o, hilf mir sie erhalten! Stärke, segne diese arme! segne diesen Boden!" ––
"Er streckte seine arme nach aller Kraft seiner Sehnen aus; blieb etwas still, setzte sich dann zu mir, umarmte mich zärtlich. – Du bleibst nun bei mir! – Sieh Charlotte, die so schönen Abendwelken, von Gott so herrlich gefärbt! Morgen zerfliessen sie in einen fruchtbaren Regen. – Hier, in dem grossen Tal vor uns, wächst Nahrung für viel tausend Geschöpfe: und hier sollte Gott uns nicht ernähren? meiner hände Arbeit nicht segnen –– für Dich – für mein Kind? – Auf dem Boden, wo er Alles hervorspriessen lässt, um Käfer, Gewürme. Vögel und wild ihre Nahrung finden zu lassen; und für mich, für Dich – solle ich an seiner väterlichen Vorsorge zweifeln?" –
Er besänftigte hierdurch meinen Schmerz und ich ging an seinem Arm glücklich, in unsre Hütte zurück. – Er erzählte mir, wieviel er gelitten, um sich zu unserer Trennung zu entschliessen. Er habe auch die Stärke dazu bloss in meiner anfangenden Kälte gegen ihn, und meiner immerwährenden Traurigkeit, gefunden; weil es ihm unmöglich gewesen sein würde, mich länger so um sich zu sehen. – Ach, er war nicht gleichgültig, der gute Carl! Unsre Liebe küttete sich nun fester – und blieb es bis auf diesen Augenblick. – Aber mit meiner Mutter hatten wir aufs neue zu kämpfen. Sie vergab uns diese Abänderung unsrer Gesinnungen lange nicht, und hielt den Beweggrund meiner Umstände für erdichtet. Endlich ging ich mit Carln ihr nach – und da konnte sie meinem Anblick und meinem Flehen nicht widerstehen. Sie vergab uns und segnete uns; weinte über mich, über ihre Armut, über die meinige. – Wir baten sie inständig, niemand zu sagen, wo wir wären, und einmal zu uns zu kommen. Sie versprach es. – Diese Hoffnung und ihr Segen und ihre uns bezeigte Liebe, stärkten mich zum Rückweg. Sie hatte auch Carln geküsst und uns gesagt, da sie unsere hände hlelt: "Ach! wollte Gott, Ihr wäret meine glücklichsten Kinder, so wie ihr meine Besten seid!" –
Auf die Zeit, da wir wussten, dass sie zu uns kam, puzten wir unser Gärtchen, unsere Hütte und alles, recht sauber und artig; wie auch den ganzen Weg nach Mahnheim, den Carl mit dem Rechen ebnete und die Steine weghob. – Aber sie war sehr traurig, mich hieher verbannt zu sehen. – Ich zeigte ihr nichts als Zufriedenheit. – Sie verkaufte meine Ringe, vier Löffel und das Zinn- und Kupfergeschirr, schrieb dann dem guten Beamten Mooss, zum Besten meines Mannes; und sagte ihm, dass er ehemals ihr Kammermädchen geheiratet habe. Er möchte ihn seine Gärtnerei da oben fortführen lassen und erlauben, eine neue Hütte zu bauen. – Die bekamen wir noch im October, wie auch Betten, Weisszeug und Kleidungsstücke, wie sie für Gärtnerleute taugten. Carls Flöte und einige Bücher kamen auch. Ich hörte die Betrachtungen meines Mannes über den wahren Unterscheid der Stände, wurde mit dem meinigen vergnügt; gewöhnte mich hier zu leben, half ihm arbeiten, er mir; – denn im Winter strickten wir beide und spannen auch. –– Seine Sorgfalt um mich ist nicht zu beschreiben; und sein Kummer auch nicht, da ich, mit vielem Web, ein todtes Kind zur Welt brachte, – und er seine Vaterfreuden verlohren, – ich für mein zärtliches Herz keine Belohnung meiner Leiden hatte, und meinen armen Mann eine Leiche an sein Herz drucken sah. – Ach! Madame, welch ein Kummer bemächtigte sich meiner! – Ich rief von meinem Lager: "O, Carl! immer noch Strafe für unsern Ungehorsam! Möchten es alle junge Leute hören, was wir für Leiden ertragen müssen, und möchten sie eher sterben lernen und sich abhärmen, als mit dem Väterlichen Fluch beladen werden!" ––
"Ich zerriss da meines Mannes Herz zum leztenmal, weil ichs mir nimmer würde vergeben haben, ihn noch einmal so zu kränken, wie es da geschah. – Es war hart und unbesonnen von mir; denn die Frau, die mir beistand, konnte uns schaden. – Wir ergaben uns mit einander dem Schicksal und weinten vereint über das schöne tote Bild, das wir vor uns hatten. Wir liebkosten es, hielten seine Händchen. Hätte Vater- und Mutterliebe es zum zweitenmal beselen können: es würde erwacht sein. – Ich konnte mich von den Ueberresten nicht trennen und wollte es bei uns haben. Sein Vater trug es selbst in das Bett der Verwesung und legte es in unser Blumengärtchen, wo Sie seinen Grabhügel gesehen haben. Ich war lange ziemlich schwach, wurde aber gegen das Frühjahr stark genug, um Carln alle kleine arbeiten abzunehmen. Ich selbst umpflanzte das Grab meines Erstlings mit Veilchen und zog einen Kranz von Blumen an der Stelle, wo sein Köpfchen liegt. – Ich weiss noch nicht, was für ein anziehendes, trauriges Vergnügen ich daran fand. – Carl entdeckte eine feine Lettenerde; daraus formte er Blumentöpfe, trocknete sie an der Sonne und flochte sie mit Weiden ein, dass sie nicht aus einander fielen, weil sie ungebrannt waren. Von dem Letten machte er auch, auf dem Absatz der Mauer, eine Art von Wand, mit Weidenflechten, dass die Erde nicht vom Regen abgeschwemmt werden konnte, und seine frühen Obstbäume gut fort