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lohnen, was Du mich an den Kindern Deiner und meiner feindseligen Verwandten tun machst."

Ich konnte nicht reden; aber tausendmal seine hände küssen und an meine Brust drucken. Er umarmte mich. – "Nun weine nicht mehr und lass mich Dein Gesicht auf immer heiter sehen." ––

Das versprach ich ihm recht gern, und halte auch Wort und er begegnet mir mit doppelter Zärtlichkeit. – Ach, Mariane! Sie, Sie allein unter Vielen, können meine innige Freude und Glück begreifen die ich über den Verlust dieses halben Erbes empfinde. – An Cleberg hab ich darüber nach meinem besten Empfinden geschrieben und rechne auf seine Edelmütigkeit.

drei Wochen nach diesen Blättern. –

Ich war in der Tat lange nicht wohl genug, um diesen Brief zu enden. Deswegen bekamen Sie nur einige Zettelchen durch meinen Oheim; – und hingegen heute wieder neue Nachricht von des teuren Mannes Güte für mich. Er hatte einige Zeit immer etwas mit Madame G** und Otten zu lispeln. Als ich wieder ganz wohl war, sah ich zwei Tage meistens nur Julien um mich. Den letzten Abend bat sie mich, mit ihr zu einer kleinen Musik zu fahren. Ich fragte meinen Oheim, ob er es zufrieden sei? – "Ja, wenn es Recht wäre, ginge ich selbst mit." – Da lief ich in mein Zimmer zurück, es Julien zu sagen. – "Ganz gern," sagte sie. "Der Wagen ist so mit vier Sitzen." – Es war sieben Uhr und also schon dunkel. Wir fuhren in eine enge Strasse, stiegen an einer sehr kleinen Tür aus und kamen durch einen schmalen, aber kurzen gang, an eine Wendeltreppe, wo nur eine person gehen konnte. Und da wir nur Ein Licht vor uns hatten, und für unsre Kleider sorgten, schaute ich weiter nicht viel um mich; – hörte endlich gute Musik. –– Otte kam uns am Ende der Treppe entgegenund zwei Lichter, die ein Kerl trug. Sie lachten sich Alle so geheimnissvoll zu, dass ich nicht wusste, was ich denken sollte und endlich einen Augenblick vermutete, Cleberg sei irgendwo zu einer Ueberraschung bestellt. Endlich gings in ein Zimmer das ganz neu ausgemacht schien, aber völlig leer war. Von da öffnete man eine Doppeltür, in den Saal, wo die Musik war. Ein geräumiges ovales Zimmer auf zwei Seiten einander gegenüber zwei Fenster. In den vier Ecken schöne, weisse Schränke, mit schmalen goldenen Zieraten und darauf schöne weisse Vasen. An jeder Wand neben den Schränken zwei Doppeltüren, und zwischen den zwei Türen eine Reihe schöner Stühle mit gelb und weissen Plüsch; so wie auch die Wandstücke in der gelben Schattirung gemalte chinesische Landschaften vorstellten. In der Mitte des Saals hing ein schöner Kronleuchter; an den Fensterpfeilern grosse Spiegel, und Marmortische darunter. – Dies war alles recht sehr schön und gefiel mir, noch mehr aber der artige Gedanke eines jungen Manns von rechtschaffenem Charakter und erfinderischen Kopf, der als Seeretair bei einem edlen haus in der Nachbarschaft siehtund erst zu Verschönerung der Zimmer seines Grafen, dann auch zum Vorteil des armen Töpfers, einen ganz neuen Ofen erdachte, der zuerst in dem Speisezimmer erschien, in welchem eine Ecke den Schenktisch fasste, der unten einen Schrank auf drei Füssen hatte, auf diesem eine grosse zinnerne Platte für die Bouteillen und Gläser, über dieser noch ein Aufsatz mit zwei Türen, worin Gläser verwahrt werden. Dies alles war weiss gemalt und die Leistgen vergoldet. – Da macht er ein Model von Kartenpapier, teilt die Stücke ein, spricht mit dem Töpfer und gibt dem mann so deutliche und so menschenfreundliche Beweise von der Tunlichkeit, den Ofen zu machen, und das nur im rauhen. Endlich geräts; er wird aufgeführt und weiss übertüncht. Anstatt der Zinnplatte des Schenktisches, ein stark verzinntes Eisenblech hingelegt, auf dem die Teller gewärmt werden und das Zimmer ein zierliches Ansehen mehr erhält. Denn der untere Schrank macht den Ofen, und die zwei auf ihm ruhenden Füsse, die den obern tragen, machen die Rauchröhren aus; – und der Töpfer kann nun für mehrere Personen dergleichen Oefen machen. Denn da die Glasur das teuerste und beschwerlichste ist, bei dieser Art aber wegbleibt: so kann sie der Mann eher machen und Andre leichter kaufen. – Mit dem Vergolden solls ihm schwer geworden sein, weil die gewöhnliche Behandlung davon, bei der Heizung des Ofens absprang. Da geriet er endlich auf die Mischung von Honig und Eiweiss, womit er die Leistgen und Zierraten bestrich und dann das Goldblätchen auflegte; und das hielt probe. – – Ich bin sehr weitläufig darüber gewesen; aber Erfindsamkeit freut mich und besonders wenn sie Nutzen, Zierde und Sparsamkeit mit einander verbindet –– Mein Oheim, der in dem edlen haus bekannt ist, hat diesen Ofen durch hiesige Töpfer nachmachen lassen und zwei stehen in dem Saal, den ich Ihnen wirklich beschrieb. Die zwei andern Schränke, sind für Glaswerk und Porcelan. – Als ich mich in dem Zimmer umgesehn hatte, kamen aus einer Tür all meine wertesten Freunde und Bekannte, Herr von C** seine Frau. Herr und Madame G**, ihr vortreflicher Bruder F**, sogar Kahnberg und seine LiebeSie können nicht glauben, wie gross mein Staunen und meine Rührung war. Die Musik dauerte bis halb neun Uhr. – Da spielte Kahnberg allein auf dem Klavier und eine artige Base seiner Frau sang dazu. Wir standen alle um sie herum.