– Indessen wurden durch die zwei untern Doppeltüren vier längliche Tische, schon gedeckt und mit speisen besetzt, hereingetragen und neben einander gestellt, so dass in wenigen Minuten eine Tafel für uns alle bereit war und wir uns, so bald die Stühle standen, zum Essen setzten. Otte und Frau G** machten die Hauswirte. – Ich sass zwischen Kahnberg und meinem Oheim. Wir speissten aus einem nicht kostbaren, aber artigen Porcelan, auch weiss und gelb. Alles schien, nun sonderbar. –– Als das Confect kam, brachte man meinem Oheim einen Pokal und er fing die Gesundheit der Eigentümerinn des Hauses an, – Alles trank mit. Wie ich mein Glas wasser ergriff, nahm er meine Hand. –– "Halt, Rosalia! Du darfst erst nach uns trinken." – Ich sah um mich und nach ihm. – "Nun, meine Liebe, trink denn; Du bist die Eigentümerinn. Ich habe das Haus für Dich erkauft. Gott gebe Dir lauter glückliche Tage darinnen und Freunde dabei, wie diese hier!" ––
Sie riefen alle Amen! und Glück! und Freude! – Ich brach in Tränen aus und hielt die Hand meines Oheims. Er küsste mich. "Sag mir nichts Gutes, Mädchen, als dass Du zufrieden bist; sonst erzähle ich unsern Freunden die geschichte der N** und A** – und des Testaments." ––
"O, das tun Sie nicht. – Ich will schweigen. Sie kennen das Herz doch, das durch Ihre Güte gebildet wurde, so wie es durch Sie glücklich gemacht wird." ––
Nun trank mein Oheim die Gesundheit der Frau G**, da sie sich so viele Mühe mit Veranstaltung des Essens gegeben; wie auch des Herrn Otte, mit der Musik. – Julie machte es auch recht schön, mit dem Blenden und Einladen. – Er empfahl mich dann Allen zu ihrer daurenden Freundschaft und man erzählte mir die geschichte des Hauses. Es ist das nehmliche, so mein Oheim gemietet hatte. Aber, seit meiner Krankheit kam es ganz zu Kauf; und da wollte er meine Genesung darin feiern und damit ich es nicht gleich erkennen sollte, wurde ich durch die Seitentür eingeführt. – Der übrige Abend wurde ganz herrlich verlebt. Kahnberg und seine Frau reisten aber um zehn Uhr noch zurück auf ihr Gut; – hingegen Herr C** und seine Frau blieben bei uns. Ich wäre beinah wieder krank geworden, so sehr hatte mich der Auftritt erschüttert. Mein Oheim sagte mir: "Ich habe mein Testament geändert: aber was ich Dir in meinem Leben gebe, must du behalten." ––
Ich durfte nichts sagen und befriedigte mich um so mehr, als ich wusste, dass er selbst eine reiche Erbschaft getan hatte. –– Der Kreis meiner Bekannten vermehrt sich und dieses freut mich nur halb. Ich werde mich auch mit Vertrauen nur an die halten, die mein Haus einweihen hälfen. – Wir redten gestern Abend davon und ich sagte, dass ich neue Freundschaft machen, ansähe, als pflanze man Bäume, unter deren Schatten man einst, in erlebten Tagen, noch ruhige und glückliche Stunden hinzubringen hoffe; und setzte hinzu, ich könnte mir hier eine ganze Allee ziehen. –
"Sehen Sie zu, Rosalia," fiel Frau G** ein, "ob nicht Körner von des Jonas Kürbis darunter sind, die sehr schnell und schön fortkommen, aber auch durch den Wurmstich einer Kleinigkeit zu grund gehen." ––
Man fand dies Gleichniss so treffend und brachte so viel Beweise dafür, dass es uns schauerte und ich endlich sagte: "Ich will keine Allee! – Der Himmel erhalte mir nur den schönen Busch, der heute in meinem Saal um mich blüte; so bin ich glücklich genug." ––
Und das ist wahr. Ich habe Freunde genug; Bekannte werde ich überflüssig bekommen, denn Cleberg will allen Fremden, die von den Orten sind, wo er sich aufhielt, sein Haus und Gesellschaft widmen; wie er mir in F** sagte, dass er allen Familien, wo er Ehre genossen, seine Dienste und gefälligkeit dagegen anbieten würde; –– und aus diesem grund ist mir auch mein artiges Haus recht lieb. ––
Mariane! teure, unschätzbare Freundin! in vierzehn Tagen reise ich mit meinem Oheim nach meiner Vaterstadt und zu Ihnen. Begreifen Sie mein Glück und meine Freude, – zu Ihnen! – Ach, Gott! ich bin zu – zu glücklich. – Aber ich muss ja wieder zurück, und Sie zurücklassen. – So ist des Guten lange nicht so viel, als des Schlimmen. – Indessen mehr Wohl, als ich lange nicht hoffte. –– Adieu. Schicken Sie mir doch, mit dem ersten Postwagen das Pack aller meiner Briefe an Sie. Ich will sie die van Guden, sammt den Ihrigen, während meiner Abwesenheit, lesen lassen. –– Es dünkt mich, dass sie gegen den Winter Zeitvertreib nötig haben wird. –
Neun und siebzigster Brief
Rosalia an Mariane S**.
Ich muss noch einen grossen Brief vor meiner Abreise an Sie schreiben, über einen neuen gesellschaftlichen Zirkel, der mir Glückseligkeit verspricht. Denn für mich, wissen Sie, ist grosse Anzahl Menschen und lärmende Unterhauungen nicht Vergnügen, sondern Last gewesen.
Man sieht mich, seit dem Kauf einest Hauses und der Bestimmung meines Bräutigams, als eingebohrn an; und ich wurde, nach der Gewohnheit dieser Stadt, bei allen benachbarten Familien meines Hauses und meines Standes zum Besuch geführt worunter drei