1779_La_Roche_065_156.txt

, der ringsum läuft, und machte die Tür auf. Ein artiges Zimmer, ganz weiss, nur ellenhohe Lambris, immer grau und grün, wie auch die Tische, Stuhlfüsse und Türen waren; aber an einer Wand ein ziemlich grosses Gemälde von der Vorstadt in S**, auf der andern, der Spaziergang, den sie angelegt hat, und da, auf einer Steinbank, meine Figur neben der Ihrigen; ich, in Tomsons Frühling lesend, und Madame van Guden, einen Arm um mich geschlagen, aufmerksam zuhörend. ––

Ich fiel ihr um den Hals, redte nicht, aber meine Brust klopfte an der ihrigen und unsre Tränen mischten sich. – Endlich sagte sie: "Willkommen! liebe Rosalia, willkommen! umarme ich Sie glücklich?" –

"Ganz, ganz unendlich! in Allem." –

"Auch in Clebergen?" – –

"Ja, völlig!" – –

"Gott sei Dank, und segne Sie. – Jetzt meine Liebe," fuhr sie fort, "kann ich Ihren Besuch recht geniessen! – Das ist Ihr Wohnzimmer und hier Ihre Betten." – In einer allerliebsten Alcove waren zwei Schlafstellen, so nett, – mit auch grün und weissgestreiften Decken. Auf der Seite jedes Bettes der Ausgang in eine Art kleiner Kämmerchen, deren eins in den Hof, das andre in den Baumgarten ein Fenster hat und jedes einen Schrank und alle Aus- und Anziehgemächlichkeiten, die man begehren kann. Unter dem Spiegel des Wohnzimmers, standen zwei Blumentöpfe und ein Kästchen voll artiger Steine, die man im Bauen und Ausgraben gefunden hatte. Ihr Wohnzimmer ist an unserm. Da sind aber lauter Zeichnungen von ihrer Hand, die Herr van Guden hatte in Oel mahlen lassen. Ihr Bett ist auch an der Wand, mitten zwischen zwei Kabinetten, deren eins gegen das Feld, ihren Büchervorrat und Schriften, und das andre Weisszeug und Kleidungsstücke entält. Ihre Meta hat ein Zimmerchen gleich hernach und dann kommt man in Wollings Haus, das recht schön geräumig ist und oben bis über das Tor drei Zimmer hat, die aber noch nicht eingerichtet sind. – Auf der einen Seite des Tors ist der obere Stock durchaus Fruchtspeicher, recht schön und freundlich. Sie hatte uns nicht aus Fenster gegen den Hof geführt, sondern leitete mich noch eine Stiege höher auf ihrem Gebäude. Wolling öffnete eine doppelte Tür und da waren wir auf einem grossen Altan, der über den ganzen Flügel gebt, den sie bewohnt. Wie herrlich das ist, können Sie nicht glauben. – Gleich an dem Austritt vom haus kommt man unter eine hochgezogene Laube von roter Bohnenblüte, die alle Jahr in schmalen Kästchen an der Brustmauer hin, gepflanzt werden. Da sind Bänke und kleine Tischgen. Die sehr niedre Mauer ist mit Blumentöpfen, von lauter auch niedrig wachsenden Arten besetzt, die durch zwei Reihen eiserne Stangen fest gehalten werden. – Von diesem Platz übersiebt man das ganze Feld und alte Schloss. Oben in einer Ecke ist eine Aussicht durch den ganzen Wald gehauen, die gerade auf die Kirchturmspitze von W** geht. – Sie dauerte mich; – denn als sie mir es sagte, errötete sie und druckte meine Hand so bedeutend, da ich das Sehrohr von ihr nahm, um W** zu sehen. – Unter dem Gebäude der Frau van Guden ist die Milchstube, dann eine kammer, wo Saamen und alle Gärtnergeräte verwahrt werden, der Holzschoppen, und ein Platz, wo alles Ackerzeug hingetan wird. Dann steht dem Hauptause gegen über die Scheune und Dreschtenne, die zugleich das Heu und Stroh fassen. Das Seitengebäude, so sich wieder an das grosse Haus anschliesst, ist der Pferde und Kuhstand, von Erstern drei, von letzteren acht Stück; Schaafe ungefähr zwanzig, und dann Schweine, Hühner, Gänse, Tauben u.s.w. Eine köstliche Wirtschaft! wo Nutzen, Schönheit und Ordnung mit natur, Kunst und Arbeitsamkeit so verbunden sind, das man Keins ohne das Andre sieht. Es ist beinah unglaublich, was in weniger als zwei Jahren alles hier gemacht wurde, an Gebäuden, Anpflanzungen und Benutzung davon. Sie brennen wohlriechende und auch andre wasser, machen Liqueur, giessen Lichte, bereiten Seife, Käse, Butter, dürres Obst. – Es ist ganz entzückend, wie alles geht! drei Mägde, zwei Knechte und zwei Tagelöhner, alle munter, fleissig und so reinlich, als ob sie nur zum Spass Bauernkleider anhätten. – Eine ehemalige Wasserpfütze an der Scheune ist zum Fischteich gemacht, dem aus den oben liegenden Aeckern immer gute Nahrung zufliesst. –– Eine Magd backt Brodt u.s.w.

Während wir herum gingen und Wolling manchmal in Danksagung oder Lob ausbrechen wollte, wendete Frau Guden die Unterredung gleich auf was Anders. Aber Wolling sagte: "Sie würden mich nicht schweigen machen, wenn Wohltat und Schönheit dieses Aufentalts von andern Händen wäre, als von den Ihrigen." ––

Nun gingen wir auch aussen um das Haus. Der innere Hof ist ganz sauber, denn der Kuh- und Pferdedünger wird auf die andre Seite gelegt, wo er auch durch Bäume vor der Sonne geschützt ist, um nicht ausgesogen zu werden. Der Teich ist auf zwei Seiten mit einer Rosenhecke eingefasst. Von dem haus geht eine acht Schuh breite brücke, mit einem Geländer, einige Schritte weit in denselben hinein, auf welcher nur ein wenig mit den Füssen gestampft wird, so kommen die Fische und fressen das ihnen zugeworfene Brodt.