und die Hausmagd des fräulein von Essen, waren auch da und arbeiteten fleissig mir. Ich sah mich von Freude, Unschuld und Fleiss umgeben, und ein Frauenzimmer, nicht viel älter als ich, hatte dieses hervorgebracht! Herr M** K** überliess mich meinen Betrachtungen und sprach mit dem Einen und Andern der Kinder; indem schlug es Acht, und das fräulein kam mit ihrer Köchinn, die einen Korb voll Brod und Birnen hatte, in die stube. Ihre Gestalt machte mich staunen, und mein Anblick goss eine leichte Röte über ihr blasses, aber sehr edel gebildetes Gesicht. Herr M** K** sagte ihr: "Hier, mein fräulein, ist Rosalia L**, die so begierig war, unsere Schule und die Stifterinn davon zu sehen." Diese Begierde habe ich Ihnen, mein Herr Pfarrer, zu danken, weil Sie so vorteilhaft von mir und meinen Kindern redeten. – Dieses, meine Mariane, sagte ein schöner Mund, mit dem rührendsten Ton der stimme. Stellen Sie sich dabei ein Frauenzimmer vor, etwas grösser und schmächtiger, als ich; ein länglich Gesicht; eine hübsche griechische Stirne; grosse dunkelblaue Augen; vortrefliche Augbraunen; die schönste Leibesgestalt; einen edlen gang, und Bewegung des Kopfs und der arme; alles mit einem Gemische von Schwermut und Güte durchdrungen! Denken Sie sich mein Herz, und was ich von ihrer geschichte wusste: so sehen Sie gewiss Ihre Rosalia mit der Träne der feinsten Empfindung gegen das fräulein von Essen treten und halb stammelnd sagen: "O, möchten Sie wissen, wie sehr ich Ihnen für die erlaubnis danke, diese stube und Sie zu sehen!" Sie blickte mich mit sichtbarer Bewegung an, nahm eine meiner hände, die sie sanft drückte, legte ihr Gesicht an das meine, und dann sagte sie zu Hrn M** K** auf Englisch: "Ach, diese Tränen der edlen Zärtlichkeit fallen auf mein Grab!" – Gott wird es verhüten, sagte ich schnell, indem ich sie an meine Brust drückte. Sie lichtete sich mit halbem Lächeln auf und sagte ganz gesetzt: "Diese hoffnung kommt zu spät." Herr M** K** war still, ich auch, und alle aufmerksam. Sie beobachtete es, und wandte sich gegen ihre Magd, indem sie daneben zu mir sagte: "Vergeben Sie! Aber meine guten Kinder arbeiten schon seit sechs Uhr. Sie müssen ihr Frühstück haben; nach diesem aber nehmen Sie und der Herr Pfarrer eines in meinem Zimmer an." Da ging sie und teilte das Brod und die Birnen aus; besah das Garn; gab jedem kind die Hand; fragte das Eine nach der kranken Mutter, das Andre nach dem alten Grossvater u.s.w. – Ich wunderte mich über den schnellen Schritt, mit welchem sie von dem rührenden Auftritt unsrer Umarmung, zu dem Grad Heiterkeit überging, mit welcher sie das Frühstück austeilte. Herr M** K** sagte mir nachher, wenn ich oft um sie wäre, so würde ich diese Uebergänge des Aufopferns ihrer Selbst vielfach bemerken. Indem sagte das fräulein den Kindern sehr liebreich: "Nun geh' ich mit dem Herrn Pfarrer zu reden, aber Mittags esse ich mit euch!" – wandte sich und gab mir mit vielem Anstand die Hand, und führte mich über den Torweg, an der andern Seite in ihre wohnung. Bei dem Eintritt in ihr Vorzimmer musste der Anblick der sonderbaren Zierlichkeit einen Eindruck auf mich machen; Herr M** K** sagte mir auch, es wäre etwas Stutzendes, und dabei sehr Vergnügtes über mein Gesicht gegangen. Ich sah das fräulein bei dem Fortgehen ins Wohnzimmer stillschweigend an, und sie machte gleich darauf eine Bewegung mit der Hand gegen Herrn M** K** und mich, indem sie auf die Stühle wies, und ging mit etwas wankendem Schritt in ein Cabinet. Das Vorzimmer ist Meergrün und weiss; das Wohnzimmer aber Cramoisi und weiss laquirt, weil alle Wände mit sehr schöner, aber simpler Holzarbeit gemacht sind. Hohe Zimmer; die Fenster bis auf den Boden. Anstatt der Brustmauer ein schön eisernes Gitter, so, dass man die freie Aussicht auf Feld und Garten hat. Von Aussen sind auf die nemliche Brustöhe Läden, die mit der Mauerfarbe übermahlt sind, und im Winter und bei übler Witterung zugehalten werden. Alle Schränke sind im Täfelwerk, so, dass die äusserste Ruhe und Einfalt in allem herrscht. Sie blieb lange weg, ohne dass indessen Herr M** K**, oder ich, redeten. Endlich brachte ihr Aufwartemädchen den Caffeetisch, und das fräulein folgte. Ihre Augen schienen tränend. Sie schenkte uns eine Tasse ein und sagte: "Ich bin lange weggeblieben, aber mir war nicht ganz wohl, indem mir eine gewisse Art Freude so fremd geworden ist, dass ich sie nicht mehr zu tragen weiss." Bei diesen Worten sah sie mich mit einem schmerzhaften Lächeln an, und ich erwiderte: Es würde mir sehr leid sein, wenn das Vergnügen, so ich über ihre Bekanntschaft empfände, ihr auf irgend eine Art schädlich sein sollte. "Nein, nicht schädlich! Es wird nur zu einer angenehmen Abkürzung meines Weges!" Ehe ich, oder der Herr Pfarrer, etwas darauf antworten konnten, sagte sie zu diesem: "Sie wissen, dass ich freimütig bin, und Ihnen, nach allem, was Sie mir von Rosaliens Charakter sagten, gern erlaubte, auch ihr ein Gemählde von mir zu machen. Ich fühlte eine innige Zufriedenheit, noch vor meinem Hingang eine person