, ist die Hecke des Obstgartens, an diesem die Felder, und gegen über einige Eichen, zwischen denen man eine Ecke des alten Schlosses sieht. Etwas sonderbar haben wir beide das so ausserordentlich hervorragende Dach gefunden. Es sieht aber doch artig und wird durch eiserne Stangen zwischen den obern Fenster gestützt. Neben den Stangen kommt auch aus einer Art Steingesims Laubwerk, von Eisen gemacht und grün gemahlt, das sich um die grauen Stangen herum windet und an der Wasserrinne ungleich abhängt. An der obern Ecke des Hauses, wo der Baumgarten anfängt, ist nach der Breite des Pflasterwegs eine halbe Rebenlaube, etliche zwanzig Schritte lang, auch von eisernem, grün gemachtem Gitter- und Laubwerk; von der Seite des Obstgartens aber hängen Baumäste herüber. – Da war die van Guden bei meiner Ankunft, mit den lieben Wollings, bei einem Tisch mit Milch und Obst besetzt, womit sie uns gleich erfrischen wollte. Die edle Stifterinn all dieses Schönen ging lebhaft unserm Wagen zu, der mir nicht geschwind genug gehen und schnell genug stillstehen konnte. Herr Wolling half mir heraus. Ich achtete nicht auf ihn und fiel, mit einem Ausbruch von Tränen, in die arme meiner Freundinn, die mich mit Zärtlichkeit und Rührung an ihre Brust druckte. Stumm nur, wies ich ihr meinen Cleberg, der da stand und sie mit Ehrfurcht und Staunen betrachtete. Sie neigte sich gegen ihn, mit dem Anstande, den ich nur an ihr gesehen habe. Und wie sollt ihn auch jemand anders haben, weil es Ausdruck ihrer Seele ist, der diese edle ernste Anmut über ihren Anstand verbreitet – Cleberg küsste ihr die Hand, sie hielt die Meine. "Herr Wolling! Dies ist meine Rosalia; dies Herr Cleberg, ihr würdiger Mann. Und da!" fuhr sie fort, indem sie Wollings Hand nahm und mir der andern auf seine Frau und Kinder deutete: "Da ist Herr Wolling und seine Familie, voll Rechtschaffenheit und Tugend." ––
Er bückte sich schweigend. Seine Frau, die auf der Bank sass und ein Kind an der Brust liegen hatte, blickte uns an; Tränen liefen über ihre Wangen auf ihre Brust, und gewiss, der Säugling trank einige davon mit der Milch seiner Mutter ein. – Wolling sah sorgsam auf seine Frau. Die van Guden bemerkte es und ging eilend zu ihr, küsste eine Träne weg: "Was ist das, liebe, werte Lotte?" –– "Süsse, recht süsse Tränen meines, an Ihrem Vergnügen Anteil nehmenden Herzens." ––
Van Guden küsste sie und das Kind. –– "Dank, meine Liebe! vielen Dank; – aber Sie müssen meine gute Rosalia auch anlächeln und ihre Freundinn werden." ––
"Recht gerne!" – sagte sie, mit der sanftesten stimme und blick. Ich hatte indessen mit der Nanny gesprochen, die ein Huhn auf dem Arm herum trug, weil es mit einem Fuss hinkte. Sie sagte mir, es wäre eine alte, alte Henne, die schon viel Eier gelegt hätte, und Hühner ausgebrütet, die würde ich im hof sehen. – "Vier sind schwarz mit schönen, weissen Häubchen; zwei davon laufen der Grossmama Guden immer nach."
Ich merkte hier, dass diess noch von den Hühnern in Ruinen waren. – Nun hatte Cleberg mit Wolling Bekanntschaft gemacht. Ein Knecht half die Chaise in die Scheune bringen und meinen kleinen Koffer in unser Zimmer. Ich ass etwas Milch, welche mir die junge Wolling recht artig darbot. Carl brachte unserm Fuhrmann Wein und er wurde dann mit einem Zettel an den Wirt, nach Mahnheim geführt. Mein Mann und Wolling kamen aus dem Torweg. Cleberg sagte mir, es sei ein entzückender Anblick für ihn gewesen, mich zu sehen mit all meiner Empfindung gegen die kleine Nanny gebeugt; Frau Wolling, ihr schlafendes Kind auf dem Schooss; Madame Guden, die mit leutseliger Güte, Lottchen zusah, die für mich einige Blumen in der Hand hielt, und nur wartete, bis Nanny ausgeschwazt hatte. – –
"Sehen Sie die drei herrlichen Geschöpfe," sagte Cleberg zu Wolling. ––
"O, das fühl ich recht sehr!" – Nun setzten sich die beiden vortreflichen Männer auch zu uns. Madame Guden fragte meinen Mann, ob ihm das Ansehen von Wollinghof gefiele?
"Ich kanns nicht ausdrucken, aber es dünkt mich in einer romantischen Gegend zu sein."
Sie lächelte freundlich. – "Sie haben nicht ganz Unrecht, und ich glaube, Sie sind das einzige Wesen auf dem ganzen Berge, das zu der üblichen Welt gehört. Sie müssen, werter Herr Rat, uns aufrichtig sagen, wie Ihnen bei uns zu Mute ist." ––
"Das will ich, würdige Frau." – –
"Würdige Frau! und romantisch? – Wie verbinden Sie dieses?" ––
"Durch das Gefühl, so ich von Schönheit und Güte habe." ––
Frau van Guden nahm, ohne zu antworten meine Hand. – "Sie haben nun etwas geruht. Sie sollen mir auch in meinem Zimmer sagen, dass Sie gern gekommen und gern da sind;" – und damit führte sie mich dem Tor zu. – "Herr Wolling, Sie bringen den Herrn Rat."
Sie ging gerade zu nach der Stiege in das Seitengebäude, wo sie wohnt. Sie sprach nichts, drückte aber meinen Arm an sich. – Ihre Meta stand vor den Zimmern auf dem Gange