An beiden Seiten, sind zwei artige Entenhäusgen, die auch die Freude vermehren. ––
Weiter gingen wir gestern nicht, und kamen zum Abendessen in ein liebes Zimmer, das vom zweiten Stock in den Baumgarten gebaut ist, und unten durch fünf Bogen, worauf es ruhet, einen artigen Saal macht, an dem die Körl-Kirsche und Geissblatstaude so gezogen werden, dass sie die Bogen rings einfassen, und unter der Scheere gehalten, recht hübsch aussehen müssen. –– Das obere Zimmer ist kleiner, als dieser Gartensaal, weil um jenes ein gang herum geht, auf den man durch fünf Fenstertüren kommt, die über den fünf Bogen stehen. Wenn die hochstämmigen Obstbäume erst alle im Blühen sind, so muss dieser gang und dies Zimmer ganz reizende Empfindungen geben. –– Cleberg und ich gerieten in das angenehmste Staunen als wir aus unserm Zimmer, wo wir die Reisekleider ausgezogen hatten, durch Carl Wolling zum Essen gerufen wurden, und auf einmal das Klavier und die schöne stimme meiner Freundinn hörten, die im Nebenzimmer spielte und sang. Die vier holdseligen ältern Kinder der Wollinge hüpften, an Blumenkränzen sich haltend um uns herum. – An den Wänden war mein, Clebergs, und der van Guden Namenszug wechselweis in Blumengewinden aufgehängt die von beiden Seiten über den Fensterzug hin, durch grosse Schleifen von Blättern und Blumen, an einander geknüpft waren. über dem Tisch hing eine, auf nehmliche Art geflochtene Krone, an vier zusammengefussten gleichumwundnen Seilen. Zwischen den Fenstern waren Tischgen, nur mit einem schon gebognen Fuss, jedes einen Blumenkrug tragend. – Die vier grossen Leuchter mit Wachslichtern auf dem Esslisch, die Schüsseln und Teller, alle von Fayance, ganz weiss mit einem grünen rand, vier kleine Körbchen mit Blumen standen zwischen den fünf Schüsseln, aus denen unsre Mahlzeit bestand. – Cleberg hat Recht, es war Feenmässig; – besonders auch das dämmernde Licht, so die Fensterzüge beleuchtete. Diese sind von feiner meergrüner Leinwand und laufen an den Fensterpfeilern zwischen weissen Nahmen nett gespannt, die dann, wenn sie herunter gelassen werden, das Zimmer in grün und weisse Streifen teilen. Weil sie nun einen Raum zwischen sich und den Fenstern lassen, so stellte Wolling die Lampen hinter die Züge; und die Ketten auf diesem grund waren meistens von weissen, gelben, und roten Mahn genommen. Wie sehr schön und rührend das alles war, kann ich Ihnen nicht genug sagen. – Als wir das lobten und den Geschmack bewunderten, lehnte Frau Wolling ihren Kopf auf Madame Guden Brust, die sie mit Küssen und verstohlnen Tränen bedeckte. Madame Guden küsste sie auf die Stirne, druckte sie an sich und sagte ihr etwas ganz leise, worauf sie ruhig wurde und den übrigen Abend an Allem Anteil nahm. O, Mariane! warum waren Sie nicht hier! –
"Meine arme Lotte," sagte Frau Guden hernach beim Schlafengehen zu uns, "ist so misstrauisch gegen das Glück geworden, dass sie öffters Anfälle von Furcht bekommt. – Ich habe die Bewegungen meiner Freude zurück gehalten, als Sie ankamen, um ihre Empfindlichkeit zu schonen; denn sie fürchtete, ich würde von hier weg, zu Ihnen ziehen." – Die Gute weiss nicht, was mich hier hält. –– Nach diesem fragte sie meinen Mann, ob er mit ihr und Wollinghof zufrieden sei? – Sie können sich seine Antwort vorstellen. Aber sie fiel ein: "Ich bemerkte doch, dass Ihnen Einiges zu schön und zu künstlich schien. Aber ich bekenne, dass es mir unmöglich war, Allem, was ich ehmals liebte, zu entsagen und dabei wollte ich meine Freunde auch wieder ihrem angebohrnen Kreise nähern. Geschmack und Ordnung kosten nichts und mein Vermögen ist beinah so gross, als mein Wille und meine Phantasie. – Doch sollen Sie meine Rechnungen von dem haus sehen." – Hiemit umarmete sie mich, und wünschte uns, gut zu schlafen. –– Cleberg sagte mir, er habe Nympfen und Liebesgötter tanzen gesehen.
Vier und achtzigster Brief
Zweiter Tag in Wollinghof.
Wir wachten spät auf, weil wir noch lange geschwatzt hatten. Ich wollte mich eilig anziehen, als Cleberg mich in unser Wohnzimmer rief, und mir einen Tisch mit Koffezeug wies, der in das Zimmer gebracht wurde, so bald man gemerkt hatte, dass wir aus dem Bette waren. Des Knecht hatte ein Billet an mich dabei, worin Frau van Guden uns bat, dieses Hausgeschenk von ihr anzunehmen.
Ein geräumiger Tisch, mit einer ganz silbernen Platte überzogen, die Kaffe- Milch- und Teekanne, nebst Kessel, auch von Silber, innen stark vergoldet. Die Tassen alle mit Aussichten von Mahnheim und S**, daneben goldene Ränder, alles im schönsten Geschmack und Arbeit. – "Nun," sagte Cleberg, "sehe ich, warum sie Gestern von dem Reichtum ihrer Phantasie, ihres Willens und ihres Vermögens erzählte." –– Den Augenblick kam sie selbst und führte uns, wie wir waren, zum Frühstück bei dem Eichenwald; bat uns, nicht viel Danks über das Geschenk zu machen, sondern zu glauben, dass es ihr ein süsses Vergnügen gewesen, es uns zu geben und dadurch auch ein sichtbares Andenken an sie gestiftet zu haben. ––
Der Platz bei diesen Eichen, o, der ist heilig, wie der Stein, den Jacob mit Oel begoss. – Auch hat Wolling hier eine schöne, stumpfe Pyramide aufgerichtet, mit der Inschrift: Hier erschien mir die hülfe des Herrn, – mit