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Wollingschen Hauses entwarf. Ich fragte ihn, ob er gern zeichnen sähe? Er näherte sich so eilig, bog sich gegen den kleinen Tisch, an dem ich sass, mit Errötung; Kühnheit im augeund mit zagenden Geberden, verschlang er alle Züge und sagte: "O, wenn ich Bäume und Häuser so zeichnen könnte, was gäb ich!" ––

"Hat Er einmal einen Versuch gemacht?"

"Oft! aber sie sind mir verleidet worden," antwortete er, mit einem Seitenblick auf den Vater. –– "Wie so?" erwiderte ich, und sah auch den Beamten an. – Herr Mooss sagte lächelnd: "Ja anstatt zu schreiben, verdarb er das Papier mit Kritzeleien und die Wände im Haus mit Kohlen und Zimmermanns Rötel. – Da gabs Strafen, bis er es bleiben lies. Endlich habe ich ihn Feldmessen gelehrt, nur dass er was mit dem Bleistift tun kann." ––

Wie dem Vater, der Ausdruck, Strafen, bis er es bleiben liess, – entfiel, sah der junge Mensch zur Erde. Teils Beschämung, teils Unmut über die Erinnerung des Misshandelns und Schmerzes über eine gewiss unschuldige Freude; und Zweifel wegen der Folgen, die dies Gespräch haben würde, alles wechselte in ihm ab. – Seine Finger, die Muskeln seines Gesichts, zogen sich zusammen. Er dauerte mich, und ich eilte mit der Frage: "Würde es Ihn freuen, wenn ich Ihn alles Zeichnen lehrte, was ich kan?" –

Hastig trat er gegen mich, mit Glut jugendlicher Begierde im Gesicht. – "O, Madame, wie sehr freute michs! Vater!" – mit flehender stimme und Augen – "Herr Mooss! sagte ich, Sie erlaubens, und ich sorge für Alles, was dazu gehört" – Er willigte ein, und ich sah beide glücklich. –

Sie glauben doch, Rosalia, dass ich meinen Jugendfleiss segnete, der mir dieses Talent erwarb, wodurch ich einen schätzbaren Jüngling, über erlittne Schmerzen tröste, eine edle Wissbegierde in ihm stille, langgewünschte und beraubte Freuden gebeund dem Vater seine Erziehung erleichtere. – Schicken Sie mir bald, recht bald die Kästen aus meinem haus zu. – Ich habe in meinem Schlafkämmerchen Platz für meine Bücher. Der junge Wilhelm Mooss hat sich unsägliche Mühe bei Erbauung meiner Zimmer gegeben, und gibt sich noch viel, bei dem Hofhause selbst. Alles, was ich zeichnen kann, wird er in kurzem wissen. Er will Landschaftmahler werden und auch Personen mahlen. "Aber, sagt er, immer nur nach Ihren Mustern." – Der ältere Sohn hilft dem Vater in seinem Amtund Herr von Mohnberg hat solches ihm auch zugesichert. Bei dem Schulmeister lernen sie Latein, Schreiben und Rechnen; bei dem Vater Historie und den Anfang der Rechtsgelehrsamkeit; und wie er mir sagt, auch so viel, als ihm von Wolfs Weltweisheit ordentlich im Kopf blieb. – Der dritte Sohn von dreizehn Jahren will nichts anders als Bauer werdenund ist schon zweimal davon gelaufen, weil man ihn mit Schlägen zu dem Latein zwingen und von Pferden und Ochsen abhalten wolte. Er soll nun seiner Neigung nachgehen und mit Wolling die gute Landwirtschaft erlernen. Ich habe mein Vermögen durchrechnet; es bleibt mir viel, sehr viel für Vernunft und Phantasie übrig. – Und o Gott, wie viel kann ich noch glückliche und vergnügte Menschen machen! Aber von hier geh ich nicht mehr. Das Leben meines Herzens erneuert und verschönert sich alle Tage. – Mögen Sie, teure, liebe Rosalia, eben so dem daurenden Glück, Ihrer Bestimmung entgegen gehen! Möge Pindorf das seinige finden, wo er es sucht! – – – Rosalia! diese letzte Zeile bewegte mich stark. Ich bin vor mein Zimmer hinaus gegangen. Es ist Vollmond. Mein erster blick war gegen die Stadt W** und dann auf die grosse Gegend der schönen schlafenden natur, ganz mit dem sanften Licht übergossen. – Die Hütte meiner Wollinge, die Trümmer der Mauern, alles hatte den Reiz der Zufriedenheit und Ruhe. Mein auge erhob sich zum weiten Gewölbe des himmels; und so viel Strahlen es fassen konnte, so viel süsse Beruhigung floss in mein Herzund glücklich geh ich schlafen. Adieu. ––

Vier und siebzigster Brief

Madame Guden an Rosalien.

Dank, vielen Dank, meine Rosalia, für die schnelle Uebersendung meiner verlangten Kisten. Alles ist gut angekommen, und just den vierten Tag, da meine kleine phantastische wohnung zwischen den Mauern des alten Schlossgangs fertig war. Denn da ich alles nur von doppelten Brettern machen liess, und die Leute doppelt bezahlte, so ging es geschwind. Auf das Trocknen der Wände durst ich nicht warten, da Sonne, Luft und Mondschon zweihundert Jahr auf allen Seiten da geherrscht haben. Aber da sie ganz rauh und unsauber waren, so hab ich sie mit dünnen Tannenbrettern bekleiden laffen. Diese will ich nach und nach mit guten Zeichnungen der hiesigen Gegenden verzieren und an einer edlen Figur in die einsamen Spaziergänge soll es nicht fehlen. – Vortreflich war ihr Gedanke, mir einen so grossen Vorrat von allerlei Papier und saiten-Rollen für mein Klavier zu schicken; denn es wäre mir in Wahrheit sehr übel gegangen, wenn hier einige gesprungen wären. – Sie hätten das Staunen sehen sollen, worin die guten Kinder meiner Wollinge gerieten, als sie das erstemal mich spielen und singen hörten. Ich tat es Abends bei