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, auf Herrn von Pindorf zu warten, war nichts, als die Ausflucht, welche ich gegen den Vorschlag des Herrn Mooss nahm, weil Du mir so geneigt schienst, seinen Antrag anzunehmen. – Aber, ich hielt mich vorgestern für diesen Betrug sehr geschwind gestraft, da ich Madame van Guden Dir wieder von einer Aenderung unsers Wohnplatzes sagen hörte. Und da ich hier keine hülfe vor mir sah, so liess ich ganz freimütig meinen Jammer blicken, und fühlte in Deiner zärtlichen Einwilligung, hier zu bleiben, wie sehr ich Unrecht hatte, einen Umweg mit Dir nehmen zu wollen." ––

Er vergab ihr herzlich, und der Abend endete sich mit ihrem völligen Vertrauen, da sie mir zwei Papiere wiesen, die jedes eine Verschreibung von funfzig Gulden entielt. Dies war die Ersparniss von dem gelösten Gelde für ihre Löffel und Ringe, und von seiner verkauften Gärtnerwaare seit neun Jahren. Der Beamte und Pfarrer hattens auf die Gemeingüter angelegt, damit das so kümmerlich erworbne Geld ja den Kindern nicht zu grund ginge. ––

Ach, die lieben, herrlichen Menschen alle, wie freuen sie mich! –– Sie können nicht glauben, Rosalia, wie ordentlich Alles gehalten wird. – Garten, Hütte, Hof, angtänzendes Land, so sie bauen dürfen; wie reinlich, all die grobe Leinwand und Wollen ihrer Kleider und Betten, wie sauber die Kinder und Eltern an ihrem Körper sind. Um vier Uhr steht der Mann, um fünf Frau und Kinder auf. Waschen, anziehen, beten, eine Ziegenmilch Suppe essen; dann alles hübsch geordnet; im Sommer Mutter und Kinder zum Mann in den Garten da die Aeltesten arbeiten; dann eine Stunde nähen oder spinnen, und alle Wochen zwei mal, eine Trage Gemüs zum Verkauf nach Mahnheim getragen, wo Leute aus W** da sind, die es abholen und die Wollings dann ihre Bedürfnisse kaufen. –

drei und siebzigster Brief

Madame Guden an Rosalien.

Ich will Sie, liebe Rosalia, für mein vierzehn Tage langes Stillschweigen schadlos halten und Ihnen treulich Alles erzählen, wie es mir geht und die Sachen erscheinen.

Ich war bei dem Beamten in Mahnheim. Ein redlicher, vortreflicher Mann, der mit heiliger Treue das ihm anvertraute Gut, der Gerechtsame des Herrn, und das Wohl der Untertanen besorgt und der durch Festalten an dem Grundsatze keinen Bösewicht ungestraft, und keinen Guten unbelohnt zu lassen, die herrlichste Ordnung in seinem Amt hat. Weil nun dabei auch der Herr von Mahnberg alle Jahr seine Gefälle richtig bezieht und die Untertanen niemals klagen, oder bitten; so hat er dem Beamten volle Macht über die ganze Einrichtung gegeben. Das erworbne Ansehen, welches dieser Mann durch unabgeänderte Ausübung seiner Pflichten erhielt, dient nun zu der Grundlage des Wohlstands meiner Wollinge. Denn Herr von Mahnberg willigte gleich in den Vorschlag einen neuen Hof auf Erbbestand anzulegen. Ich sagte dem Beamten und den Wollingen selbst, dass ich eine reiche Anverwandtin von ihnen wäre, die jung aus ihrer Gegend weggekommen und in Holland verheiratet worden sei. Sie wissen, wenn Holland nur genannt wird, so glaubt man gleich an Reichtum; und viele Familien haben die idee, dass jemand von ihnen dort wohne; so dass mir Herr Mooss leicht glaubte. – Ich wünschte die Wollinge davon zu überzeugen, um ihnen die Last des Danks zu erleichtern, die mit so grossen Geschenken auf sie fällt. Als Verwandtinn ist es meine Pflicht, und diese kann man grade zu annehmen. – Bei dem Beamten und seinen Leuten wurde dadurch das Staunen und Rachdenken über das Sonderbare meiner Erscheinung und meiner Wohltaten verhindert. Denn grosses, ungewohntes Gutes, ohne Vorsicht dargestellt, schadet oft bei Menschen, die an Vorurteilen haften; und Schwäche und Vormteile mit Schonung behandeln, ist auch Pflicht, Rosalia; so wie es Pflicht ist, sie zu vermindern. – Aber da vielleicht an Vorurteilen schon viel Geschlechter hindurch, ein teil des Wohls hing: so halten die Menschen daran, und sträuben sich gegen das Wegnehmen eines bekannten Guts. Man darf ihnen aber nur auf einer andern Seite etwas zeigen, was die Kennzeichen eines ihnen nicht ganz fremden Vergnügens trägt, so wird Neugierde sie hintreiben, es kosten machen und zur freiwilligen Ablassung von dem allen führen. – Aber wo schweife ich hin? – Kommen Sie zu meinem Beamten, von dem ich auch Baase sein möchte, seitdem ich die Freude sah, mit der er kam, uns die Antwort selbst zu bringen und gleich mit Wollingen hinging, das Land auszumessen und Pfähle einschlagen zu lassen. Niemals hat ein Gewinnsüchtiger seine eingelaufene wucherische Zinse schneller und richtiger gezählt, als dieser liebe Mann zu Werk ging, der Familie, über die er weinte, weil er unvermögend war, ihr zu helfen, nun einen Bezirk von sicherm Unterhalt anzuweisen. Denken Sie, wie ich gerührt wurde, als ich mich von einem Vater von acht Kindern, die er nicht reich, nicht glücklich machen kan, mit vollem Herzen und überfliessenden Augen für die Wohltat segnen hörte, die ich einem andern Vater von vier Kindern erwies. Das gute zeugnis, so er meinen Wollingen gab und die Aufmunterungenund Erleichterung zum vollkommenen Anbau des neuen Guts, das er alles mit so vielem Eifer betrieb; seine Frau, die sich auch herzlich ergözte, dass den Wollingen Gutes geschah. – – Dies belohnte mich schon weit für meine entworfenen Ausgaben und Mühe. – Ach, Rosalia! wer gute Menschen liebt und sucht, findet sie auch. Nur müssen wir