denen der Besitzer einen seltnen Gedanken zeigt, nämlich alle Arten von Blumen zerstreut hinein zu pflanzen und hingegen gewöhnliche Wiesenblumen, in Beeten und Töpfen zu ziehen. Es ist in der Tat schön Hyacinten, Tulpen, Nelken mitten im Grase zu sehen, und es reiset seit vier Jahren kein Fremder durch, der nicht deswegen in den Garten kommt und begierig ist –– "den närrischen Menschen zu sehen", sagte der Hausherr, "der die Gärtnerart so umkehrte. – Dann staunen sie, – mich mit gesunder Vernunft reden zu hören und ich freue mich, einer anscheinenden Torheit das Vergnügen zu danken, viele schätzbare Menschen mehr zu kennen und ihnen einen kleinen unschuldigen Spass in dem Weg gelegt zu haben." ––
Die ältere Jungfer Bogen, wie sie sich nennet, bemerkte einen kleinen Streit unter den jungen Frauenzimmern und Herrn. –– Frau G** war auch darein gemengt. – Wir näherten uns, und hörten, dass es über eine abwesende Schönheit sei; – und Mannspersonen fragten, woher es komme, dass Frauenzimmer eine fremde Schöne mehr lobten und besser von ihr sprächen, als von einer, die unter ihnen wohnte? –– "O, Jungfer Bogen!" – riefen die Mädchen: –– "Sie müssen den Knoten auflösen."
"Das ist leicht, meine Kinder. – Es ist die nehmliche Ursache, aus welcher die Männer nur verstorbenen Gelehrten eine Lobrede halten." – Da war Freude bei dem Frauenzimmer und die Männer lächelten auch über den Ausspruch. – Der ganze Nachmittag und Abend ging vergnügt vorüber. –
Die Bogenschen Schwestern wollten niemals mehr, als die Anschaffung eines Tee, Caffee, einer Limonade, oder eines Obstes bei sich erlauben, und sie haben Recht. Bei ihrer einzigen Magd und erlebten Jahren wäre es zu unruhig – "und dann," sagte Carolina Bogen, "verlöhr ich den grössten Wert meines Hauses, worinn junge Leute lernen sollen, oft ohne Essen und Naschen, bloss durch nützliche, muntre gespräche und anständigen Zeitvertreib, einige glückliche Stunden hinzubringen. –– Was anderswo geschieht, geht uns nichts an. – Aber bei uns ändern wir nicht." ––
Es wär auch Jammer und Schade, Mariane, denn die Zeit in diesem Saal geht herrlich vorbei, und die Schwestern sind wir sehr ehrwürdig. – Wenn jemand Trost braucht, Rat, und gelegenheit einen Freund zu finden, eine Aussöhnung zu veranstalten: so geht man zu Bogens. – Söhne und Töchter suchen ihre Vorsprache bei den Eltern. Sie warnen die jungen Leute, machen sie ihre Pflichten lieben und erhalten dabei in ihnen einen vaterländischen Geist und Sitte, das mich etwas sehr Wohltätiges dünkt. Die Mädchen bleiben auch durch sie auf dem Mittelwege der Moden und äffen nicht so gleich alles nach, sondern nur, was ihnen recht wohl steht; – und das ist billig. Denn so lange wir keine Nationaltracht haben, müssen wir wohl den Abänderungen folgen, die in der französischen Kleidung, nicht allein von den Leichtsinn dieser Nation, sondern auch von ihrer politischen Vorsorge für den Fortgang ihrer Fabriken herrührt. – Mode – ist bei ihnen Grundlage des Wohls von vielen Tausenden geworden; Mode – die Triebfeder zu Anstrengung des Geistes in tausendfachen Erfindungen und arbeiten; und noch, mein Schatz, dünkt es mich der Frage wert zu sein, ob man nicht auch das Vergnügen mit berechnen soll, das so viele tausend Menschen haben, nach der Mode gekleidet zu sein. – Kleider müssen wir haben. Wenn wir nun mit dem Bedürfniss Freude verbinden können: warum sollen wir es nicht tun? – –
Sehen Sie, das war ein Stück, so ich zur Unterredung lieferte und man war damit zufrieden. Man tadelte nur die wenige Solidität, welche alle die schönen Modesachen haben. Da kamen die Gedanken, dass artig und gründlich nicht zusammen tauge – Aber artig und leicht, schön und gründlich, – dies Aussuchen und Gegeneinanderhalten des Werts und der Schicklichkeit der Ausdrücke, nahm einen guten teil Zeit hin. – Man sprach noch von der Mahlerei, und die Franzosen wurden auch des Leichtsinns beschuldigt, dass sie die Pastellgemählde so hoch schätzten, die gar keine Dauer hätten. – Der Schade wäre aber auch leicht ersetzt, sagte jemand, und es wäre zu wünschen, dass es noch mehr pastellartige Sachen unter denen gäbe, die aus Bosheit, Eigensinn, Dumheit und Eigenliebe verdorben und zu grund gerichtet würden, damit jedem Uebel durch eine geschickte und leichte Hand bald abgeholfen werden könnte.
"Nein, das wollt ich nicht," sagte die Bogen, "da verlöre das Gute selbst seine natur der Dauer und Gründlichkeit und es fänden sich Leute, die sich Böses und Schaden tun zum täglichen Spielwerk machten; das wäre ja noch ärger als wenn eine heftige leidenschaft uns dazu bringt, dem nächsten zu schaden und ihn zu betrüben; wobei man noch hoffen kann, es werde dem Menschen in seinem Leben nicht mehr widerfahren, so weit zu gehen." – –
"Sie haben Recht," fiel einer von den Männern ein. –– "Ich will lieber Einem verzeihen, der mir in der Wut des Zorns einen Degenstich gibt, als dem, der mich hundertmal mit Lächeln den näckenden Schmerz des Rizens mit einer Nadel fühlen liesse. Der Erste ist ein bessrer Mensch, als der letzte."
"Das ist wahr," – sagte ein Dritter, "denn tausendmal wird Einer, der den Degen gegen seinen nächsten zog und ihn beschädigte, sich hinwerfen