alten Steine herum Blumen gestreut waren. Ach, da fiel mir Carl ein – und seine Blumen-Gedanken bei den Hochzeiten meiner Schwestern. Mein Herz klopfte; ich näherte mich dem Körbchen. Mein Name war in Feldblumen gebunden und ein Zettelchen dabei: "Charlotte! wenn Liebe, gütige Liebe Sie so oft herführt; wenn sie mich sehen möchten: so gehen Sie einige Schritte auf der rechten Seite der grossen Eiche hin. Wo nicht, – ach wo nicht: Charlotte, so nehmen Sie doch meinen Segen. Ich bin nicht ganz unglücklich. Ich lebe einsam – und habe Sie oft, oft gesehen. –– Gott lohne Sie für diese augenblicke." ––
Zitternd und wankend, wie trunken, ging ich hinaus. – Er war gleich da; war lauter Freude, lauter Glück. – Ich auch. – Er erzählte mir, er habe einen Aufentalt, habe sich Obstbäume gepflanzt, etliche gepfropft, Gemüs angelegt, habe eine süsse, einsame Hütte in der schönsten Gegend, habe sich auch Gerste angesäet; habe Brennholz genug; – sei dies alles seiner Ehrlichkeit schuldig; hange von Niemand, als seiner Arbeit und redlichem Herzen ab; habe zwei eigne Ziegen. – Ich freute mich über all das innig. Er machte mir auch die ganze Beschreibung so herzlich, dass ich ihm endlich sagte, ich wollte seine Hütte sehen. – "Meine Hütte, Sie! Sie? Ach, sie ist fünf Stunden von hier! Sie kommen in einen Tag nicht hin und her." – Er stammelte fast, da er dies sagte und sah wehmütig und zärtlich mich an. – "Ist kein Dorf in der Nähe?" – "Ja." –– "Nun dort will ich über Nacht sein." – Er wurde tiefsinnig und unruhig. – "Charlotte, liebe Charlotte! wollen Sie? – wenn, wenn wollen Sie meine Hütte sehen?" – Er hielt bei diesen fragen eine meiner hände an seine Brust. – Ich sagte ihm, dass meine Mutter in acht Tagen mit meiner Schwester in ein Bad reisen würde; da könnte ich abkommen, ohne dass es jemand wüsste. Ich wollte, wenn das Wetter schön wäre, recht früh da sein; er sollte mich bei der Eiche abholen.
Freude in seinen Augen, – Entzücken, Unruhe, Tränen, küssen meiner hände, meiner Schürze, der Blumen, die ich in der Hand hatte, essen dieser Blumen, – alles wechselte bei ihm ab. – Dann wurde er still, blickte mich aber so an, dass ich ihn für krank hielt, und fragte was ihm fehlte. – Er sagte mir aber nur: "Charlotte! kommen Sie gewiss? – gewiss?" – "Ja, mein Carl;" – und unwillkührlich legte ich meinen Kopf auf seinen Arm hin. ––
Ach, fuhr sie fort, bei all meinem Elende erinnerte ich mich oft mit Vergnügen der Freude, die er hatte. Er druckte mich einen Augenblick mit einem Arm an sich, stand auf, fasste lebhaft das übrige Stück des Altars, küsste die Stellen, wo ich gesessen, hielt sich wieder am Pfeiler, "heilig, gesegnet bist du mir! – ach, der letzte Stein, das letzte Sandkörnchen von dir wird mir heilig sein! Möge, sagte er mit gefalteten Händen, mein Glück die Seligkeit des Manns vermehren, der dich erbaute!" –
Ich vergoss süsse Tränen der Freude und auch Tränen der Angst; denn ich glaubte, er käme ausser sich. Er ging nachdem er das wenige Geld von mir angenommen hatte und bat mich, zwei Löffel und eine Serviette mit zu bringen. –– "In acht Tagen schlaf ich hier," – und legte seine Hand freudig auf die Erde. Und ja, er schlief da. – Aber ich war auch Morgens, um drei Uhr auf dem Wege zur Eiche, mit einem Pakken Weisszeug, meinen zwei Ringen und den sechs Löffeln, – welches alles ich Carln lassen wollte. Einige mal hatte ich freilich gedacht, was meine Mutter sagen könnte, wenn sie es wüsste. Ich sagte mir dann, sie sei weit weg; ich käme ja den andern Tag wieder. Und Carl war ja doch mit mir getraut, und so rechtschaffen! –– Ich musste nun wieder eine Unwahrheit sagen, da ich der Wittbe erzählte, ich gehe auf etliche Tage zu meiner Mutter ins Bad; sie solle indessen meine Sachen wohl besorgen.
Mein Mann verkürzte mir den Weg, weil er mir immer alle Oerter nannte, alle schöne Gegenden zeigte; denn er wusste einen Pfad, der immer auf der Anhöhe fortdauerte und sich endlich im Gebüsch dieses berges verlohr, den ich aber bald erstiegen hatte; obschon Carl selbst immer langsamer ging, unter einem Arm das Päkchen trug und mit dem andern mich unterstützte. Ich war aufgeschürzt, hatte einen Strohhut auf, und einen Haselstock, den Carl geschnitten hatte. Er führte mich unter dem halben Bogen der Nussstauden, die noch da sind, gegen das alte Schloss, an die Ecke seines Gemüsgärtchens, in den Hof, wo ich die öde Mauer an der Seite der Hütte, mit Laub- und Waldblumen-Gewinden geziert fand. Das Dach der Hütte war ganz mit Tannenreissig bedeckt und Blumen dazwischen gelegt; das kleine Fensterchen mit eingefasst; eine Moossbank vor der Hütte. Das Kämmerchen war kleiner, als jetzt – und innen auch mit Grün und Kränzen geziert. –