geben. Aber oft zahlte ich den Wein, ohne ihn zu trinken, wenn ich hörte, dass ihr Mann sie anschnurrte. Wenn sie ein Kind stillte, oder wenn sie freundlich mit mir war, das war ein! Das Herz und Hals war mir zugezogen; ich konnte nicht bleiben; und war doch alle Feiertag wieder da. So war es, bis mein Meister starb; da nahm die witwe mich. Wir lebten gut mit einander. Ich ging nicht mehr so oft in Bärbeles Haus, obschon ihr Mann gestorben war; aber vergessen tat ich sie nicht. Und wie ich Wittwer war und alles von meiner Frau erbte, da freute michs, dass ich keine Kinder hatte, weil ich gleich dachte, die Weinschenkin zu nehmen, und ihr aus Schulden zu helfen. – Lieber Herr Oberpfleger! tun Sie mir doch die Freud verschaffen, dass ich die Frau krieg! "Ei, sie ist ja nicht mehr hübsch!" Das däucht Sie so! Sie gefällt mir als noch, und ich möchte ihr so gern ihre alte Tag ruhig machen! Sie hat sich so viel mit ihren Kindern und ihrem Mann geplagt! Wenn ich sie nur acht Tag' hab', da vermach' ich ihr alles, und sie ist doch mein gewest! – Herr G**. wurde bewegt; der Becker merkt' es, und streckte seine arme nach ihm, mit der wiederholten Bitte, ihm zu dem letzten Glück zu helfen; er wolle gewiss ein guter Untertan sein, und Gott und Herrn G** für seine Frau danken. Er freue sich schon so viele Wochen darauf, seit er Wittwer wäre; wenn es nichts würde, so kränke es ihn tot. – Herr G** gab ihm die Hand, und versicherte ihm seiner Fürsprache. Das erleichterte mir und Madame G** das Herz; denn wir hatten im Nebenzimmer alles gehört, und wären gerne gekommen, für den Mann zu bitten, aber wir durften nicht. Bei der Zurückkunft ins Zimmer sagte Herr G** zu mir: Nun haben Sie einen Bauern-Roman gehört! Das war dauerhafte Liebe! Er soll sie haben! – O, ich danke Ihnen dafür, sagte ich, ganz bewegt; und Frau G** fuhr fort: Was für Gepränge würde ein Mann von stand machen, wenn er solche zärtliche Gesinnungen für seine erste Geliebte behalten hätte!
Mich, Mariane, freute seine Begierde, ihr Gutes zu tun, ihre Schulden zu bezahlen und ihre alten Tage ruhig zu machen! – War nicht der ganze gang seiner leidenschaft schön? voll redlicher Zärtlichkeit, ob er sie schon nicht nach unsrer künstlichen Sprache ausdrückte? –
Herr G** sagte, dies wäre der zweite sonderbare Charakter, den er unter den hiesigen Landeinwohnern gefunden hätte, indem vor zwei Jahren, da ein jung verheirateter Bauer, wegen eines grossen Vergehens, auf vier Jahre zum Schanzen verurteilt worden, sein noch ziemlich gerüsteter Vater gekommen wäre, und sich angeboten, die Strafe für seinen Sohn zu tragen, und zur ursache anführte: Er hätte noch Kräfte genug, vier Jahre zu arbeiten, so dass die herrschaft nichts verlöhre; stürbe er dann, so wäre alles vorbei, wo hingegen sein Sohn, ein junger starker Mann, seine Schande lange Jahre mit sich tragen, und auch seine arme Kinder darunter leiden würden. Nun könnte er sich bessern, und die vier Jahre über seine Güter wohl bauen und noch lange ein braver Mann sein, damit wäre den Kindern und der herrschaft mehr gedient, als mit ihm alten Mann, den das Unglück seines Sohnes zur Erde drücken würde! – Herr G** stellte ihm vor: er könne den Unschuldigen nicht anstatt des Schuldigen strafen. Der alte Mann sagte: Vater und Sohn wär' einerlei. – "Euer Sohn würde das für Euch nicht tun." "Darum ist er auch mein Sohn, und nicht alt genug, alles recht einzusehen." – Herr G** gab einen Bericht an die Regierung über diese Sache, und der junge Bauer wurde wegen seines treuen Vaters begnadigt. – Mit gerührtem Herzen dankte ich Herrn G** für diese Erzählung, und pries ihn glücklich, diese Herzen bei seinen Untergebenen zu haben, und setzte hinzu, nun wäre mir Herrn Grays schöne Elegie auf einem Landkirchhof noch werter, als sonst! Er kannte sie nicht; aber, da ich sie immer in meinem Taschenbuch habe, so gab ich sie ihm zu lesen. Sie gefiel ihm, und er ging hin, sie abzuschreiben, wie ich in mein Zimmer, um Ihnen diese zwei Anekdoten mitzuteilen. Sehen Sie sie als moralische Gemählde an, die ich auf meiner Reise zeichne, wie ein wandernder Landschaftmahler in seine Schreibtafel eine Gegend zeichnet, die seine Kenntniss rührt, und mit Dankbarkeit die Bäume bemerkt, unter deren Schatten sein auge' desto freier umher sehen konnte; noch weniger den kleinen einsamen Bauerhof vergisst, dessen Strohdach den Landmann deckt, der mit fleissiger Hand die Fluren umher anbaute, die so schön blühende Bäume zog, und das Bächelchen durch die Wiese leitete, welche zusammen dem Schönheit fühlenden Auge des geistreichen Mahlers so viel Reize zeigte. Er denkt: Ich will dich mahlen, kleine Hütte, die dem mann zur Obhut dient, dessen Rechtschaffenheit ich auf seinen Feldern und Wiesen sehe! Ihr fruchtbaren Bäume, die ihr, von ihm gepflanzt, unter seiner emsigen Aufsicht in die Höhe wuchset, ihr sollt mein Gemählde, so wie diese Gegend verschönern! Vielleicht bleibt der getreue Abriss von dir,