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Heirat begreiflich zu machen. Sie sahen mich immer voll Ruhm- und Freiheitsliebe. Wahr ist es auch, dass meine Ehrgeizjahre früh anfingen, und so gar die Zeit wegnahmen, die andre Jünglinge meines Alters zu Vergnügen und Liebe verwenden. Empfindsamkeit schien dem Fluge meines Kopfs, eine mir unanständige Sache; – und meine Rosalia war ehender Eroberung die mein Stolz, als die meine Zärtlichkeit wünschte. Alle junge Leute bewarben sich um sie und sie verwarf alles, was sich ihr anbot. Ihre person, ihr Geist und Charakter waren reizend und der Gedanke, der einzige Vorgezogne zu werden, gefiel mir. Sie hatte erklärt, dass alle schöne Sachen, die man ihr vorsagen könnte, nichts über sie gewinnen würden, und dass allein der gute Ruf von Wissenschaft und Sitten, den Weg zu ihrem Herzen finden sollte. – Ich war da eben von Göttingen zurück gekommen und suchte nun einen Anlass, unter ihrem Onkel zu arbeiten und mir das Lob dieses Mannes zu erwerben. Ich erhielt es und durch ihn auch die Stelle, in der Sie mich sahen. Dieser Mann bewies mir so viele Güte, dass ich notwendiger Weise die äusserste Liebe und Dankbarkeit für ihn fühlen musste. Ich drückte es ihm einst in voller Ergiessung aus. – Mein Ton bewegte ihn. – Er sah mich lang an, hielt meine Hand, – bedachte sich wieder, und sagte endlich: "Nein! ich kann mich nicht betrügen; – es liegt Rechtschaffenheit in Clebergen und ich will beweisen, dass ich es glaube. Sie danken mir für das, was ich bisher für Sie tat, ob ich schon durch das Vergnügen belohnt wurde, einem jungen Mann von Talenten auf eine tätige Laufbahn geholfen zu haben. – Ich schätze und liebe Sie, und kann es Ihnen nicht besser zeigen, als in dem Wunsche, Sie durch meine Rosalia zu meinem Neffen zu bekommen. – Aber Sie müssen dieses nicht als einen Antrag meiner Nichte ansehen, den ich als eine Zulage bei den Aussichten anbringe, die ich Ihnen schafte. – Es ist nichts, als der stärkste Beweis einer Väterlichen Hochachtung, die ich für Sie habe. – Ich wünsche, dass Sie mein Sohn, mein Verwandter wären, weil es mich freuen würde, einen jungen Mann von Ihren Verdiensten mein zu nennen. Aber Sie sollen in aller Freiheit sein, wie meine liebe Nichte; die so sehr verdient eine der glücklichsten Personen ihres Geschlechts zu werden, wie gewiss einst ihr Mann der Glücklichste von dem unsrigen sein wird." ––

Verdiente dieser herzliche Mann nicht, dass ich ihm meine ganze Seele öffneteund gestand, was für Beweggründe mich zu ihm geführt hatten? – Er verwies mir in etwas meinen Ehrgeitz; war aber mit ihm zufrieden, weil er mich allem Ansehn nach vor erniedrigenden Fehlern bewahrt hätte. – Er hoffte, ich würde in Zukunft edlere Beweggründe, zu Erwerb des Beifalls, in meiner Seele finden. – Sein Wunsch bleibe der nehmliche; aber ich und seine Rosalia wären durch mein geständnis desto freier. Seine Nichte müsse gewünscht und erworben werden. – Ich bat ihn, Rosalien ja nichts von seinen und meinen Aeusserungen zu sagen, und nur überhaupt das Gute von mir zu reden, welches er dächte; weil ich auch nicht den geringsten vorteilhaften Gedanken der Nichte, den Zuredungen des Oheims schuldig sein möchte. – Er war damit zufrieden und hielt mir Wort. Ich verdoppelte meinen Eifer für Wissenschaften und meine Sorgfalt auf meine Sitten, sah Rosalien öfters' in Gesellschaft und bediente mich des einzigen Kunstgrifs, mit keinem Frauenzimmer zu sprechen, als mit ihr; ob es schon nicht viel war. Und dann suchte ich immer einen Platz zu haben, um sie sprechen zu hören und wo sie meine Aufmerksamkeit auf sich sehen musste; betrachtete ihre person, ihre Kleidung; heftete dann meine Augen auch auf Andre, mit der nemlichen Untersuchung in meinen Blicken, die dann wieder auf sie zurückkehrten und oft einen Ausdruck von Bewunderung, manchmal von etwas trauriger sehnsucht zeigten. – Sie war höflich gegen mich, wie gegen Andre, zeigte mir aber keinen Vorzug. Endlich kam die Liebe mit aller Gewalt in mein Herz und alles, was im Anfang Kunst und List eines Eroberers war, wurde Ausdruck der Furcht, ich möchte, wie Andre, missfallen. Ich lernte Tag und Nacht am Violoncel, um sie auf dem Klavier accompagniren zu können. –– Ich erreichte einen Grad Fertigkeit und den Ton, der ihr gefiel. Ein Ausruf, den ich einmal tat: "Gott sei Dank, dass Sie mit mehr Seele, als Kunst spielen," – bahnte mir den Eingang in ihr Herz. Ihr Erröten, ihr blick, das schwache Zittern ihrer Finger, – o, wie glücklich machte mich all dieses! – Nachdem sprach ich, wurde gern gehört, ihrer Liebe versichert und konnte doch meinen Platz, als Gesandtschafts-Secretair antreten, alles Vergnügen meiner Reisen geniessen und war gewiss, das edelste, häusliche Glück bei meiner Zurückkunft anzutreffen. Ich fand auswärts nichts Besseres, obschon an vielen Orten schöners und reitzenders Frauenzimmer; hätte aber Rosalien niemals vertauschen mögen, denn ich hätte auch ihren Oheim verlohren, und ich würde mich sehr glücklich schätzen, am Ende meiner glänzenden jungen Jahre, die edle Einfalt und weise männliche Güte zu finden, die den Charakter dieses Mannes bezeichnen. Er schaffte mir die Stelle eines Residenten und die Aufsicht über das kleine einzelne Amt, das mein Fürst ganz nah an dieser