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Er reichte mir seine hände zitternd, und äusserst bewegt, sagte ich es, seine hände haltend und an ihm hinauf sehend. –– Er fasste mich in seine arme und eben so bewegt, wie ich, sagte er:

"Nun, Rosalia! so gib heute Clebergen Deine Hand. – Er ist Oberamtmann hier. – Er ist es, der alle das Gute hier veranstaltete." ––

Ich sank auf den Stuhl. –– "O, mein Onkel!" – war Alles, was ich sagen konnte; und den Augenblick, war Cleberg bei uns, zu meinen Füssen. "Rosalia! meine teure Rosalia! fassen Sie sich. – Es soll nichts, nichts geschehen, als was Sie selbst wünschen." ––

Frau G** und mein Oheim setzten sich eine Zeitlang in den Garten. Was konnte ich tun? – Einwilligen! – meines Oheims Segen und Tränen über uns fliessen sehen, und in der Kirche des Dorfs, mit den vier ausgestatteten jungen Bäurinnen und Taglöhnerbräuten getraut werden. ––

Die Freude der guten Leute, ihre Glückwünsche für uns, dass wir in der nehmlichen Kirche, im nehmlichen Augenblick, die nehmlichen Pflichten gelobten, und von Gott auch nur die nehmliche Segenssprüche hörten, – das freute sie unendlich. Dieser Gedanke unterstützte mich und die Freude meines Oheims auch; sonst weiss ich nicht, wie ich es ausgedauert hätte. Wir zogen mit den andern verbeirateten jungen Leuten aus der Kirche. Cleberg führte mich voraus, die Andern folgten uns.

"Sie haben mir doch die Ueberraschung vergeben? Sie war nicht mein Werk. – Unser gute Oheim wollt es." – Ich schwieg. – Er fuhr fort: "Liebenswürdige Rosalia! vergeben Sie es um der redlichen Glückwünsche willen, die wir erhielten." – Ich versicherte ihn meiner Zufriedenheit und ging mit an die Scheune, wo das Essen und Trinken ausgeteilt wurde und die Dorfmädchen den Bräuten eine schön gemahlte Kunkel zum Geschenk brachten, wovon der Rocken mit einer grossen Menge Flachs umwickelt, und mit Kinderhäubchen, Breipfännchen und Kinderklappern behängt war. – – Die Weiber und grossen Mädchen zusammen, brachten auch mir eine, eben so, aber mit dem feinsten Flachs beladen, mit einem schönen Wiegenband umwickelt, an welchem ein Breitopf, und ein Kinder-Waschnapf von Silber, eine Windel mit seinen Spitzen und Häubchen und Hemdchen angeheftet waren. – Das hatte auch mein Onkel verordnet. – Ich setzte mich und spann ein Paar Fäden. – Was diese Kleinigkeit den Leuten für Spass machte, und wie sie mir zuguckten! Dann brachten die jüngern Mädchen einen Topf Milch, einen Korb mit Hühnern, einen mit Eiern und einen grossen Topf Butter; stellten alles vor mich hin, und saugen ein Liedchen, wie die älteren eins bei der Kunkel gesungen hatten. Die Männer führten, nach dem Gebrauch, dem Oberamtmann einen Zug Ochsen mit dem Joch herbei. Die jungen Leute und Knaben, ein Kuhkälbchen und zwei Schaafe. Diese waren mit Bändern gezieret und der Schulteis sagte einen Spruch dabei. – Ich bot allen Weibern und Mädchen die Hand, dankte ihnen und gab jeder ein Geschenk an Geld, das ich in einem Körbchen auf einen Stuhl neben mir hatte. –– Cleberg machte es bei den Männern so, dass sie Alles wieder zurück und noch Ueberschuss über ihre Auslagen bekamen. – Sie luden mich zum Tanz, den ich mir verbat! ausser dem kurzen Reihentanz, der um die Kunkel gehüpft wird; weil es meinem Oheim selbst gelüstete, mit mir und den vier Bräuten herum zu springen. ––

Sie sehen, Mariane, dass es nicht möglich war, zu mir selbst zu kommen. Wir gingen ins Pfarrhaus zurück, wo wir in einem artig ausgemalten Zimmer ein feines und schmackhaftes Abendbrod fanden, wovon ich aber wenig essen konnte, weil die Gedanken von der so jähen Aenderung meines Standes, und all die Bewegungen meines Gemüts, die schon bei dem Frühstück angefangen hatten, mir Kopf, Herz und Magen genugsam anfüllten. – Mein Oheim war nicht gleich mit uns in das Zimmer gegangen und ich lehnte mich an ein Fenster, das in den Pfarrgarten, und auf das Feld ging, aber nicht auf den Platz der Scheune, sondern auf eine ganz einsame Strecke Landes. – Cleberg war bei mir. Da er aber sah, dass ich nur tiefsinnig vor mich hin, und dann mit Seufzen in die Ferne blickte, ihn nicht ansah, nicht aufsuchte: so machte er mit der Hand gegen Frau G**, und die Andern ein Zeichen, dass sie weggehn möchten; – und so bald wir allein waren, fiel er vor mir auf seine Knie. –

"Ach, Rosalia! mein Glück ist nicht das Ihrige! – Ich sehe, ich fühl es. – Gehorsam für Ihren Oheim, gefälligkeit allein hat Sie an den Altar geführt. Ich hatte wohl Vorbedeutung, dass Ihre feine Empfindsamkeit beleidigt sein würde. – Was soll ich tun? – liebe angebetete Rosalia! was kann ich tunum Sie zu versöhnen, und zu beruhigen?" ––

"stehen Sie auf, mein teurer, angetrauter Freund! – stehen Sie auf und glauben Sie, dass ich gewiss bei meinem Bündniss mit Ihnen mich eben so glücklich achte, als ich mich bemühen werde, Sie mit mir zufrieden zu sehen. – Es ist nicht Kälte, lieber Cleberg! nur etwas Müde, von so verschiedenen, sich so schnell folgenden Gefühlen. Sie sind von allen Männern,