Tränen, die sie aber wieder zerstreute, und ihren Kindern emsig zusah, ohne ein Wort zu reden. – Indessen ging ich mit ihrem Mann an eine Gittertür, die unter meiner wohnung in den Baumgarten führt, und bat ihn, seine Charlotte zu mir in das nächste Zimmer zu bringen, da die Kinder und Meta im hof waren und die erste Bewegung schon in ihr angefangen hätte. Er konnte nicht sprechen, sondern machte mir eine Verbeugung. Meta wusste, dass sie die Kinder aufhalten sollte, bis man sie rufen würde.–Die beiden Lieben traten wankend in das Zimmer, wo ich sie erwartete. Ich nahm Frau Wolling bei der Hand und leitete sie gegen eine von den Polsterbänken, die in den zwei Fenstern stehen, setzte mich da dicht neben sie, nahm dann ihre beiden nur so hinhängenden hände in meine, küsste sie. –– "Nun, meine teure Charlotte! sei mir willkommen in Deinem haus. – Gott segne diese ersten Augenblicke, und lange künftige Jahre, mit der Tugend Deines vergangnen Lebens – und mit dem Glück, so Du verdienst." –
Sie sank an mich; ich umfasste sie. Zum Glück weinte sie laut. Ich vergoss stille Tränen. – Der Mann betrachtete uns, mit gedrängtem Herzen, – stürzte mit ausgebreiteten Armen vor uns hin und umfasste so, stumm, aber mit dem stärksten Ausdruck männlicher Freude und Liebe uns zugleich. –
"Charlotte! van Guden!" – war alles, was er nach einigen Augenblicken sagen konnte. – Dann faltete er seine hände. –– "Gott! – gütiger Gott!" – seine Lippen bewegten sich noch still. ––
Rosalia! niemals ist reineres Dankopfer zum Himmel gestiegen, als in den Blicken dieses edlen Mannes, die er aufs höchste erhob. Die Abendsonne beleuchtete ihn; alle Züge seines Gesichts voll Redlichkeit, voll Ergiessung seiner Seele. – Ich hatte mich zu dem Auftritt vorbereitet, ich konnte beobachten.
Ich sagte seiner Frau und zeigte auf ihn: "Sieh, liebe Charlotte! dies ist die Einweihung Eures Hauses. Gott sei Dank dass er mir diesen seligen Anblick gönnte." ––
Hier ergriff Wolling eine meiner hände und eine von seiner Frau, küsste sie wechselweis, während dass Tränen über seine Wangen flossen. Seine Frau küsste mich nun auch – und ich nahm mein Schnupftuch, wischte ihr und Wollings Gesicht damit ab, fasste es zusammen: "Ich will sie verwahren, diese vereinigten Tränen Eurer Herzen. – Zufriedne Tugend und Freundschaft vergossen sie; – es können keine schönere geweint werden." ––
Dies gab ihrem Gefühl eine neue Wendung. Er blickte mich und sie an, deutete auf mich: – "Unsre Mutter! unser Haus!" – küsste nochmals meine Hand! – "edle, grossmütige Hand! ich verehre, ich segne dich. Gott! wird dich belohnen." – Und da gab er sie Charlotten zu küssen.
Ich sagte: "Meine Kinder, Euer Dank und Segen ist mir eben so wert, wie Euer Glück. Ich hoffe, dass wir lange beisammen leben werden. Gott hat uns zu diesem Vergnügen geleitet, nun wollen wir es geniessen. heute Abend hab ich die Küche besielt; Morgen muss Frau Wolling die Mühe über sich nehmen;" – und damit stunde ich schnell auf und liess sie beisammen allein, wo nun Wolling seiner Frau sagte, dass wir da blieben. – Die beiden Tische, so links und rechts an dem Torweg an der Mauer fest sind, die man zu Hausarbeiten und zum Essen in der schönen Jahrszeit herunter lässt, wo an dem einen das Gesind die Bänke von der Seite hinstellt, und wir auf der andern, unsre hübschen Strohstühle: – Diese Tische waren gedeckt, und mit etwas Milch und Mehlspeisen besetzt. Carl musste seine Eltern zum Essen rufen. Ich, Meta, Lottchen und Nanny sassen auf einer, Wolling, seine Frau und zwei Söhne auf der andern Seite, wo sie auf den Gesindetisch sehen, und durch den blick, als Hausherr und Hausfrau, Ordnung halten und Befehle geben konnten. Frau Wolling ass wenig. Es war mir lieb und sie hatte grosse Freude über ihre zwei ältern Kinder dass die noch mit Meta in die Hütte gelaufen waren und ihre vier Hühner geholt hatten, damit diese auch im schönen haus schlafen und Morgen gleich die neuen Hünchen sehen könnten.
Nachdem das Gesind aufgestanden und die Kinder noch ein wenig herumgelaufen waren, sagt ich: "Charlotte du musst mich in mein Zimmer führen, Herr Wolling leuchtet uns." – Das geschah und Meta legte indessen die Kinder zu Bett. Carl schläft an dem Arbeitszimmer seines Vaters, das gerad am Tor ist und ein Gitterfenster in den Torweg hat; die Andern am Schlafzimmer der Eltern. – Den andern Morgen kamen die lieben Geschöpfe alle vier mit Vater und Mutter, und brachten mir Blumen und dankten für die guten Betten. – Ich sagte Carln, er möchte die Flöte holen, wir wolten sehen, wie mein Klavier hier lautete. – Ich unterbrach hierdurch neue Aufwallungen der Frau Wolling. – Den andern Tag war es Sonntag; wir gingen nach Mahnheim in die Kirche und nahmen den Beamten und seine Frau mit uns zurück. Frau Wolling machte die Hausfrau mit vielem Anstand. – Nachmittags kamen alle Moosische Kinder, und gegen Abend unser Bauer, der die Feldarbeiter ansagte – und mit Wolling herumging. –– Der ältere Sohn des Herrn Mooss will sich nun auch