darauf befleissen, dass Nutzen und Zierlichkeit verbunden werde; nichts ändern, nichts ausreissen. – Aber hie und da einen Rasen oder Obstbaum setzen und etwas düngen, dass er wohl fortwachse; die Hecken schneiden, für die Wege sorgen. ––
Unsre Entwürfe für den Berg sind gar herrlich und ziemlich einfach dabei. Eine Phantasie, die ich bei der Form unsers Daches angebracht haben wollte, ist ursache, dass wir eine köstliche Entdeckung machten. Man brauchte einige Stämme von natur gebogenen Holzes; die musste man im ganzen Wald umher aufsuchen und geriet auf eine schmale Höhe des Bergs, wo man ihrer viele fand, die man alle abhauen liess um sie nachmals zu Wagnerarbeit zu verkaufen. Dies gab Platz zu einem neuen Spaziergang und zeigte uns auf einmal, an einem kleinen Absatz, den diese Höhe hat, etwas Sumpfiges und dann eine beträchtliche Wasserquelle, die von oben kam, in diesem Absatz sich ausbreitete und auf der Seite mühsam auslief. – Diesen Sumpf heben wir aus, werfen Steine und Letten in das Bett des Bächelgens, raumen oben die faulen Bäume weg und dürfen nur an einem Platz einen grossen Stein legen, so haben wir einen Wasserfall, zwanzig Schuh hoch und oft über eine Elle breit, der in das nun hübsch besorgte Becken sich ergiesst und dann in das Tal über schroffe Felsenstücke an diesem und jenem Ort hinunterfliesst. – Dies wird ein teil von unserm Gebiet, welchen mancher Fürst gern mit Tausenden bezahlte; und ich bekams so leicht und in äusserster Schönheit. – Gönnen Sie mir es – und wünschen Sie mir Glück. – Adieu Rosalia.
sechs und siebzigster Brief
Madame Guden an Rosalien.
Vergeben Sie mir, liebe Rosalia, wenn ich Ihren Bitten, Ihren Wünschen widerstrebe und fest, unbeweglich, hier auf dem Berge bleibe, der die Sinnbilder meines vergangnen und gegenwärtigen Lebens trägt. – Auf einer Seite Trümmern eines hochaufgebauten, weiten Entwurfs von daurendem Glück; – auf der andern, eine neue friedliche Hütte, voll redlicher Herzen, die mich lieben, deren Wohlstand und Vergnügen das selige Werk meines Herzens ist; – ringsum Ruhe und Güte der natur. – Nein! mein Kind, ich geh nicht weg. – Ich hab Ihren Brief unter dem halben Dach einer kleinen Nusslaube gelesen, die Wolling hier umbog, weil er mich oft dahin gehen sah. – Ich habe da einen weiten, schönen Himmel, –– Kornfelder des Tals, Anhöhen mit Wäldern bedeckt, einen einsamen Mayerhof und die Landstrasse vor mir, die nach der Gegend führt, wo Sie wohnen; Sie, die ich für die Erquickung segne, die ich in Ihrem Umgang genoss; – wo meine Vorstädter wohnen, deren Wünsche mich hieher begleiteten. – Ich fühlte, da ich Ihren Brief las, mit Rührung jeden Ausdruck Ihrer Liebe. Ich sah jedes Bild Ihres Vergnügens, das Sie mir als Geschöpfe meiner Gegenwart in Ihrer Stadt vorzeichnen –– und ich empfand auch ganz deutlich das süsse Wallen, welches immer meine Brust ergriff, wenn ich Sie, oder Eins von den armen Familien erblickte, denen ich Gutes getan hatte. – Mein Auge sah tränend gegen den Himmel hin, der Sie und die lieben Leute dekt; – und der Gedanke, meiner Rosalia, die so voll wahren Gefühls ist, Freude geben zu können, erhob meinen Willen, auf einige Augenblicke, zu dem Vorsatze, zu Ihnen zu gehen. Denn gewiss, meine Liebe immer war mein Wille Gutes zu tun, feurig und eifrig. – Aber der Abend kam; ich ging zurück, nachdenkend über Ihren Vorschlag. An dem Ende des weges, zwischen den Buchen, sieht man rechter Hand die Ueberreste des alten Schlosses, und linker Hand den Wollingshof. – Der Mond schien zwischen dem Turm und der einfachen hohen Mauer auf mein liebes Bauerhaus und beleuchtete just meine Fenster, während ich in dem Schatten ging den der zerfallne Turm warf. Eine unnennbare Empfindung machte mich stillstehn. Das melancholische Bild des zerstörten Schlosses, dem sogar der Mond mit seinen sanften Strahlen, nichts, als die blasse Erleuchtung eines neuen Todtengewölbes gab, die geworfenen Schatten schwärzer färbte; hingegen sein holdes Licht ausgebreitet über die wohnung meiner Wollinge ergoss. – Ich sah die Aeste der bei dem Bau des Hauses geschonten Birken, hin und her wanken. Hinter mir säuselte der Wald – und vor mir ein kleines, aber angenehmes Getöse von dem Springen der Kinder meiner Freunde und dem Geschwätz des Gesindes im hof. – Alles dies durchdrang mich. – Rosalia! stellen Sie sich hin an diesen Platz mit meinem Herzen und meinen Erinnerungen; dann werden Sie vergeben, dass auf dieser Stelle mein Wille, zu Ihnen zu kommen, sich schwächte und erlosch. –
Nein, ich will nicht mehr an Otte gehen, wo grosse Bedürfnisse und grosse Entwürfe entstehen; wo Kräfte und Jahre des Lebens dazu verwandt werden – und Feinde und Sturm alles niederreissen und – Todtenstille, Todtenjammer geben. – Unter dir, kleines niedriges Dach, – beschränkt wie du, – leicht erfüllt wie du, – sind die Wünsche unsrer Tage; nützlich und rein, wie der Tau, der das Gras unter meinen Füssen befeuchtet, sind unsre arbeiten und Absichten dabei. – Die erste Wahl, die ich in dem grossen Vorratshause von Glücksideen traf, hat mich auch auf eine Anhöhe geführt, die mir die schönste Aussicht zeigte. Ich gründete, ich baute auf, und was ist daraus geworden? – Schutt! unter dem beinah ich selbst begraben wurde