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der Jahrzahl und dem Tage, da Frau Guden zu ihnen kam. – Denn dies ist der Platz, wo sie sie zuerst sahen und sie ihnen vor Gott Liebe und hülfe angelobte. Wolling errichtete die Pyramide und zwei Bänke daneben gegen die benachbarte Bäume, während der Zeit, da er einen Holzstoss davor aufrichten liess, damit Frau Guden nicht sehen sollte, was da gearbeitet würde. Sie erzählte uns dieses im Hinausgehen, und sagte dabei, dass gewiss niemals mehr und süssere Tränen bei der Einweihung eines Denkmals wären geweint worden, als bei diesem. Wolling hätte sie auch zum Frühstück gebeten, sie möchte aber von Carl, Lottchen und Nanny sich führen lassen. Das hätte sie gern bewilligt. Die Kinder waren von dem Weg unterrichtet, der ganz neu und verwunden zwischen dem Gesträuch durchgezogen lief, und an der Pyramide sich endigte, wo er gerad auf den kam, der vom alten Schloss her führte. Sie hätte sich etwas Ueberraschendes vermutet, aber dies nicht, was sie fand. Denn als sie um den Strauch herum kam der die Pyramide verbarg, so erblickte sie vor sich, auf der Seite gegen das Dorf, Wolling und seine Frau, mit der Trage, den Strohhunden, und dem kleinen Knaben darauf sitzend; und Carl, Nanny und Lottchen verliessen sie auch, wie damals, liefen den Eltern zu und wiesen freudig mit Händen nach ihr. – Der Auftritt hätte sie äusserst erschüttert und bewegt, und sie wäre an die Stuffe der Pyramide niedergesunken, da dann Eltern und Kinder zu ihr geeilt wären, um sie her gekniet, und mit Tränen benetzt hätten. – Ihr Herz wäre auch durch einen Ausbruch von Weinen erleichtert worden, wo sie dann Alle umarmt und sie gebeten habe, sie in Zukunft mit so starken Ausdrücken des Danks zu verschonen. – Aber Frau Wolling hätte gesagt, es wär neue Wohltat, wenn sie sich das Dankopfer der Familie wolle gefallen lassen, und die Kinder hätten sich auf einen Wink des Vaters, um sie gesammlet und um erlaubnis gebeten, sie Grossmama zu heissen. Frau Wolling wäre auch gekommen: – "Ach, erlauben Sie es! – ich kenne keinen heiligern Namen, als den von meiner Mutter." – Seitdem nennen sie die Kinder Grossmama Guden. –

Nun waren wir auch bei dem frommen Denkmal, von welchem Madame Guden alles hat auslöschen lassen, was sie bezeichnete. Wir frühstückten, mit wahrem Gefühl des Werts der Tugend. – Diese reitzende Einsamkeit, der Gesang der Vögel, alte und junge Bäume, herrliche Felder neben uns, der Obstgarten gegenüber, links ein teil der Ruinen, rechter Hand das liebliche neue Haus! – Die Kinder brachten zwei zahme Schaafe und zwei Hühner, die mussten auch da sein. – Nachdem gingen sie mit ihrer Mutter hinweg und wir wurden an das alte Schloss geführt, wo die Hütte noch steht und unterhalten wird, in der die Wollinge wohnten. All ihr armes Hausgeräte ist auch noch darinnen. O, Mariane, was empfand ich, als Wolling zu meinem, ihn mit Bewegung ansehenden Cleberg sagte: "Dies war der Aufentalt der treusten Liebe." – –

Sein Auge war voll zärtlicher Wehmut, als er dies aussprach. – Sein Garten auf der alten Schlossballe ist auch angebaut und immer von feinen Händen. Da darf kein Knecht helfen. – Wolling sprach wenig, Frau Guden erzählte uns; – ich konnte auch nicht reden, – nur sehen und hören. – Das kleine Grab des Erstlings dieser treuen Liebe, mit Zwergrosen umpflanzt zum Haupt mit Lilien besetzt; der darauf gesunkne blick des Vaters; Cleberg, der seine Augen auf mich heftete, rührte mich beinah zu sehr. Frau Guden, die es bemerkte, führte mich zu dem Betaltar ihrer Lotte: "Das ist der Stein, auf welchem die Mutter der Frau Wolling bei der Zusammenkunft sass, die sie hier mit ihren Kindern hielt." – Eine kleine vierelte Säule steht da unter dem Geissblat, mit der Aufschrift: Hier gab die beste Mutter den lezten Segen. ––

Das Flachs- und das Kornstück, alles wird mit frommen Andenken, wie ehmals, von der Familie unterhalten. Es liegt was in ihnen, so sie denken macht, dass Unglück auf die Vergessenheit oder Geringschätzung des alten Bodens erfolgen würde. – "So lange nährte er uns und entsprach so getreu meiner Mühe;" sagte Wolling, – – "Schweiss und Tränen benezten ihn! – So lange meine arme Kräfte haben, soll er mit Brodt und Blumen angepflanzt werden." – Ist dieses nicht Liebe, Mariane! ist dieses nicht das heilige, reine Gefühl empfindlicher Herzen, wovon hernach einige Zweige in Aberglauben ausarteten? – und wo man, um diese wegzuschaffen, selbst die schöne Wurzel zerstörte? –

Die grosse Lücke der Mauer, durch welche Frau Guden an den Berg herein trat, ist mit Rosenstöcken besetzt und der schmale Fusspfad, den sie herauf kam, ist ausgehöhlt, mit Letten gegründet und das kleine Quellwasser hinein geleitet worden. Herr Wolling sagt: "Niemand anders soll diese Fussstapfen betreten; reines lebendiges wasser allein soll sie benetzen und das Tal befeuchten helfen, durch welches sie zu uns kam." – Können Sie, Mariane, können Sie diese Gesinnungen tadeln? – Mir zeigen sie an, wie tief alles im einsamen sich eingräbt. Mir sind dieses Wegweiser zum Ursprung der Erscheinungen, wovon Einsiedler und abgesondert lebende Fromme erzählten.

An einer dicht mit Epheu bewachsenen