sich; sie aber nahm es an. – Ich wollte mich umkleiden, es wurde nicht erlaubt und wir fuhren in einem schönen neuen Wagen mit vier Postpferden nach Kahnberg. Ein Stück weges davon hielten wir stell. Der Bediente fragte an; aber sie waren nicht zu haus. ––
Frau G** sagte da meinen Oheim bittend. "O, wir wollen nicht den nehmlichen Weg zurück. Fahren Sie doch über Langensee; dann kommen wir bei dem Seetor in die Stadt zurück, welches ohnehin näher an meinem Haus ist; und heute ist Kirchweihe da. Wir sehen also vielleicht auch im Vorbeifahren einen Bauertanz." – –
"Nun ja," – sagte ich, – "ich hab auch einen Kirchweihrock an" – –
"Ich bin es recht sehr zufrieden," antwortete mein Oheim. "kennen Sie jemand da, Frau G**? oder hat der Ort eine gute Schenke?" – –
"Das weiss ich nicht. – Aber der Pfarrer, ist ein sehr rechtschafner Mann; der hat seine Schwester bei sich, die eine meiner liebsten Jugendfreundinn war. –– Wenn Sie ein wenig ausruhen wollten, würde es die Leute und mich unendlich freuen." –
"Aber, liebe Frau G**," fiel ich ein, – "auf Kirchweihtagen sind immer eine Menge Besuche bei den Pfarrherren. – "Wollen wir dennoch hin? Ich bekenne, es freuet mich nicht sehr." – "Aber, wenn es Ihnen, mein lieber Oheim, angenehm ist, so wissen Sie schon, dass Ihr Vergnügen immer das meinige in sich schliesst." ––
"Ich wünsche, Rosalia, dass Du in der Tat die Sache heute so nehmen mögest. Dein Herz ist ja immer so bereit gewesen, Freude zu geben, wo du konntest, und Anteil an dem Vergnügen Andrer zu nehmen. Was ist es, wenn wir auch Leute antreffen, so sind es gewiss lauter fröliche Gesichter und ich liebe die sehr." ––
"Lieber, lieber Oheim! ich will auch so sein, wie Sie mich am liebsten haben. – Liebe Frau G**, führen Sie uns zu Ihrer Freundinn." ––
Nun wurde dem Postillion befohlen, stark zu zufahren. – Eine Viertelstunde vor dem Dorf, kam ein wohlgekleideter Mensch in vollem Galop geritten und fragte, ob wir des Herrn Pfarrers Gäste wären? Frau G** sagte lächelnd. "Das weiss ich nicht. Aber, wenn er noch Gäste braucht, so wollen wir kommen." ––
Der Mensch ritt wieder davon, und einem Wäldchen zu. – Als wir näher kamen und das Dorf recht sehen konnten, kamen aus dem Wäldchen bei zwanzig Bauern geritten, die alle hübsch geputzte Mädchen hinter sich sitzen hatten. Die Hüte der jungen Pursche, die Haarzöpfe der Mädchen, die Mähnen und Schweife der Pferde, alles war mit allerlei Bändern verziert und eingeflochten und sie zogen ganz stattlich vor uns her. In dem Dorf wurde Musik gemacht, und von den Bauern auch dazwischen geschossen. Ich fing an mich wegen der Pferde zu fürchten. Aber er wurde still; nur die Musik dauerte fort.
Mein Oheim winkte dem Menschen, der uns vorher angeredt hatte, und die reitende Bauern mit ihren Mädchen zu comandiren schien. – Er fragte ihn, was denn ihr Aufzug bedeute?
"Ei, hat Ihnen denn der Herr Pfarrer nichts geschrieben?" –– "Nein, mein Freund. Ihr habt euch auch an uns geirrt, denn wir sind keine eingeladne Gäste des Herrn Pfarrers." ––
"Das tut nichts, sagte der Kerl. Ich nehm heute, nach der Bibel, Alles auf der Landstrasse mit zum Hochzeitmahl." ––
"Ihr seid gewaltig lustig, sagte Frau G**. Was ist bei euch zu tun?" ––
"Zu tun? Recht viel! – Da sehen Sie, forn bei uns sind vier Bräute, die werden heute alle copulirt. Wir haben unsern neuen Oberamtmann bekommen und der stattet sie alle aus und gibt dem ganzen Dorf, alt und jung, reich und arm, zu tanzen, zu essen und zu trinken." ––
"Das ist brav, sagte Frau G**. Aber eure armen Leute werden doch nicht viel tanzen; das ist nur für euch lustige Reiche." –
"Was, die Armen? – Die werden besser tanzen als ich; denn die haben am meisten von ihm bekommen, und wer des Guten nicht gewohnt ist, dem schmeckt es besser, als dem, der alleweil vollauf hat." ––
"Also hat er den Armen auch gegeben? – Das ist viel, von einem Oberamtmann. Die machen sonst die Reichen arm." ––
"O, der gewiss nicht, wenn er so bleibt. Er ist schön, und redt so gut, und so, wie Bauern, wenn sie redlich sind, und schafft auch Recht. Er hat da die Woche über in Pfarrhof helfen weissen und mahlen und ist auch den Morgen noch in die grosse Zehndscheure gegangen, ob alles recht gemacht sei? denn dort tanzen wir heute Nacht." –– Da sah er mir steif in das Gesicht. – –
"Jungfer! hat Sie schon einen Schatz?" –
"Ja, guter Freund! Warum fragt ihr? Möchtet Ihr sie haben," –– sagte Frau G**.
"Ei behüte Gott! – so eine schöne Stadtjungfer ist nicht für Bauern. – Aber für unsern Herrn Oberamtmann wär es was." –