etwas ältliche, unverbeiratete Frauenzimmer waren. Keine Seele hatte mir je von ihnen etwas gesagt, und ich war daher um so viel betroffener, sie zu finden. – Man muss durch einen Hof gehen, eh man in ihr Haus kommt, denn sie wohnen zur Miete bei einem reichen Mann, der fünf Wohnungen umher baute, wovon zwei auf die Hauptstrasse, links und rechts des Tors gehen; zwei in den Hof von jeder Seite der erstern; und dann die von ihm und den drei Frauenzimmern. – Diese scheidet der Eingang in den Garten der sehr schön ist, in welchem der Saal, wo sie ihre Besuche empfangen, die Aussicht und einen gang hat. – Das Zimmer ist sehr artig mit Tapetenstreifen geziert, welche die Grossmutter auf weissem Grund genäht hat. Streifen von gelben Halbdamast, oder Brocadel sind dazwischen gesezt. – Die Stühle, ein grosses Ruhbett und alt geformtes Canape sind von ihrer eignen Arbeit, an welcher die Zweite immerfort ämsig sitzt, aber niemals an einer Unterredung Anteil nimmt, weil sie vor vielen Jahren von einer Melancholie befallen wurde, wovon sie niemals den Grund augab und erst lang immer für sich allein war; endlich aber ihren Schwestern darin nachfolgte, im grossen Zimmer zu sein, weil die Dritte bei dem tod der Eltern noch zu jung und zu hübsch war, um sie allein bei Besuchen zu lassen, wenn die Aelteste, die das Hauswesen besorgt, nicht da sein konnte. – Diese ist von einem äusserst aufgeräumten Geist, dabei voller Mut und Laune. Die Jüngste ist artig, sanft und eine köstliche Vorleserinn; – Alle vortreflich erzogen. – Die Zweite ist am besten gestaltet, bat ein ovales aber sehr blasses Gesicht, worin das schönste schwarze Auge einen langsamen durchdringenden blick, und höchst selten ihr feiner Mund eine Art krankes Lächeln zeigt. – Sie trägt immer Kleider von violet Farbe, ein weisses grosses Halstuch und eine schwarze Kappe und Schürze. Nichts netteres kann man sehen, als ihren Anzug. Neben ihrem Ramen, der seinen Platz in der obern Ecke des Saals am Fenster hat, steht ein kleines Tischgen mit dem Keficht eines Blutfinken, den sie liebt, und ihn manchmal, wenn er eine Zeitlang die Hälfte eines ganz einfachen Liedchens gepfiffen hat, mit trauriger Miene betrachtet, auch heraus nimmt, ihn mit einer rührenden Zärtlichkeit, auf einen ihrer Finger setzt und mit der andern Hand streichelt. Zwei dunkelrote Nelkenstöcke stehen am Fenster, auch von ihr gezogen und gepflegt. Zwischen diesen einer mit Maasslieben; die besorgt sie Abends, wenn es dämmert, mit einem Ausdruck in ihrem Gesicht, den ich nicht beschreiben kann. Aber gewiss, es ist, als ob sie diesen Blumen und dem Vogel alles sagte, was sie Menschen nicht sagen mag, – so voll Bedeutung sind all ihre Züge, ihr Dastehen, die Bewegung ihres Kopfs, der arme und Finger, wenn sie nach den Blätgen sieht, an den Nelken riecht, oder die Erde etwas lockert. Abends, wenn Licht nötig ist, leget sie ihre Wolle und Nähzeug zusammen, deckt ihren Rahmen zu, nimmt den Keficht, macht mit dem besten Anstand eine Verbeugung, und geht durch die tür, die gleich neben ihrem Platz ist, in ihr Schlafzimmer, wo sie lauter ernstafte Bücher list. – So lebt sie schon zwanzig Jahre von ein und vierzigen, die sie alt ist, hatte immer das beste Herz und einst viel Feuer. Sie arbeitet sehr schön und unglaublich viel, da sie durch nichts zerstreut wird und alle Tage wenigstens acht Stunden fleissig näht. Und da sie nun lauter Muster nach heutigem Geschmack nimmt, so verkauft sie es auch sehr gut und sammlet das Geld für sich. Sie zog beinah all meine Aufmerksamkeit auf sich und erinnerte mich an Henrietten von Essen. – Die Aelteste ist etwas klein, und wie man hier sagt, untersetzt; aber lauter Tätigkeit, Güte, Einsicht und Kenntnisse von Sachen und Menschen; sagt immer, was sie denkt und beweist nebst ihrer jüngern Schwester, wie schätzbar unverheiratetes Frauenzimmer für die Gesellschaft werden kann, wenn sie in ihren blühenden Jahren das zeugnis der Tugend und in ihren erlebten Tagen den Ruf der Klugheit und einen angenehmen Umgang haben. – Sie sind nicht reich, haben nach dem Tod ihrer Eltern alles zu Gelde gemacht, und nur die Einrichtung des grossen Saals und das Nötige für die Küche und ihre Schlafzimmer behalten. Eine alte, treue Magd kauft ein, kocht, und isst mit ihnen. eben so wie sie selbst; denn niemals geben sie Andern zu essen. Aber alle Tage findet man bald grosse, bald kleine Gesellschaft bei ihnen. – Ihre Eltern waren rechtschafne Leute deren Bekannte noch den Töchtern Freundschaft fort bewiesen, und ihre Kinder auch zu ihnen führten. – Die jungen Leute, welche da Munterkeit, Güte, und gefälligkeit, – die Eltern aber Vernunft mit wahrer Tugend und Freundschaft antrafen, gewöhnten sich beide hin. – Sie helfen zu der Erziehung; denn oft bitten Väter und Mütter eine von den Schwestern den jungen Leuten diese oder jene Ermahnung zu geben. – Es steht ein Klavier im Saal, – eine Violine und Bassetchen ist auch da. Keine versteht Musik; aber wenn jemand hinkommt, der sich damit unterhalten will so hat er gleich alles. – Oft tanzen und singen Söhne und Töchter, während die Eltern sich mit reden unterhalten, oder im Brettspielen. – Ein kleines Billiard und Volaute sind auch da Wochenschriften, Gedichte, der