haben wenn wir unser Haus beziehen. Diese Woche werden wir schon weit sein. –– Rosalia! Sie müssen mich einmal besuchen; Sie müssen! – und dann mir ganz sagen, was Sie von uns halten. –– Vorgestern Abend hätte ich Sie gern da gehabt, als die Arbeitsleute da sassen, auf Balken, auf Steinen, auf Rasen und abgehaunen Baumstumpen; froh über das ende ihres tages, über Trank und Abendbrodt, so ihnen ausgeteilt wurde. Ich fragte sie um ihr Vaterland, ihre Verwandte und ihr Schicksal bisher. – Von wie vielerlei Arten sind die Zimmerleute, die Steinmetzen und Maurer! wie viel wahrer Sinn, einfache, gesunde Vernunft, Rechtschaffenheit und Witz kam zu Tage! –– Ich teilte die Freizettel ins Wirtshaus zu Mahnheim selbst unter sie aus. Wie verschieden war der Ausdruck von Dank und Zufriedenheit! – Mancher blick sagte mir auch, dass ihm meine Gestalt gefalle. – Sie wollten mir Alle ihre Reisen erzählen und es freute sie, dass ich begierig darnach schien. – Ich foderte zuerst den auf, der in Holland gewesen sei. Da waren unter den Zimmerleuten Einige, die sprachen von Flössern, mit denen sie den Rhein hinunter gefahren, beschrieben die Arbeit dabei, dann Schiffwerfte und Land und Leute; – ihre eigene Anmerkungen, die von einem Cameraden; die fragen der Andern, die von Carl Wolling und die Erläuterungen darüber. – O, das war mir inniges Ergötzen. – Dann kam eine Beschreibung der Schweitz; und der diese machte, wandte sich bei dem Erzählen von der unermesslichen Höhe und Grösse der Berge, gegen den, der das Meiste von dem schreckbaren Anblick des Meeres gesagt hatte, um ihm zu verstehen zu geben, dass er auch wunderbare Sachen gesehen und bemerkt habe. Die Maurer fielen da mit ein, und sprachen von den Tyroler Gebürgen. Andre erzählten wieder von Ungarn, den unabsehlichen Haiden, wo kein Berg, kein Baum, kein Haus auf wie weit zu erblicken sei. Wie vergnügt machten da die Tyroler das Lob ihrer engen Täler und ihrer Berge! – Dann erhob Einer Schwaben und das Würtembergische, wo alle Berge zu ersteigen und alle Ebnen anzubauen sind. – Aber das Elsass, die Pfalz! fing ein Andrer an, das sind Länder! – und dann von der Heimat, von Lehrjahren, von bösen Meistern, von schönen Meisterinnen u.s.w. Mit dem stolzesten Gesichtsausdruck redeten die, so lang in grossen Städten gearbeitet hatten, Wien, Berlin etc. – Dem Steinmetz, welcher Strassburg gesehen, und sich also an Frankreichs grenzen aufgehalten hatte, ging eigentlich ein Lächeln zufriedener Eitelkeit durch alle Züge. Dort macht man galante Arbeit, sagte er, ruckte zugleich seinen gerade ausgestreckten Fuss seitwärts, und setzte seinen Hut anders; die Mädchen, die Rubertsau, alles war galant. Endlich stimmte er gar einen Elsasser Tanz an und machte einige Schwenkungen davon. Ein Zimmermann stümperte ein französisches Liedchen an. – Die Wahrzeichen der Städte, alles kam vor und nahm den Abend bis gegen neun Uhr weg, da sie endlich nach Mahnheim gingen. Ich sah ihnen lange nach und erquickte mich an dem Gedanken, einen Haufen vergnügter Menschen zu sehen und von edlen herzen umringt an meine Schlafstädte zu kommen. Möchten alle Müde so viel Ruhe, und alle Leidende so viel Wohl empfinden, als mit mir in mein Kämmerchen kam! – Es war zu spat, um meinen Wollingschen Kindern das versprochne Abendlied zu singen. Aber des Morgens hörten sie mich um desto länger. ––
Ich freue mich, Rosalia, dass Sie mir alle Ihre Briefe an die edle Mariane S**, und dieser ihre an Sie, auf einige Zeit anvertrauen wollen; besonders da Sie den Beweis darin zu führen denken, dass ich viel Sympatie mit Ihrer würdigen Freundinn habe. – Mit Ihnen sympatiesirte ich ja schon lange. Es ist so ein süsser Augenblick des Lebens, indem man sich zur Freundschaft hingezogen findet, dass er niemals vergessen werden sollte. –– Sie haben mir diese Empfindung so lebhaft gegeben, dass mir ihr Andenken auf immer bleiben wird. –
Fünf und siebzigster Brief
Madame Guden an Rosalien.
Segnen Sie mich, Rosalia! oder vielmehr segnen Sie uns Alle. Das Haus, die Scheune, alles in Wollinghof ist fertig, sogar die Schreinerarbeiten, alles; denn diese letzteren besorgte der Beamte in einem benachbarten dorf, das auch dem Herr von Mahnberg gehört und geschickte Handwerksleute hat. Frau Mooss hatte alles über sich genommen, was Betten, Küchenund Hausgerät anging. Es geschah dadurch ihr und uns ein grosser Dienst, denn sie reiste nach der Stadt W**, um einzukaufen und konnte zugleich ihre Verwandte besuchen, die sie lange nicht gesehen hatte. Ich bemerkte an ihr Freude und Verlegenheit, als ich sie bat, mir diese gefälligkeit zu erweisen, und lange dauerte es, bis die gute, redliche Frau mir gestand, ihre besorgliche Mine komme daher, weil sie einen Verwandten dort habe, dem sie schuldig sei; weswegen sie auch schon einige Jahre nicht in die Stadt gegangen, weil sie nicht im stand gewesen, es abzutragen. – Der Harm der Mutter, der ehrliebenden Frau, des edlen, uneigennützigen Weibes, alles lag in ihrem gesicht. Ich hatte unsägliche Mühe, sie dahin zu bringen, dass ich den Abtrag ihrer Schuld besorgen durfte. Wie reichlich hat ihr dankbares, rechtschaffnes Herz die Zinsen davon abbezahlt! indem sie Alles auf das Beste besorgte. Ich konnte den Mann ohnehin