hinauf steigt; – Bänke von Moos an dem grossen Weg hin, von allerlei Gesträuch beschattet; tausendfache Grasarten und Blümchen daneben; Erdbeeren, die dazwischen herausgucken und die sie bei gemächlichen Dasitzen pflücken können! Ich segnete die würdige Dame bei jedem Schritt, dass sie der natur so wenig Gewalt angetan hatte – und alle diese unzähligen Gras- und Straucharten auf ihrem ursprünglichen Boden fort wachsen lässt. – Unmerklich kommt man höher und findet Rosenlauben, Gebüsch, einzeln hohe Bäume, die gegen den Abhang des Bergs stehen und ihre Zweige über den Weg hin wölben. Wenn man auf der Höhe ist, so tritt man auf einen hübschen Raum mit Bänken besetzt. Dort nahm die ganze Gesellschaft Platz und ergötzte sich an der Aussicht, über den Fluss, wo Berge mit Wäldern, die kleine Stadt, und der schönste Wiesengrund ist. Ich sass gerade gegen den Weg hin, und genoss also am ersten den artigen Anblick; da unter dem grünen gang her fünf sehr reinlich gekleidete Mägde mit weissen Schürzen, schöne weisse Körbe auf dem Kopf, aus denen oben Blumensträusse heraus sahen, eine nach der Andern herauf kamen und uns vorbei gingen. – Wir, eine Reihe auf verschiedene Art hübsch gekleidetes Frauenzimmer, auf einem so ländlichen Platz; der Auftritt dieser Mägde aus dem Laubgewölbe und dann das liebliche Staunen von uns allen, da wir aufgerufen wurden, an der Felsenwand hinüber zu gehen und dort einen schönen Rasenplatz, mit niedrigen Hecken und Bäumen auf beiden Seiten, und in der Mitte davon einen, auf die niedlichste Art gedeckten Tisch antrafen, eine neue Aussicht auf die linke Seite des Bergs gegen das einsame Tal hin hatten, und von der andern den Fluss, und die Ergiessung eines Bachs in ihn, der durch dieses Tal herunter kommt. Wir gingen hier zerstreut spazieren und vergnügten uns an all den einfachen und schönen Abwechslungen An den Ruinen des Stammhauses sind Rosenstöcke gepflanzt –– darüber sagte ein Geistvoller Mann: – – "Es dünke ihn, den Grabhügel eines alten edlen von Deutschland durch würdige Enkel mit Blumen bestreut zu sehen." ––
Reizend schien mir das seltene Talent einer jungen, liebenswürdigen Dame von Hannover, die alle Kräuter, welche unter den Füssen, oder vor ihren Augen waren, nach ihren Namen und Tugenden kannte, bald dieses, bald jenes pflückte und zwischen jedem ihrer artigen Finger ein ander Blümchen oder Blätchen hielt, die sie mit viel Anmut hin und her wand und die, wovon sie etwas zweifelte, mit gleichem Vertrauen auf ihre Kenntniss und auf die Güte der natur zerkaute und dann auf Latein und Deutsch die Namen sagte. Es waren einige fremde Herrn und zwei Söhne des Hauses da. Die Dame hatte das Abendessen in einer, in dem alten Schloss zurecht gemachten Küche, zubereiten lassen. Aber die Bedienten zu ihrer gesetzten Zeit nach haus zu Tische geschickt. – Diese blieben etwas lang aus. Die feine Sorgfalt dieser an alles denkenden Frau für einen sehr ehrwürdigen, bejahrten Cavalier, dem die zu späte Abendluft schaden konnte, machte sie unruhig wegen des verzögerten Auftragens der speisen und sie fasste eine allerliebste idee, dem Hausmeister zu sagen, er möchte so viel Servietten aus dem Tischkorb nehmen und der Küche zutragen. – Dann winkte sie den jüngern Herrn mit einem freundlichen und bedeutenden blick, ihr zu folgen, und auf einmal kamen alle in einer Reihe nach ihr, und trugen mit einer vergnügten und höchst anständigen Mine, die Schüsseln auf den Tisch, ruckten den Frauenzimmern die Stühle und blickten nach der Dame, um weitere Befehle zu erhalten. Sie dankte ihnen mit einer Verbeugung, weiss ihnen auf die Plätze umher, die unbesetzt neben dem Frauenzimmer waren, und sagte, sie möchten nun die Mahlzeit mit geniessen, die sie aufgetragen hätten. Dieser Gedanke, uns durch diese artigen Leute das Essen zu schaffen, beseelte die Unterredung auf lange Zeit. Die Lichter wurden unter Glaskolben aufgesetzt, und der Ton einer Flöte machte ein völliges Schweigen, da gleich auch ein Harfe mit einstimmte. – Diese sanfte Musik, zwischen dem dumpfen Rauschen des Flusses; das ganz Dunkle der Berge umher; die nach und nach erscheinenden Sterne über uns; das schwache Flimmen der Lichter in den Häusern des Städchens; lebhafte, aber sanfte Freude in allen Gesichtern, und diese Familie, diese einnehmende Familie! – O, meine liebe van Guden! was war das für ein herrlicher Abend für mich! – Ich dachte Sie; Ihre so gefühlvolle Seele würde entzückt gewesen sein. – Sie denken wohl, dass wir Fremde alle in dem Lobe vereinigt waren, das wir der Anlage dieses Lustplatzes gaben. Es freute die würdige Stifterinn davon. Aber sie lenkte auf eine ihr eigne grossmütige Weise, unsre Aufmerksamkeit auf die Erzählung, die sie uns von einer grossen Anlage vieler vortrefflichen Abwechslungen machte, die, nicht weit von hier, von einer verdienstvollen Dame herkäme, wo wir edle Seelen, eine schöne wohnung und die herrlichste Aussicht auf eine deträchtliche Strecke Lands, in welcher der Rhein die fruchtbare Gegend durchfliesst, finden würden. Sie beschrieb einige Teile dieses weitläuftigen Lustwalds, die ungemein schön sein müssen; und wir sind alle fest entschlossen, alles dieses zu sehen. ––
Ich verehrte die Grossmut dieser Frau, da sie unsre Empfindung für das Reizende, so sie uns gezeigt hatte, durch Erhebung der Ideen einer andern Dame, zu schwächen suchte, und uns mit der Begierde, andres Verdienst zu kennen, von sich abreisen liess. –
Ein und achzigster Brief
Rosalia an