1779_La_Roche_065_151.txt

die ich kannte, der einzige, der je meinem ganzen Herzen, und ganzen Kopf gefiel. – Sie werden es bleiben, und alle, alle meine Zärtlichkeit ist Ihre." ––

Meine Augen füllten sich mit Tränen. – Sein schönes feuriges Auge stand auch voll wasser, als er, bei dieser Versicherung, voll Liebe und Vergnügen mich anblickte. Er stand auf und schloss mich mit Entzücken in seine arme. – "Nun ist der Tag schön, nun ist er mir süss! Rosalia, Du sollst glücklich, gewiss glücklich in diesen Armen und an diesem Herzen sein! – Es ist Tugend und Adel darin, wie in Deinem." ––

Ich wurde doch blass und zitternd. Er rufte Frau G** und meinen Oheim. – Beide baten mich auch wegen der Ueberraschung um Vergebung und Cleberg liess mich einige Tropfen guten Weines mit etwas Brodt nehmen. Der Pfarrer nebst seiner Schwester wurden nun gerufen und wir speisten alle recht munter. –– Um acht Uhr fuhren wir nach Haus; – Cleberg mit uns. – Da sagte mein Oheim: "Nun Kind, vergiess alles Unangenehme. Freue Dich meiner und Clebergs Freude! – Es war doch besser so. – Eine Bewegung hättest Du immer erdulden müssen, – versprochen warest Du schon lange. –– Ihr kennt und liebt Euch; – die Neugierde der Stadtleute und ihr Geschwätz um Dich herum, wäre Dir gewiss lästiger gewesen, als die treue Lustigkeit Eurer Amtsuntertanen. – Es ist alles so verabredet gewesen, eh wir kamen; und heute, um halb zwölf, als mein Bedienter mir die Stunde anzeigte, hab ich den Herrn Residenten bei dem Stadtmagistrat vorgestellt, und unsre Frau G** da, und Julie haben als gute, Schwesterliche Freundinnen, zu Allem geholfen was ich für Dich wollte. – Nun sei zufrieden und zeige mir es in Deiner Miene!" – Er küsste mich da, und ich musste den Kopf an das Kutschenfenster halten, dass er mich bei dem Schein der Fackel betrachten konnte! –– Frau G** umarmte mich. – "Vergeben Sie mir mein Schweigen und bleiben Sie, als Madame Cleberg, meine Freundinn wie Sie waren." – Was konnte ich sagen? Ich küsste sie wieder, und sprach zufrieden mit. –– Wir stiegen an meinem Haus aus, wo Otte, Herr G**, Julie und ihre Schwester, nebst unsern Mägden und Bedienten, im Vorhaus uns bewillkommten; alle schön gekleidet und alles schön beleuchtet; denn schon unten brannten an den Wänden mein und Clebergs Namenszug hinter gelben Glaskugeln, und an der Stiege hinauf bis in den Saal, waren diese Kugeln von allerlei Farben, in Bogen und unsere Namen. – So war auch der Saal, wo, nach den Bewillkommungen und Glückwünschen, mein Oheim mir sagte: "Dieses Zimmer must. Du auch sehen" – und nach einem Segen, den ich auf meinen Knien empfing, wie er mir ihn auf seinen Knien gab, mich allein liess, und meine Stubenmagd mir schickte. ––

Die vier Zimmer, so Cleberg hatte zurichten lassen, sind unsre Schlafzimmer. – Grün und weisse halbseidne Tapeten und Bettvorhänge mit breiten Streifen, ein schöner Nachttisch, der des tages nichts als Tisch ist und inwendig alles Nötige hat. In meinem Zimmer Clebergs Bildniss, wie er bei dem Eislaufen gekleidet war, in Lebensgrösse; und in Seinem das Meinige, eben so im Pelzauzug, der ihm meine Gestalt so schön zeigte. – Es scheint, als ob in jedem Zimmer nur ein kleines Bettchen wäre. weil die Scheidmauer nur so weit durchbrochen ist, als die Bettgestelle reichen, die sich gegenüber stehen, und des tages durch eine Feder, wenn die Betten gemacht werden, eine von dünnen Brettern und mit Tapeten überzogne Wand sich dazwischen setzt und wir jedes in unsern Zimmern allein sind. – – So hat er auch ein Cramoisin und Weisses für meinen Oheim gemacht und ein mit lauter Gemälden im Grossen, von London, Paris und Neapel, nebst neumodischen Stühlen geputzt. Alles Weisszeug, alles Hausgerät fand ich fertig.

Zwei und achtzigster Brief

Cleberg an seinen Freund.

Nun, mein H**, zürnen Sie nicht zu arg, über mein Schweigen. Denn einmal konnte ich Ihnen den Ausgang der traurigen Begebenheit des edlen W** nicht früher schreiben, weil ich sie erst jetzt selbst hörte; – und dann hab ich eine evangelische Entschuldigung für meinen unterbrochnen Briefwechsel. Denn ich habe ein Weib genommen, und komme nur erst von einer romantischen Reise zurück, die ich mit meiner Rosalia machen musste. – "Musste! sagen Sie! der tapfre Cleberg, der so lang an einem Amt wählte, bis er eins erhielt, wo er ohne nahes Oberhaupt, und ohne jemand an seiner Seite zu haben, nach seinem Kopf handeln kann; – Cleberg! der niemals Romane lesen, noch einen spielen wollte, – macht eine romantische Reise, – weil er seiner Frau gehorchen muss!" –– Und nun lachen Sie mit Freund Antua aus vollem Herzen über mich; – das gönn ich Ihnen, sonst hätt ich ja meine Reise anders erzählen können. Aber es dünkt mich in der Tat selbst lächerlich, dass ich mit der Eile nach dem Aufentalt meiner Romanheldinn zog, wie man sie nach dem gemeinen Ton nennen würde; – Dass ich mir so wohl in ihrer Gesellschaft gefiel und mit eben so grosser Mühe mich von ihr losriss, als von Ihnen und Antua. – Aber ich muss etwas weiter nachholen, um Ihnen meine jähe