"Ich bedanke mich," – sagt ich. – "Aber da er so schön ist, hat er gewiss auch schon einen Schatz." ––
"Höre Sie, man hat gesagt, mit des Herrn Pfarrers Gästen, käm sie mit – und deswegen sind wir Brautleute voraus geritten. Es tut aber nichts. –– Sie ist auch ein recht artigs Jungferchen, Ihre Tochter" – sagte er zu meinen Oheim, "es reut uns nicht." – –
"Ihr sollt auch eine Aussteuer für Eure vier Brautleute von mir haben," sagte mein Oheim.
"Nun, – man sagt, mit Verlaub," da bückte er sich gegen uns – "ein Narr macht zehen. – Aber da macht unser guter, neuer Oberamtmann, noch ein guten Mann, – und das ist mehr wert. Juhe! – auf Wiedersehen!" – rief er; schwung seinen Hut – und jagte voraus; kam aber noch einmal zurück und rief uns zu einen Platz anzusehen, der würde des Oberamtmanns Garten. – "Ich bin der Sohn vom Bauernhof daneben, und er will mir die neue Sachen lehren, wo alles doppelt wächst. Da baut er ein Haus hin, und sehen Sie, von dem Platz da, kann er in die Stadt und unser Dorf sehen." ––
Es ist wahr, was er sagte. – Aber nun waren wir wirklich im Dorf – Alle junge Mädchen und Buben, sauber gekleidet, hüpften herum, streuten Gras und wilde Blumen gegen uns. Alles war reinlich, aber doch ganz ländlich, und alle Gesichter freudig. – Wir fuhren an den Pfarrhof, Auf diesem waren alle Mauern geweisst und unten mit einer Einfassung bemahlt; oben an der Mauer, wie auch am haus und Fenstern lauter breite, blaue Gewinde gemahlt, welches in der Tat recht schön stand. – Der Pfarrer und seine Schwester kamen unter die Hauslbüte, freuten sich über Frau G**, stutzten anfangs über uns, waren aber sehr höflich und führten uns in ihr Wohnzimmer, das sehr hübsch ausgeputzt war. – Frau G** fragte da ob es wahr sei, dass sie heute ein fest über ihren Oberamtmann hätten, wie der Kerl sagte? Der Pfarrer beantwortete es mit Ja, und vielen Lobsprüchen und Erzählungen all der gütigen und menschenfreundlichen Sachen, die der junge Mann seit vierzehn Tagen getan. – "Sein Amtaus ist nicht gebaut und er wohnt in meinem obern Stock; daher konnte ich Sie nicht hinauf führen." – Die Schwester erzählte auch eine Menge artige Sachen; besonders dass er vier Paar junge Leute ausgestattet und alle arme gekleidet hätte. – Mein Oheim hatte Tränen in den Augen – "und mich erquickt das Lob, so ich von einem Mann machen höre, der gewiss eine edle Seele haben muss." sagte ich, mit eben so viel Bewegung wie mein Onkel.
"Ich bin froh, Rosalia, dass Kahn nicht zu haus war; wir hätten sonst den schönen Nachmittag nicht genossen und es ist doch süss, einen schätzbaren Menschen mehr zu kennen." ––
"Gewiss, mein lieber Oheim, dieser Mann muss rechtschaffen sein, weil er, beim Antritt seines Amtes, doch wenigstens die Herzen seiner Untergebnen mit Freude und Zufriedenheit zu erfüllen sucht."
Ich sah meinen Oheim voll Freude über diese meine Erklärung. Er ging nachdem von mir, blieb eine Zeitlang weg und indessen wurde mir noch immer von dem vortreflichen Beamten vorgeredt. Ich segnete ihn herzlich, und als der Pfarrer sagte, er wünsche, dass wir ihn kennen lernten: so versicherte ich, dass es mich freuen würde.
Nun kam mein Oheim zurück und winkte mir an der Tür. – Ich eilte zu ihm, und er führte mich an der Hand in des Pfarrers Garten, der auch gar artig aufgeräumt war. –
"Ich habe den Beamten gesprochen, sagte er, er ist ein lieber junger Mann." – –
"Das muss sein, wenn Alles, was der Pfarrer mir noch sagte, wahr ist." – Wir waren da am Gartenhause, wo wir hinein gingen, weil man die Zehendscheune sehen konnte. Die war ringsum mit Garben und Fichtenreisig, in Kränzen mit Bändern gebunden, verziert; – grosse, lange Tische standen auf beiden Seiten gedeckt, und Bänke umher! – Wein- und Bierfässer, Körbe mit Brod und Kuchen. – Inwendig war die Scheune auch bis an die Balken aufgeputzt und schön mit Laternen behängt. Ein fröhliges Gewühl von Leuten dabei, das mich sehr rührte. ––
"Du hast also die guten Landleute noch lieb?" ––
"O, mein Oheim, das wissen Sie, wie sehr ich immer ihr Wohl und Weh empfand, wenn wir reisten." ––
"Nun werden wir nicht mehr viel reisen, mein Kind! Aber das Andenken der Freude, die Dein Kopf und Herz mir die drei Jahre hindurch machte, wird immer in mir bleiben, bis ich meine letzte Reise machen werde." ––
"Lieber Oheim, warum kommen Sie bei dem Anblick so fröhlicher Menschen auf diese traurige idee?" ––
"Rosalia! wilst Du sie mit nehmen? – Wilst Du mir den Tag so glücklich machen, als ich es wünsche, und als er für alle gute Menschen hier ist? Sag, liebe Rosalia, – wilst Du es tun?" ––
"Können Sie das fragen? – Teurer Oheim, sagen Sie! was kann ich tun?"