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Mariane S**.

Glücklich bin ich mit meinem treuen Oheim zurück gekommen und nun hören Sie, warum er mich so lange bei Ihnen gelassen, und noch sonst spazieren geführt hat. Das Erste um vieles von seinen Geschäften auf einige Zeit zu besorgen und das Zweite, um Clebergs Ankunft in der Gegend meines künftigen Wohnsitzes zu erwarten. Er ist schon seit acht Tagen auf dem land, nur eine Stunde von hier, und hatte unsre Rückkunft verbeten, bis er die Zimmer in unserm haus, welche er sich nach, seinem Geschmack anordnen wolte, durch dem Tapezirer, den er als Bedienten mit gebracht, fertig gemacht haben würde. Und auf die Anzeige, dass er nur noch uns erwarte, reiste mein Oheim ab. – Abends kamen wir hier an, und speisten bei Frau G** zu Nacht, die mit ihrem Mann ausserordentlich vergnügt über unsre Rückkunft schienen. Otte und seine Julie zeigten den nehmlichen Grad ausserordentlicher Freude. – Ich schlief sehr zufrieden über die Liebe dieser zwei Familien ein, und träumte gewiss nicht von Cleberg, und seinem Aufzug, als hier angestelten Residenten des Hofes von N**; noch weniger aber dachte ich an die Eile mit welcher mein Oheim dieses und alles Uebrige veranstaltete. Ich stand in Wahrheit sehr wohl und gesund auf. Mein Oheim freute sich bei dem Frühstück darüber mit Herrn und Frau G** Diese fragte mich, ob ich nicht etwas Neues von Kleidungsstücken mitgebracht hätte? ––

"Warum fragen Sie mich denn, bei alle den Männern?" sagte ich; denn Otte war auch in seinem Frack bei uns. – "Sehen Sie, wie Alle lächeln, dass so gar die erfahrne und weise Frau G** sich nicht entalten kann, der Göttinn Tändelei ein Opfer ihres Verstandes zu machen, und, anstatt nach neuen, guten Menschen und Sachen zu fragen, nur gleich nach Kleiderzeug begierig ist." ––

"Hätt ich gewusst, erwiderte sie, dass eine so ernstafte Anmerkung über mich das Erste wäre, so Sie auspacken würden: so hätte ich mit meiner Frage zurückgehalten. Indessen will ich den lieben Onkel da fragen, ob Rosalia nicht etwas Artiges von ihm geschenkt bekam? – –

Ich glaube, es muss artig sein; denn Rosalia hat es selbst ausgewählt und sie soll ihre Freundinn auch für die spitzige Note, über Ihre unschuldige Neugierde, schadlos haltenund sich darin putzen; damit Sie und Julie gleich sehen können, ob es ihr gut steht und die Form artig ist." ––

"Aber, lieber Onkel, es ist zu kostbar im haus, und ich mache heute noch keine Besuche." ––

"Das will ich auch nicht. Aber eine kleine Galla kannst Du ja unsern Freunden und uns selbst, über unsre Rückkunft, machen." –

Ich sah ihn noch einmal mit einem kleinen lächelnden Kopfschütteln an. Er klopfte mir freundlich auf die Backe. "Tu es, Liebe, und mache mir Ehre für mein Geld!" –

Da sah ich, dass es ihm Ernst war, und ich versprach es; – zog auch in der Tat das weisse, von schön gemuschtem Seidenzeug, auf die Taille passende, und sehr reich garnirte Kleid an, wie auch die übrigen Stücke, so dazu gehörten, und ging um elf Uhr in sein Zimmer. –– "Sind Sie zufrieden, lieber Oheim, dass ich so schön bin?" ––

"Ja, Liebe!" sagte er, – "Du bist wahrhaftig schön, wie eine Braut. Du musst einmal auf Deinen Trauungstag so gekleidet sein!" ––

"Das will ich auch, weil es in England, das ich liebe, so gebräuchlich ist." ––

"Käme nur heute Dein Cleberg!" ––

"O, nein! das will ich nicht, mein Oheim. – Der Rock soll in Jahr und Tag noch schön genug zum Brautrock sein." –

"Wenn aber deine Gesichtsfarbe nicht so heiter wäre, wie heute, so verdrösse wichs. Denn Du siehst recht gut aus. Cleberg würde in Dich verliebt, wenn er es noch nicht wäre." ––

"Lieber Oheim, warum plagen Sie mich heute so viel mit meiner armen Figur?" –

"Arm, Rosalia! – Du bist heute wahrlich nicht arm, glaube mir." ––

Sein Bedienter kam, ihm zu sagen, dass es halb zwölfe sei. Da wünschte er mir guten Morgen auf Wiedersehen; wie er immer zu hnn pflegt, wenn er mich wegschicken will. Ich ging in mein Zimmer zurück, wohin Madame G** und Julie in kurzer Zeit nachkamen, weil sie mein Oheim, wie sie mir erzählten, zu mir gebeten habe. Sie lobten mein Kleid und mich wieder, eben wie mein Oheim. ––

"Kinder Gottes! sagte ich, lassen Sie es mit diesem Ton genug sein. Ich bin fürwahr meiner selbst herzlich müde. Es dünkt mich, ich müsse einmal mit meiner Kleidung und person etwas sehr tadelhaftes hier getan haben, well ich den ersten Tag meiner Rückkunft so sehr damit gestraft werde. – Sagen Sie mir meinen Fehler, liebe Julie; ich will mich gewiss bessern." ––

Sie versicherten mich, dass es gar keine Spötterei sei, sondern dass sie nur meinem guten Oheim in seinem unschuldigen Scherz beigestimmt hätten. Wir assen zu Mittage recht munter, aber etwas geschwind, denn wir wollten zu Kahnberg einen Besuch machen, sagte mein Oheim. Herr und Frau G** begleiten uns. – Herr G** entschuldigte