1779_La_Roche_065_124.txt

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"Er wolte was von mir wissen. Ich sagte ihm, dass ich in meiner Jugend studirt hätte, weil ich der Sohn eines Schreibers sei; dass ich ein gutes Mädchen innig geliebt und ihr auch wert gewesen wäre; dass ich mit ihr getraut; – aber am nemlichen Tage mit Gewalt zum Soldaten genommen sei, wo ich immer krank und also unbrauchbar gewesen. Da hätte mich die Menschlichkeit eines edlen Mannes wieder frei gemacht. Ich hätte meine Frau aufgesucht, müsste aber nicht, wo sie wäre Mein Vater sei tot, und das Leben mir zuwider, so bald ich unter viel Menschen sein müsste" ––

Er bedachte sich eine Zeitlang. Endlich sagte er: "Ja, mein Freund! Er soll da oben wohnen und anbauen, mit der Bedingung, dass er diesen Taler nebst einigem Handmerkszeug annehme, und mir alle Woche sage, was Er getan hat." ––

Ich küsste seine hände mit vielem herzlichen Dank. Er liess mich im Zimmer warten, um mit seiner Frau zu reden. Ich konnte mich nicht entalten, auf meinen Knien Gott zu bitten, dass er diesen herzlichen Mann und seine Kinder segnen möge.

"Sie hatten mich im Nebenzimmer belauscht, wie sie mir nachher sagten; und beide kamen gerührt in das Zimmer, nachdem ich ziemlich lang' allein darin gewesen war. Die Frau gab mir einen Sack voll Saamen wie sie sagte. Es war aber auch in einem Tuch ein Laibbrodt und ein Stück trocken Fleisch dabei. Zu diesem gab sie mir einen Rechen, eine Grabschaufel, Hake, einen Schiebkarren voll Dünger, zwei irdene Töpfe, und zwei Teller, nebst einem Löffel dabei. Und so zog ich herrlich in meine Einöde zurück. – Was für ein Abend war dies! – Meine Ehrlichkeit hatte mir aus den Händen der besten Menschen einen Wohnplatz erhalten. – Ich fühlte mich glücklich. Aber, da kam das Bild von Charlotten; der Wunsch nach ihr; – Entwürfe meines Anbaus und meiner Hofnungen. – Ach, wie arbeitete ich; wie war ich gestärkt, wenn ich im wald zu dem Kapellchen ging, um wenigstens den Ort zu sehen, wo meine Liebe war, und da Charlotten an mich denken, und für mich beten sah! – Ich wollte mich nicht sehen lassen, bis ich ihr etwas von einem sichern Aufentalt und Nahrung erzählen könnte; denn ich hatte ja auf sie Verzicht getan. Endlich schrieb ich; zeigte mich. Charlotte vertraute sich mirmachte mich selig!" –

"Und elend!" fiel sie ein. – "Du Liebe! sagte er, es wäre unnatürlich und unwahr gewesen, wenn Du nicht auf diesem traurigen Wege Deines Lebens gewankt und geklagt hättestDer Beamte besuchte mich zum öftern, lobte mich, schenkte mir eine Ziege, dann die Zweite; empfahl mein Gemüs an ein Paar Häuser in der Stadt. Ich zog Zwergbäume in den Lettentöpfen, die ich mit Weiden einflochte. Blühend verkauft ich sie. Das tat uns viel gutes. Meine teure Lotte wurde die beste Mutter und arbeitete nur zu viel. Der Beamte gab uns so viel Freiheit und Gutes, als er konnte. Die Gewohnheit siegte über alles; aber nicht über den Gedanken: was wird aus meinen Kindern, aus meiner Lotte, wenn ich sterben sollte?" ––

"Wie oft lag ich neben dem grab meines Erstlings! wünschte in düstern Stunden mich Mutter und andre Kinder, auch bei ihm unter der Erde! –– Dann betete und hoffte ich wieder, meine Knaben sollten gute Gärtner, meine Mädchen einst geschickte, fleissige Weibspersonen sein. Arbeit der hände war unser Ehrenstand geworden. Ehrgeiz, Eitelkeit, alles war weit von uns; nur der Himmel und das Auge der Vorsicht nahe; und wir achteten uns nach dem ersten Stand der Unschuld zu leben. Vor einem Jahr kam Herr von Pindorf ungefähr herauf, wurde auch gerührt, gab mir Geld auf Bäumchen, die ich ziehen sollte. Aber es war nur ein Vorwand, unter dem er seine Grossmut verbarg. –– Er empfahl uns auch dem Beamten, und, o Gott! er leitete sie zu uns, Sie!" –

"Und wie viel Jahre sind sie schon hier?" fragte ich. ––

"In wenig Tagen sind es neun Jahr." –

"Ach. Gott! welch langes Leiden, und Mühe!" sagte ich mit bewegtem Herzen. –

"O, die Zeit entschlüpfte uns eben so geschwind, als den Glücklichen. Unsere arbeiten und Kinder verkürzten sie. Mein Mut, die Geduld und Frömmigkeit meiner Charlotte, waren grosse Hülfsmittel. Jemehr ich gegen das Schicksal kämpfte, je stärker wurde ich, die Last zu tragen, die es mir aufgelegt hatte. Ich vergass, dass ich Sohn eines Beamten; – und Charlotte, dass sie Tochter eines fürstlichen Rats war. – Der Beamte wollte mich vor einiger Zeit zum Schlossgärtner des Herrn von Mahnberg befördern helfen. Aber meine Frau bat mich, auf die Rückkunft des Herrn von Pindorf zu warten, der vielleicht was anders vorschlagen würde. – Es war Eingebung, die sie hatte; denn sonst wären Sie für uns verlohren gewesen, wie unser lieber Berg, den wir auch hätten verlassen müssen, um dem Herrn von Mahnberg zu dienen." ––

Frau Wolling errötete da, und sagte ganz leise: "Wilt du mir, lieber Carl, die erste Weiberlist verzeihen, die ich gegen dich gebrauchte? – Meine Bitte