. – Alles Reitzende, so ich vor mir sah, gehört Andern. – Der edelmütige van Guden bot mir Schmachtenden die Hand – und führte mich zu einer erquickenden Quelle. Meine Seele erbolte sich bei dem Genuss seiner Güte und bei übender Tugend. Aber noch einmal ging ich nach der Zaubergegend; glaubte noch einmal an Glück im Grossen – und wurde durch Schmerz aus meiner Täuschung gebracht. Fremdes Elend hiess mich meines vergessen. Mein Herz heilte durch die hülfe, die ich Andern gab. Ihre Freundschaft streute Blumen auf meinen Weg – Eigensinniges Anhängen an dem ersten Bilde meines Glücks führte mich von Ihnen und der anfangenden Ruhe, die Vernunft und Güte mir gaben. Aber auf dieser Reise fand ich den letzten Kummer und auch bald darauf eine neue Spur der besten Freuden des Lebens, Freuden der natur und Menschheit. Der Anbau meines Hofes und das Wohlergehn meiner Wollinge; mein Herz, alle seine Wünsche sind erfüllt. Es wäre Unsinn, es wäre Undank, wenn ich noch nach einer Abänderung mich sehnen könnte. Sie meine Liebegenossen, eh Sie mich kannten, in dem Krais Ihrer Freunde alle Zufriedenheit, die Sie verlangten. Es sind recht sehr würdige Personen darunter. – Ihre nahe Verbindung mit Clebergen, sein Glück, Ihre Pflichten und Beschäftigungen, können Ihnen wenig leere Stunden, wenig leeren Raum, in Ihrem Herzen lassen. Ich weiss wohl, wie innig Sie lieben und begehren. Ich weiss auch, wie schwer Ihnen abzusagen ist. – Aber wir wollen beide unsere Bestimmungen erfüllen. Ihr Weg ist einfach und gerade gezeichnet. Es führte Sie nichts ab, als dass Sie bald in diesem, bald in jenem angenehmen Landhause Besuch machten. Dies haben Sie bisher unter der Leitung Ihres Oheims getan; – nun in Zukunft in Gesellschaft Ihres erwählten Freundes. – Mein Pfad war gleich etwas gewunden; – und dann wollt ich mir selbst eine Bahn machen, die mich in gefährliche Gegenden brachte und sich nun mit dem schönsten Ruhplatz endigt. – Meine Fähigkeiten sind nach dem Maass ihrer Anlage und meines Schicksals genugsam angebaut. Ich habe Kenntnisse von Wissenschaften und Künsten, habe Menschenwelt genug gesehen, um jetzt Gottes Welt desto besser zu geniessen. Lassen Sie mich hier und opfern Sie meiner Ruhe den Wunsch nach meinem Umgang auf. Sie sollen Briefe genug von mir erhalten. – Meinen Vorstädtern hab ich gegeben, was sie bedurften, – hülfe und Anweisung. – Glauben Sie mir, die Gewohnheit des Wohlstands und die Uebergabe der Aufsicht über die kleine Stiftung, so ich machte, hat schon Aenderung in den Gesinnungen bewürkt und die ersten Schritte des allgemeinen Gangs der Dinge haben schon angefangen. Meine erste Erscheinung war als Wohltäterin. – jetzt wär es als Gesetzgeberinn oder Oberaufseherinn. Nein, Rosalia, ich wohne niemals mehr in Ihrer Stadt. – Besuchen, ja! – Aber nicht länger, als höchstens vier Tage. Wenn Sie mir sagen wollten, so würde mir es auch mit den Wollingen gehen; – Nein! – da nicht! – sie sind zu einsam, zu selbstständig. Da bleiben Gefühle und Ideen fester. Der Anblick fremden Vergnügens, und Leidenschaften kommen nicht zu uns. Also bleiben auch Begierden und Bestrebungen nach ihrem Genuss entfernt. Die ersten Züge ihrer Erziehung liegen doch auch in Beiden, und ich glaube nicht unrecht zu schliessen, wenn ich vermute, dass die Erinnerung dessen, was beider Väter sie hatten leiden machen, einen tiefen, bittern Gram gegen alle Menschen zurück liess, die mit einigem Ansehn oder Gewalt in der Welt bemerkt sind; und dass ich im Gegenteil etwas von der zärtlichen anhänglichkeit erhalten habe, die sie für ihre gute Mutter hatten. Kleine, ganz kleine Nebensachen würken mehr, als öfters Haupttriebfedern tun, und dann prägt die Lage von Wollinghof auf liebende, angebaute Herzen ein so süsses, einnehmendes Bild, an das man sich auf Zeit Lebens anheftet. Kommen Sie künftigen May mit Ihrem Cleberg zu uns. Ich kann Ihnen ein artig Zimmer geben; und da sollen Sie mich als eine glückliche und geschickte Landwirtinn finden. Denn wir wollen hier ein Muster von Landhaushaltung aufrichten. Wir machen ganz still alle möchliche Proben von Frucht- und Futterbau. Milch- Butterund Käsenutzung wissen wir schon recht schön. Obstbäume sind die alte Meisterkenntniss von Wolling. Gemüs pflanzen wir nur so viel, als wir brauchen. Ein Stück Wald haben wir ausgerottet, ein anders angepflanzt. Ich kaufe alle öconomische Bücher und mache Auszüge von dem, was wir brauchen können. Wolling bereitet das Erdreich und macht Versuche. – – Sie müssen kommen, und selbst das alles sehen – und die Kinder meiner Wollinge, die ich zuerst sah. – Und möchten Sie einen von den Blicken des Vaters sehen, wenn ich ungefähr dazu komme, dass der Knecht oder eine Magd Rechenschaft von ihrer Arbeit geben, oder sagen: "ich bin an dem lezt gesäeten Stück vorbei kommen. O, Herr! – es stehr recht schön! Gott hats gesegnet. Wenn er es behütet, so kriegen wir eine reiche Erndte," – wie da sein redliches Gesicht glühet, was für Dank und Segen in dem blick ist, den er auf mich wirft; oder eins von den Kindern an seine sich hebende Brust drückt, mich ansieht und dann gegen Himmel. – – "Ach, mein Kind! werde rechtschaffen, und sei ewig dankbar!" ––
Niemals geht er, oder seine Frau, mit mir die Eiche vorbei, an der ich stehen blieb