: Ihnen – Sie? – was ist das?" ––
"Lassen Sie mich so reden, Liebe! lassen lassen Sie mich so"; antwortete er. Ich schwieg da. ––
"Ich habe Sie elend gemacht, durch die zärtlichste Liebe elend gemacht. Vergeben Sie mir, Charlotte! und willigen Sie in die Genugtuung, die in meiner Gewalt ist. – gehen Sie Morgen mit mir nach Ihrem Aufentalt zurück. Ihre Mutter wird Sie mit Güte aufnehmen. Hier haben Sie die Versicherung davon." – Er gab mir einen Brief von meiner Mutter. "In dem Schooss dieser Mutter werden Sie sich trösten und erholen. – Die Zeit hilft auch. Nehmen Sie den Namen an, den Ihr Vater bei unsrer Trauung Ihnen gab. – Es ist ein Titel dabei, der wird Ihren Herrn Schwager bewegen, Sie neben Ihrer Frau Mutter in sein Haus zu nehmen. Da werden Sie Mutter- und Schwesterliebe geniessen. Verkaufen Sie Ihr Geräte, Ihre Ringe und Löffel; es wird Ihnen so viel tragen, dass Sie nicht ganz abhängig sein werden. – Sagen Sie, ich wäre fort, mein Glück zu suchen. Ach! Sagen Sie darüber, was Sie gut dünkt, was Ihnen Gutes tun kann. – Vergeben Sie mir nur Ihr Elend, Ihre Verbindung mit mir! Lassen Sie sie aufheben. Die Umstände, in denen Sie damals waren, werden es sehr erleichtern; und ich, – ich will Alles bekräftigen, Alles unterschreiben, was für Sie, was zu Ihrem Besten sein kann. – Sagen Sie nur meinen Aufentalt Niemand. Lassen Sie mir den Löffel, mit dem Sie assen, und die Stücke Weisszeug, die uns deckten. – Ich will sonst nichts!" – Er breitete seine arme aus. –– "Ganze, ganze Welt! ich will sonst nichts!" ––
Ich hatte, wie Sie denken können, immer fort ge
weint. Er schien es nicht zu achten und seine Augen und sein Gesicht waren trocken; nur manchmal rot, manchmal gezogen. Er hatte aufgehört zu reden. Ich schluchzte laut. Er wischte meine Augen, seufzte, war aber noch fest genug –– mir ruhig zu sagen: "Kommen Sie! wir wollen den Brief Ihrer Mutter lesen." ––
"Ich konnte nicht reden; nur meine hände rin
gegen. –– Ich hoffte gewiss zu sterben, so übel, so schmerzvoll war es mir, Carln unempfindlich bei den Tränen zu sehen, die ich vergoss. –– Meiner Mutter Brief war freundlich. Sie lobte Carln über seinen Entschluss und sein Anerbieten einer Ehescheidung; setzte hinzu, sie würde so nach dieser Trennung nimmer gelitten haben, dass wir uns sähen, und hätte wohl vermutet, dass der Wahnsinn meiner Liebe austoben würde. Aber, ich bin Mutter, endigte sie! komm mein Kind! komm, du sollst mich als deine treue, zärtliche Mutter finden, so lange ich lebe." ––
Seine stimme war ziemlich bewegt, so lange er las;
aber keine Zähre trat in seine Augen. Das quälte, und empörte mich äusserst. Als ich ihn nun vollends den Brief wieder mit gesetzter Miene zusammenlegen sah, trockneten jähling meine Tränen. Ich riss mit Zorn den Brief meiner Mutter aus seiner Hand, warf ihn weg: – "Ich bin selbst Mutter!" schrie ich und schlug mit Verzweiflung auf meinen Leib; – "ich selbst! – und Du!" – Ich stiess meinen Mann von mir. – "Du? hart, unempfindlich, wie mein Vater es war." ––
Er fuhr auf, schlug seine hände zusammen, blickte mich an. – Ach! ich kann nicht sagen, wie? – fiel mit Heftigkeit hin, auf seine Knie vor mich; umfasste mich, konnte auch lange nicht reden. – Ich wollte mich losmachen von seinen Armen, aber er hielt mich umklammert.
"Charlotte! Du bist Mutter?" –
"Mutter!" –– Er betrachtete mich einen Augenblick, mit einem unsäglichen Ausdruck seines Gesichts. ––
"Grausame! Du sagtest mir nichts!" – Nun ströhmten Tränen von seinen Augen. Er legte seinen Kopf auf meine Knie und weinte laut. – Ich sagte noch, indem ich meine arme um mich legte: "Ich hoffe, armes geschöpf, Du sollst mit mir zu grund gehen und sterben." ––
"Er umfasste mich – und schrie, stammlend vom Weinen: O, Charlotte! sei gern Mutter! – Mutter meines Kindes. –– Liebe mein Kind, liebe mich!" ––
Ich schwieg; er auch. Dann richtete er sich auf. – "Ich Vater! Du Mutter! – Charlotte, du bist mein, ewig mein;" – mit Entzücken umarmete er mich da. "Vergieb! vergieb mir Alles! Vergieb mir, um meines Kindes willen! – Nun kannst Du, nun darfst Du nicht von mir!" ––
Ach Gott! das Lächeln des Glücks und der Liebe verbreitete sich über all seine Züge. Ich weinte wieder sanft; ich fühlte auch all meine Liebe wieder. Er küsste meine Tränen auf. – "Charlotte! beruhige Dich. Lebe! lass mein Kind leben. – Dein Gram tödtet es. – Lebe mit ihm, Du Teure, Angebetete, Du! seine Mutter!" ––
Eine Zeit darauf erhob er seine hände zum Himmel: "Ewiger Vater! du gabst mir die zwei Geschöpfe; hilf,