kindern die Unterstützung ihres Charakters, ihrer Tugend und ihres Glücks nicht zu rauben, die einen grossen teil ihrer Stärke, dieser Einsamkeit und dieser, von allen Verhältnissen der gesetz und Gewohnheiten abgeschnittnen Lage schuldig sind. ––

In der, von Rosalien angezeigten, von künstlichen und natürlichen Blättern durchflochtnen Laube, sassen die zwei Weiber und Kinder. Wolling ging herum; ein schöner, schlanker Mann, hager, aber die edelste Bildung, und der blick eines Feuervollen, durchdringenden Auges, ein feiner Mund, gang und Stellung voll Entschlossenheit, der beinah an Trotz gränzte, wenn nicht die vortreflichste Männliche Seele den Zügel hielte Was würde dieser Mann in einem grossen Würkungskreise getan haben, mit all der Kraft zu tragen, zu kämpfen und zu handeln! – Aber sagen Sie, ist es nicht toll, dass wir ein Stück Gold nicht eher ganz in seinem Wert glauben, als es nachdem durch Kunst verarbeitet ist, oder das Gepräge von Bild und Aufschrift eines Fürsten trägt? – Bin ich nicht bei diesem mann, was Europäer bei den Indianern waren, als sie diese ihr Gold zu Gefässen ihres täglichen, kümmerlichen Essens verbrauchen sahen? Unglück tragen, Weib und Kinder nähren und schützen, ist das nicht gute Verwendung des Verstandes und der Kräfte des Lebens, in