hinab rollen. – Abends kam ein starkes Gewitter. Ich stand an dem Eingang des Hofs, an die Mauer gelehnt; sah bald diese traurigen Ueberreste von roten Blitzen fürchterlich beleuchtet, bald alles schwarz um mich her, und hörte ruhig die schrecklichen Donnerschläge, die darauf folgten. Diese Empörung in der natur dauerte zwei Stunden, eh die Empörung, die in meiner Seele war, sich zu beugen anfing; und ich glaube heute noch, dass eher der starke Guss des ausserordentlichen Regens, der mich durch und durch netzte und kältete, daran ursache war, als ein moralischer Beweggrund. Mechanisch kroch ich in meine Hütte, warf die Kleider weg, legte mich, und erwachte erst sehr spät. Der Tag war schön. Ich hatte noch ein Hemde, Westchen und Beinkleider von Leinwand; die zog ich an, und wollte mein nasses Gewand trocknen: als ich Etwas gehen und reden hörte. Ich versteckte mich, blieb ganz ruhig und vernahm aus dem Gespräch der Leute, die durch den Schlosshof gingen, dass es der Beamte von Mahnheim mit dem Fürsten war, die Bäume zum Fällen auszeichneten. Als sie weg waren breitete ich mein Kleid auf die Steine, ging nach einer schönen Eiche, die ich liebte und fand, wie ich es befürchtete, dass sie auch zum Hau bestimmt war. Ich umfasste sie mit Schmerz und Trauer, wie einen Freund, den mir das Schicksal nehmen wollte und wünschte sie losbitten zu können. Indem sah ich einige Schritte am Abhang etwas glanzen, und da das Gras umher zertreten war, so dachte ich, dass Jemand was verloren haben müsse; ging hin, fand einen artigen kleinen Schlüssel, nicht weit davon ein Futteral mit einem silbernen Zirkel, Maasstab und Bleistift nebst Messer; und dann ein Paketchen mit der Aufschrift: für Eichenstämme zehn Dukaten. – Das Geld für meiner Eiche Leben gerade in dem Augenblick zu finden, wo ich über ihren gedrohten Tod geweint hatte, gab den Bewegungen meiner Seele einen neuen Schwung, nebst dem Gedanken: Das gehört dem Beamten; ich will ihm alles gleich bringen. Aber zum Lohn muss er mir die Eiche stehen lassen. –– O! was war meine Empfindung als ich nach diesem Endschluss zu ihr kam und sie nun als Gegenstand meiner Wohltätigkeit vor mir stand; schöner, lieber und wichtiger schien; sogar ein Wähnen in mich kam, dass sie Gefühl haben könnte von der Umarmung, mit der ich ihr das Leben versprach; – meinen grünen Küttel noch ganz feucht anzog, nach Mannheim zum Beamten eilte und ihm das Gefundene übergab!
Der liebe Mann wollte den nehmlichen Augenblick zwei seiner Söhne mit dem Förster hinschicken und suchen lassen. Er staunte mich an, und Tränen traten in sein gütiges Auge, als er die Hand ausstreckte, um die Sachen zu nehmen. Seine Frau, seine zwei Söhne betrachteten mich mit Güte. – 'Redlicher Fremdling, sagte er, indem er meine Hand schüttelte und drückte, ich danke Euch für die Zurückgabe meines verlornen Guts; aber ich segne Euch für die Freude, einen so rechtschaffnen jungen Mann zu sehen, und für das Beispiel, das Ihr meinen Kindern gebt, arm, und zugleich so voll Ehre und Rechtliebend zu sein. – Wer seid Ihr, lieber, junger Mann. Wie kommt Ihr auf den abgelegenen Berg'? –
Ich wies ihm hier meinen Abschied, als Gärtnergesell. – Er schien zufrieden, blickte mich aber dennoch von Zeit zu Zeit nachforschend an. Ich sollte mit ihm essen; aber ich fürchtete das Ausfragen und dankte ihm!" –
"Vielleicht will Er heute noch weiter! ich will ihn an Leute in der Stadt empfehlen. – Komm Er mit in meine Schreibstube." –
Das tat ich. – Er sah mich da noch einmal nachdenkend an, weil er meine Verlegenheit sah. – "Nun wie ist es mit Ihm, Freund? Mich dünkt, Er hat mir was zu sagen. Vertrau Er sich mir;" – sprach er, indem er zugleich einen Schiebkasten seines Schreibtisches aufmachte und einen grossen Silbertaler nahm, den er mir darbot. – Nehm Er das kleine Kennzeichen meiner Dankbarkeit hin und rede Er freimütig mit mir. –
Ich wies seine Hand mit dem Taler zurück und sagte: "Herr Amtmann! ich bitte um nichts, als dass Sie die Eiche bei der alten Mauer stehen lassen, sie ist mir so lieb!" ––
Er trat ein Paar Schritte zurück und besah mich mit Staunen von Kopf zu Füssen. –
"Die Eiche! Ei was tut Ihm die Eiche?" ––
"Ach! sie ist seit sechs Tagen der Trost und die Freude meines Lebens. – Es ist sonst kein Wesen auf der Welt, das mir Gutes tat. Der einzige Wohltäter, den ich je hatte, lebt in Königsberg, so weit von mir. Lassen Sie die Eiche stehen. – Erlauben Sie mir, in der Hütte zu wohnen und um das alte Schloss herum Gemüs und Obstbäume zu pflanzen, davon ich leben will." ––
"Lieber, junger Mann! ich denke, Er wundert sich nicht, wenn Er mir immer sonderbarer vorkommt. Denn wenn Er von seiner Handarbeit leben will, warum geht Er nicht lieber zu einem Gartenmeister?" –
"Sie haben in Allem Recht, teurer Herr Amtmann. – Aber, Sie machen mich zum glücklichsten Menschen, wenn Sie mir diesen Aufentalt vergönnen, und Sie sollen mich immer als den Redlichsten finden.