Stadt hat. – Die Hälfte seines Vermögens ist unser; –– nur die Hälfte, weil mein liebes, grossmütiges Weib die andre unter arme Verwandte verteilen machte.
Nun haben Sie und mein Freund Antua den Schlüssel zu meinem trocknen, sonderbaren Betragen in Ansehung des schönen Geschlechts, das Sie mir so oft verwiesen. Ich habe Ihnen niemals von Rosalien gesagt, ihr Bild, ihre Briefe nicht gewiesen. Ich wollte alles, was sie mir war, allein geniessen und dann bekenne ich, freuten mich alle die Auslegungen und Vermutungen über meine Kälte. Ein lebhafter hübscher Pursche von vier und zwanzig Jahren, so Feuerfest, mitten unter flammenden Schönen und brennenden Liebhabern, lieferte Stoff genug, darüber zu reden.
Meine Frau beschreibe ich nicht. Kommen Sie zu mir, und sehen sie. Sie gefällt allen edlen, allen Vernünftigen. Ich habe Ansehen, Vermögen, ein schönes Haus in der Stadt, eins auf dem land. Beide sind Freunden und Bekannten und Fremden gewidmet. Schicken Sie mir alle artige Leute Ihrer Bekannten, die hier durchkommen; denn ich will, so viel ich kann, an Fremden belohnen, was ich von Fremden genoss. Der gesellschaftliche Ton unsrer Stadt wird sehr artig. – Für Spiel, Concerte und kleine Bälle, Schlitten- Land- und Wasserfahrten sorge ich. Mein Garten hat eine herrliche Lage zwischen einem Kirschenwäldgen, so einer Dorfgemeine gehört, die in meinem Amt ist, und einem Bauerhof, dem das Akkerfeld zusteht, aus dem ich den Garten machte. Mein Haus darin wird bald fertig sein und fasst drei Teile. In der Mitte einen offenen Saal auf starken Pfeilern, achteckig, der gegen die Landstrasse zu, die Bogen mit schönen Gittern bis auf die Erde hat; gegen den Garten aber offen; an jedem Pfeiler eine schöne Lampe, und in der Mitte zwei zierliche Laternen, jede zu vier Lichter; an jedem Pfeiler eine Bank für drei Personen; der Boden ein schöner Guss, wo sich hübsch tanzen lässt. – Oben der nehmliche Saal, aber mit Fenstern bis auf den Boden und die Gitter nur Brustöhe. Der ist in kühlen und Regentagen der Freude zum Schutz. – Gegen das Wäldgen zu geht ein Flügel, unten mit sechs kleinen simpel meublierten Zimmern für Rosalien, mich und Bediente; oben eben so viel für Freunde. Auf der andern Seite ist die Küche, der Keller und das Speisezimmer, nebst wohnung der Küchenleute. Von dort gehts in den Bauerhof, wo ich alles recht schön werde machen lassen, wie auf dem Wollinghof von dem ich komme. Mein Garten ist ein schönes Parterre von Rasen und Blumen, über welches hin, ich die Aussicht auf die Stadt habe. Denn ich liess ihn nur durch einen breiten und tiefen Wassergraben einfassen, über den eine Zugbrücke ins Wäldgen, und in den Bauerhof geht. Einige Vasen und kleine Lauben an dem Wassergraben hinunter soll alles Kunstwerk sein, so hinein kommt. Ich will keine Bildsäulen, sondern lebende, liebenswerte Menschen darin sehen, – und eine Gruppe scherzender Amoretten soll Rosalia mir schaffen, denn es scheint mir unmöglich, dass die Kinder der holden, Gefühl- und Phantasiereichen Creatur, die ich mit so viel Feuer und Geschmack liebe, nicht schön sein sollten. – Mittagstafel werde ich niemals geben, auch mit meiner Frau Mittags sehr mässig, und wenn Sie wollen, gering essen; nichts als Suppe, Gemüs und Rindfleisch. Ader der Nachmittag von zwei Uhr, das Nachtessen und der Abend bis zwölf, soll allen Denen geweiht sein, denen wir, oder die uns gefallen, es sein Deutsche, Engländer, Franzosen, oder Italiener. Denn wir werden mit Allen ihre Muttersprache reden, und Vergnügen zu geben suchen. Aber den Morgen, bis zwei Uhr nach dem Mittagsessen, wollen wir unsern Berufsgeschäften allein eigen sein. – Und so viel von mir, und eine herzliche Einladung an Alle, die ich bei Ihnen kenne. Nun von meiner Reise zu einem lebendigen Roman. ––
Meine Rosalia musste mir, in den ersten Tagen unsrer Verbindung ihr Leben erzählen und ihren Plan für unser häusliches Glück sagen, den ich Stückweis mit den Meinigen verwebte. Ich wollte dann auch ihre besonderen Wünsche wissen, was sie tun würde, wenn sie ganz allein und unabhängig, wäre. Da sagte sie mir von einer Frau van Guden, die sie gerne besuchen möchte; dass dieses die grösste Freude für sie sein würde – und sie vom Schicksal und mir sonst nichts verlangen wolle. Das war viel ausgedruckt und ich bat sie um Nachricht über diese innige Freundschaft. Das wollte sie auf einem Spaziergang mir alles erklären; aber ich müsse mich von ihr führen lassen, dass wir nicht Leute anträfen, die sich uns anhängen könnten. – Nun gingen wir ein enges Gässgen an der Mauer hin, in die kleine Vorstadt. – Kaum waren wir über die brücke weg, am ersten haus, als schon Männer, Frauen und einige Kinder gegen uns liefen, meiner Rosalia hände nahmen und küssten. "Ach, wie lang haben wir Sie nicht gesehen! was macht unsre Mutter? ist sie wohl? Denkt sie noch an uns?" –
Meine Frau antwortete Allen liebreich und versicherte sie des Andenkens, Wohlseins und der Liebe ihrer Wohltäterinn; sagte Ihnen, dass sie mit mir verheiratet wäre und nun hier wohnte. – Da sahen sie mich an, ob ich wohl meine Frau wert sei, segneten uns, mit Ausdrücken, die mich äusserst bewegten. Nach