, als die Kinder ihnen entgegen liefen, niemals kommen wir dahin, ohne dass eine meiner hände, oder ein Zipfel meiner Kleidung gefasst würde. – Geredt wird in diesen Augenblicken nicht und ich bin froh, denn ich befürchtete, die Ueberlast von ihrem Dank für mein Herz und die Abnutzung ihrer Freude für sie. –– Auch vermeid ich, mit ihnen dahin zu gehen, und ist mir sehr lieb, dass wirklich einige Haufen übriges Bauholz dort aufgelegt sind, welche ihnen diesen Erinnerungsplatz auf einige Zeit verbergen. ––
Ein junger Zimmergesell, der an dem Haus und der Scheune bauen half, ein geschickter, fleisiger Arbeiter und der immer den besten Willen zeigte, den wir auch noch zur übrigen Holzarbeit behielten, hat nicht abgelassen, bis er zum zweiten Knecht angenommen ward. Die Freude dieses herzlichen jungen Mannes ist nicht zu beschreiben. Sie verdoppelt gleichsam seine Kräfte und seinen Verstand. Er hat um Erlaubnis gebeten, ein Paar Morgen Erdreich, die an dem Abhange des Bergs, in dem Bezirk liegen, so zu Wollings Erbpacht gehört, von den Baumstöcken zu reinigen und dann anzubauen, wie er es auf seiner Wanderschaft mit einem Berg hätte machen sehen, der dem Schlossherrn wenig getragen hätte, und nun recht gutes Heu einbrächte. Man solle ihn aber allein gehen lassen; er wolle gewiss Gutes auf dem Wollingshof stiften. –– Und das haben wir ihm zugestanden. – Der gute Mensch arbeitet nur in den Zwischenstunden daran und will auch nicht anders. – Wir gehen auch nicht hin zum Nachsehen. Sein Oberknecht allein kommt mit, weil dieser mitelfen will. –
Sie fürchten den Winter für mich, in dieser Einöde – und ich freue mich ihn hier zu sehen. Den Hofund Stadtwinter kenne ich schon. Der von ihrer Vorstadt, macht auch eine Stuffe der Abänderung, nach den grossen Auftritten, die ich auf den Wohnplätzen vieler Menschen in dieser Jahrszeit sah. – Hier kann ich alles bemerken, was die natur im Grossen vornimmt, an Feldern, Bäumen und Wiesen der ganzen weiten Gegend, über die sich der Herbst verbreitet – aber auch auf unserm Berge. –– Frau Wolling wird ein Wochenbett just mitten im Winter halten. Da sorg ich für die Oberaufsicht der Kinder, der Mägde, der Milchstube. Ich habe den Winter meines Glücks durchlebt – und ich sollte den Winter der natur scheuen? –– Nein, meine Liebe, er freut mich!
Sieben und siebzigster Brief
Rosalia an Mariane S**.
Da war ich mitten im Winter verreisst, Otte, seine Julie und ich, um Herrn und Frau G** in F** abzuholen, die nach einer Abwesenheit von etwa drei Monaten wieder zurück wollen. – Es war sehr kalt, als wir abgingen; aber ein heller, reiner Himmel dabei. Alle Steine, alle Grashälmchen mit Silberduft überzogen, und das auf einer grossen Weite umher. Dann enge Hohlwege, unfreundliche, und gefrorne Bäche, bei denen wir ängstlich waren. Aber auch ein herrlicher Buchenwald, alle Zweige bereist, braune und gelbe Blätter daran, nur an den Enden mit dem so glänzenden Duft eingefasst. Und als wir auf die Höhe des Waldes kamen, wo er stark ausgehauen ist, hatte ich den angenehmsten Anblick, den diese Jahrszeit geben kann. Eine Art Nebel, aber sehr dünn, der auf dem Berge lag, durch welchen die auf der Seite stehenden Büsche nur als durch einen Flor schimmerten, würde schon an sich reizend gewesen sein; aber die Sonne verschönerte es äusserst. Da ihre Strahlen just von der Seite unsern Wagen trafen und dessen Schatten an die Gebüsche warfen; so bildete sich um diesen Schatten herum ein Regenbogen, der ihn lange Zeit begleitete, bis eine Wendung des weges den köstlichen Anblick zerstörte. Die Farben waren etwas blass, wie beinah die Mondregenbogen sind – und nach Maassgabe des kleinen halben Zirkels um unser Fuhrwerk, auch schmal und um so viel neuer und gefälliger für uns. Wir hatten auch etwas langsamer fahren lassen, das holde Schauspiel länger zu geniessen. Es endigte mit dem Abhang des berges und den aufsteigenden kleinen Säulen von Rauch, aus den Hütten eines armen Dorfs, durch das wir fahren mussten. – Otte spottete unser sehr, da wir in dem Postaus und dem andern, was wir sahen, alles so schlecht und hässlich fanden und die schönen Sachen bedauerten, die wir im einsamen wald gesehen hatten. –– Er behauptete, unsre Entzückung sei nicht aus dem grund der grossen Reitze des Winters der natur hergekommen, sondern weil wir Farben, kleine Spiegelchen und Diamanten gesehen hätten. Bald wären wir auch ungeduldig über ihn geworden; aber der neue Postillion, ein hübscher, munterer Kerl, stimmte sein Horn so schön an, dass er uns auch munter erhielt. Er fuhr sehr geschwind, ausgenommen gegen das vorletzte Dorf der Station, wo wir wieder Pferde wechselten. Da liess er nur einen Schritt gehen, aber alle Künste seines Postorns und dann das Klatschen seiner Peitsche hören. Ich bemerkte endlich, dass er immer auf eine Seite hinsah und auf einmal wieder aus vollem, lustigem Otem ein, Stückchen bliess. – Da kam aus einem etwas hoch liegenden Bauerhaus ganz eilig ein artiges Mädchen heraus gesprungen, ohne Haube, und band sich eine weisse Schürze noch auf der Vortreppe um, nickte ihm freundlich zu, bis er das Horn unter seinen linken Arm zurückwarf. –– "Guten Morgen Toni!" – rief sie dann aus ihren runden, glühenden Backen und mit einer Hand aus Geländer gestützt, – "